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Das Arbeitsleben lässt sich mit einem Marathonlauf vergleichen.

Fit bleiben im Job

Beruflicher Marathon bis zur Rente

Nürnberg. Das Berufsleben gleicht einem Marathon-Lauf: Ältere Menschen müssen gut planen, wie sie im Job fit bleiben. Berufstätige 70-Jährige dürften in Zukunft keine Seltenheit sein.

„Immer mehr Menschen werden in Zukunft zwischen 65 und 70 Jahren noch arbeiten“, prophezeit Prof. Lutz Bellmann vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Selbst über 70-Jährige, die in Teilzeit arbeiten, werden keine Seltenheit mehr sein. Derzeit wird zwar wieder die Rente mit 63 Jahren diskutiert. Danach können Beschäftigte, die 45 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt haben, mit 63 abschlagsfrei in den Ruhestand gehen. Wer nicht auf so viele Beitragsjahre kommt, wird jedoch nach wie vor regulär erst mit 67 Jahren sich zur Ruhe setzen können. Möglicherweise wird er sogar noch länger arbeiten. „Die längere Berufstätigkeit wird zum einen materielle Gründe haben“, meint Götz Richter. Er forscht zum Thema demografischer Wandel in der Arbeitswelt bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin.

Mancher werde es sich in Zukunft nicht leisten können, im Alter nicht zu arbeiten, wenn er privat nur schlecht vorgesorgt hat. Anders als früher gebe es auch vom Staat und der Wirtschaft weniger Anreize, sich im Alter möglichst rasch zur Ruhe zu setzen. Zunehmend hätten Unternehmen ein Interesse daran, Ältere im Betrieb zu halten. Denn aufgrund der fehlenden Geburten gibt es zu wenig Fachkräfte. Gleichzeitig wandele sich das Selbstverständnis der Senioren. „Arbeit ist sinnstiftend, erfüllend und gibt Selbstbestätigung“, erklärt Richter. Mit Mitte 60 oder 70 seien viele heute noch topfit. Diese rüstigen Senioren fühlen sich zu jung für die Rente, vor allem wenn sie ihren Job mit Leidenschaft ausüben.

Jobs im Büro

Schließlich wandelt sich auch die Art der Jobs. Beschäftigte erledigen inzwischen immer häufiger Bürojobs statt körperlich anstrengender Arbeit etwa in der Landwirtschaft. Daher sei es für immer mehr Menschen körperlich möglich, mit Mitte 60 noch zu arbeiten. Tatsächlich arbeiten immer mehr Ältere oder wollen arbeiten. 2012 war knapp die Hälfte (49,6 Prozent) der 60- bis 64-Jährigen am Arbeitsmarkt aktiv. Binnen zehn Jahren hat sich der Anteil fast verdoppelt (2002: 25,1 Prozent). Erfasst werden Erwerbstätige und Arbeitslose, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Das betrifft besonders ältere Frauen. Rund 40,9 Prozent der 60- bis 64-Jährigen hatten 2012 einen Job oder suchten eine Arbeit. Zehn Jahre zuvor waren es 16,4 Prozent. Außerdem gehen die Bundesbürger später in Rente. 2011 verabschiedeten sich Beschäftigte im Mittel mit 61,1 Jahren in den Ruhestand. Zehn Jahre zuvor betrug das Durchschnittsalter noch 59,3 Jahre.

Regelmäßig weiterbilden

„Das Erwerbsleben der Zukunft lässt sich mit einem Marathonlauf vergleichen“, sagt Richter voraus. Um den langen Lauf bis zur Rente zu meistern, müssen Beschäftigte ihre Kondition einteilen. Die Karriere entscheide sich weder auf den ersten, noch auf den letzten Metern. Beschäftigte müssten vielmehr kontinuierlich am Ball bleiben. Das erfordere, sich regelmäßig weiterzubilden, diagnostiziert Karriereberaterin Svenja Hofert. Gerade Mitarbeiter, die seit langer Zeit in einem Unternehmen beschäftigt seien, liefen Gefahr, den Anschluss zu verlieren. Sie wiegen sich häufig in falscher Sicherheit, dass sie sich nie nach einer neuen Stelle umsehen müssen. Passiert es dann doch, etwa weil die Firma in Konkurs geht, sei die Jobsuche oft schwierig.

Beschäftigte sollten deshalb regelmäßig Stellenanzeigen aus dem eigenen Bereich lesen und überprüfen, ob sie die dort verlangten Fertigkeiten haben. Was fehlt, eignen sich Mitarbeiter am besten mit Fortbildung selbst an und zwar einmal pro Jahr als Minimum. Außerdem sollten Beschäftigte im Job nach Herausforderungen greifen, wenn sie sich ihnen anbieten, erläutert Richter. „Klar macht es Stress, wenn ich in der Firma die Tätigkeit wechseln muss.“ Doch gerade jene, die solche Herausforderungen annehmen, bleiben geistig flexibel.

Mit dem Rad zur Arbeit

Um möglichst lange erwerbstätig sein zu können, müssten Mitarbeiter auf ihre Gesundheit achten. Das Rad statt den Bus zur Arbeit zu nehmen, solche Alltäglichkeiten zahlten sich auf Dauer aus. Auf den ersten Blick wirkt es für viele erschreckend, dass die Zeit bis zur Rente sich immer länger hinziehen wird. Doch die Flexibilität bietet auch Chancen, erklärt Firmenberater Gundolf Meyer-Hentschel. In Zukunft würden Menschen mit Ende 60 nicht zum alten Eisen gehören. Wer dann noch fit sei, könne noch einmal den Neustart wagen.

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