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Wer Small Talk richtig beherrscht, kann Türen öffnen.

Der lange Weg zum kurzen Gespräch

So gelingt uns Small Talk mit Kollegen und dem Chef

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München - Es ist die Kunst des unangestrengten, ebenso amüsanten wie eleganten Geplauders - trotzdem gibt es Fettnäpfchen beim Small Talk im Beruf. Lesen Sie, wie man es besser machen kann.

Jeder ist schon einmal in die Situation gekommen, in der es angebracht wäre, mit dem Small Talk zu beginnen -  nur der Mut oder die richtigen Worte haben bisher dazu gefehlt. Denn um so ungezwungener und unkomplizierter es ablaufen soll, desto öfter hapert es an der Umsetzung. Wir wirken verkrampft, unsicher.  

Die falsche Einstellung gegenüber dem Small Talk

Oftmals wird der Small Talk als nur oberflächliche und sogar undankbare Unterhaltung wahrgenommen. Tatsächlich charakterisieren ihn keine tiefgründigen Themen, die große Emotionen beim Gesprächspartner auslösen - vorerst zumindest. Denn der Small Talk der sich laut dem Wörterbuch auch als ''Belanglosigkeit, Gelaber oder Gerede'' definiert, kann sich als dankbarer Türöffner herrausstellen.

Der Small Talk dient in erster Linie der Annäherung, entscheidend ist hierbei allerdings der Grund der ''Annäherung''. ''Vorab sollte man sich bereits immer darüber Gedanken machen, welche persönlichen Interessen beziehungsweise welches Ziel man mit dem Small Talk verfolgt'', rät Professorin Anja Seng, sie ist seit 2002 an der FOM Hochschule tätig, seit 2007 Professorin für Betriebswirtschaftslehre und insbesondere Personalmanagement. Außerdem setzt sich Anja Seng mit dem Thema ''Frauen und Karriere'' auseinander und veranstaltet zu diesem Thema regelmäßig Informations-Tage. 

Es sei wichtig, Small Talk nicht nur als oberflächliche Unterhaltung anzusehen, denn dieser sei der erste wichtige Schritt, um sein Netzwerk zu erweitern. Der persönliche Mehrwert spiele daher eine entscheidende Rolle. Anja Seng rät daher, bei größeren Veranstaltungen wie zum Beispiel einer Tagung die Teilnehmerliste anzufordern, anhand derer könne man bereits überlegen, mit wem man das Gespräch suchen möchte. Anschließend könne man sich konkreter vorbereiten: Was für Erwartungen habe ich an die jeweiligen Personen, mit denen ich Kontakt aufnehmen möchte? Will ich sie in mein Netzwerk aufnehmen? Für mein Unternehmen begeistern? Oder sind sie einfach interessant als Input-Geber ?

Für Small Talk sollten wir uns eine Strategie zurechtlegen

''Small Talk gelingt uns besser, wenn wir strategisch vorgehen'', sagt die Professorin. Natürlich dürfe neben der Strategie nicht die Körpersprache außer Acht gelassen werden, denn diese kann bereits der erste Schritt sein, um von seinem Gegenüber als sympathisch wahrgenommen zu werden. Der sogenannte Schneeball-Effekt sei an dieser Stelle erwähnenswert. Der Schneeball-Effekt nimmt mit fortdauernder Zeit immer größere Ausmaße an. Anja Seng erklärt dies an einem themenspezifischen Beispiel: ''Wenn Sie Ihren Gesprächspartner anlächeln, wird dieser mit hoher Wahrscheinlichkeit zurücklächeln.'' Es sei ein natürliches Bedürfnis, das wir bei unseren Mitmenschen auslösen würden. Durch diese Wahrnehmung, ausgelöst durch das gegenseitige Anlächeln, würde sich in den meisten Fällen ein lockeres Gespräch entwickeln. An dieser Stelle spricht man vom Schneeball-Effekt.

Schweigen ist Gold, Reden ist Silber - und die Mischung aus beidem unbezahlbar

Es gibt Themen, die sollten bei einem Small Talk nicht angesprochen werden, wenn es sich nicht um eine lockere Unterhaltung zwischen guten Kollegen handelt. Statements zu Politik, Religion und ähnliche gesellschaftskritische Themen sind absolut tabu. Außerdem sollte darauf verzichtet werden, eine Wertung abzugeben. ''Es ist wichtig, seine eigene Meinung auch beim Small Talk zu vertreten, und dies auf eine verbindliche Art und Weise'', so Anja Seng. Die Professorin rät daher, nicht mit der Tür ins Haus zu fallen und Kommentare wie 'Der Redner war grundlegend schlecht' für sich zu behalten. 

Wird man jedoch nach seiner Meinung gefragt, könne eine mögliche Antwort lauten: 'Ich habe für mich etwas mitnehmen können.' Schließlich sind über den Gesprächspartner meist nur wenige bis gar keine Details bekannt. In welcher Beziehung mein Gesprächspartner zum engagierten Redner steht, ist daher meist nicht klar. ''Es ist sehr schwierig, die Balance zwischen der eigenen Meinung und einer Wertung anderer zu halten und dabei das eigene Zeil nicht aus dem Auge zu verlieren. Es bedarf einiges an Übung, einen erfolgreichen Small Talk zu beherrschen'', so Anja Seng. Es gäbe kein direktes Muster, an das man sich immer halten könne, denn Small Talk heißt auch: flexibel sein und sich immer wieder neu auf eine Person und eine Situation einstellen zu können. Ebenso die Analyse vorab, in welchem Umfeld man sich bewegt, gehöre dazu.

Nicht jeder Kontakt ist wertvoll 

Kommt es zu Diskussionen oder dem ursprünglichen Thema wird keinerlei Beachtung mehr geschenkt, rät Anja Seng, ''mit höflichen Worten auf das ursprüngliche Thema zu verweisen.'' Natürlich läuft man oftmals Gefahr, sich verleiten zu lassen und mitzudiskutieren, aber handelt es sich um einen wertvollen Kontakt, wird davon dringend abgeraten. Vermeintlich wichtige Kontakte können sich hinsichtlich des Zwischenmenschlichen als unmöglich herausstellen - allerdings geht es beim geschäftlichen Small Talk weniger darum, Menschen zu finde, mit denen man gerne seine Freizeit verbringt.

Die Bereitschaft, sich auf Menschen einzulassen, bedarf viel Übung

Vor allem dem weiblichen Geschlecht solle es deutlich schwerer fallen, Small Talk einzuleiten oder gar zu führen. Die Erfahrungen von Anja Seng zeigen, dass Männer mit deutlich mehr Kontakten von Tagungen und Meetings zurückkommen. Frauen fehle oftmals das nötige Selbstvertrauen. Wenn es darum geht, die Zeit bis zum Beginn des Meetings zu überbrücken, ergreifen sie seltener die Initiative, um mit einem kurzen Gespräch die Zeit zu überbrücken. Dabei könne man, um Sicherheit zu gewinnen, immer wieder kurze Gespräche in den Alltag integrieren: "Sich einfach mal vorzunehmen, bei der nächsten Grill-Party drei neue Leute anzusprechen und für einen kleinen Austausch zu gewinnen, kann die ersten Erfolgserlebnisse offenbaren'', sagt Anja Seng. 

Manchen wurde der offene Umgang mit Mitmenschen bereits in die Wiege gelegt, andere müssen ihn erst erlernen. Auch Menschenkenntnisse helfen bei der Einschätzung des Gegenübers. Mit der Zeit seien diese für nahezu jeden erlernbar. Die Rektoratsbeauftragte für Diversity und Gender hat sogenannte ''Frauen-Informationstage'' an einigen der zahlreichen Studienzentren eingerichtet. Momentan finden insgesamt 15 pro Jahr statt, der nächste Termin in München sei für Ende Oktober angedacht. Die Frauen bekommen dort unter anderem Vorträge darüber geboten, wie Netzwerken richtig funktioniert oder wie beispielsweise Gehaltverhandlungen am besten angesprochen werden.

Auch im Internet gibt es zahlreiche Ratgeber beziehungsweise Videos, die Tipps und Tricks zum perfekten Small Talk geben. Einer dieser Experten ist Joachim Jahn, der Persönlichkeitstrainer gibt Tipps die im alltäglichen Leben anwendbar sind und in der Regel nicht allzu viel Zeit in Anspruch nehmen. 

''The Distilled Man'' gibt ebenfalls Tipps beziehungsweise regelmäßig Ratschläge über alltägliche Fragen, die sich allerdings nur an Männer richten. Doch auch hier lautet eine beliebte Frage: Wie gelingt mir Small Talk?

Alina Schimansky

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