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Das Angebot an Berufen ist groß - bei der Wahl tut sich so mancher Jugendliche schwer. Foto: Hendrik Schmidt

Berufswahl fällt vielen Schülern schwer

Berlin/Nürnberg - Schüler in Deutschland suchen vor allem nach einem Beruf, der ihnen "Spaß macht". Doch den zu finden ist für viele schwierig. Und sie fühlen sich dabei schlecht informiert. Oft müssen die Eltern helfen.

Für viele Schüler in Deutschland ist der Weg in den Job trotz zahlloser Info-Angebote voller Fragezeichen: Die Berufswahl am Ende der Schulzeit fällt fast der Hälfte der Jugendlichen (46 Prozent) ziemlich oder sehr schwer, mehr als ein Drittel (35 Prozent) fühlt sich nur unzureichend über Berufsmöglichkeiten informiert. Und häufig treten die eigenen Eltern als wichtigste Ratgeber auf, wie eine in Berlin vorgestellte Allensbach-Umfrage im Auftrag der Vodafone Stiftung ergab.

Von den Gymnasiasten räumen demnach fast zwei Drittel (62 Prozent) ein, zu wenig über bestimmte Studiengänge zu wissen. Schlecht kommen in der Umfrage die Angebote der Bundesagentur für Arbeit (BA) weg: Nur 25 Prozent der Schüler informieren sich dort, davon fand nur ein Drittel (32 Prozent) die Hinweise hilfreich. Weniger Nachfrage haben nur Info-Tage von Unternehmen (21 Prozent) und Universitäten (15).

Die Bundesagentur zeigte sich über das Ergebnis der Umfrage überrascht. Üblicherweise biete die BA Schülern ganzer Abgangsklassen Berufsorientierung an. Vermutlich hätten viele Schüler diese Schulbesprechungen bei ihren Antworten unberücksichtigt gelassen, sagte eine BA-Sprecherin. In BA-eigenen Umfragen würden die BA-Angebote in der Regel auch als hilfreich beurteilt.

Prof. Klaus Hurrelmann (Hertie School of Governance) wies auf die hohe "biografische Bedeutung" des Wechsels von der Schule in Ausbildung oder Studium hin: "Wenn der Übergang gut gemacht ist, (...) dann ist das ein Motivationsschub." Die von Allensbach festgestellte "strategische Allianz" Jugendlicher mit den Eltern sei zweischneidig: Einerseits ein Zeichen für generationenübergreifende Hilfsbereitschaft - andererseits oft eine Überforderung der Eltern, mit der die Gefahr wachse, dass bestimmte berufliche Traditionen einfach nur weitergegeben würden.

Zumal Allensbach-Chefin Renate Köcher in punkto Berufswunsch festgestellt hat: "Die Mehrheit der Jugendlichen weiß: Nicht das, was meine Eltern machen." Neben Gesprächen mit der Mutter (von 72 Prozent der Befragten genutzt) und dem Vater (61 Prozent) sind für Schüler Berufswahl-Informationen von Freunden und Bekannten (74 Prozent) oder Internet-Recherchen (63) wichtig. Für knapp zwei Drittel der Eltern (61 Prozent) ist es selbstverständlich, bei der Berufsorientierung ihrer Kinder mitzuwirken.

Die Pläne von Jungen und Mädchen klaffen laut Umfrage bei den technischen Berufen nach wie vor weit auseinander (27 Prozent Jungen, 2 Prozent Mädchen), etwas weniger beim Handwerk (14 zu 6). Andererseits sind bei medizinischen (5 Prozent Jungen, 20 Prozent Mädchen) und sozialen Berufen (4 zu 18) die weiblichen Interessenten klar in der Überzahl. "Man macht sich wenig Gedanken darüber, dass nur wenige Männer in soziale Berufe gehen", sagte Köcher.

Bei der Motivation für einen Job sind Jungen und Mädchen sich laut Umfrage jedoch einig: Für je 87 Prozent ist es am wichtigsten, einen Beruf zu haben, "der mir Spaß macht". Dahinter rangieren bei Jungen "gutes Einkommen" (80 Prozent) und "das Leben genießen" (75), bei Mädchen indes "sicherer Arbeitsplatz". Und während nur für 21 Prozent der Jungen wichtig ist, anderen Menschen mit ihrem Beruf zu helfen, sind dies bei den Mädchen immerhin 43 Prozent. "In weiten Teilen (...) haben wir Männerwelten und Frauenwelten", so Köchers Fazit. Und Hurrelmann forderte "Anreize und Impulse" für eine weniger starke geschlechtsspezifische Festlegung von Schülern und Schülerinnen.

Die Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach basiert auf 528 mündlich-persönlichen Interviews mit Schülern der letzten drei Klassen an allgemeinbildenden weiterführenden Schulen sowie 483 Interviews mit Eltern, deren (ältestes) Schulkind eine der letzten drei Klassen an einer allgemeinbildenden weiterführenden Schule besucht.

Allensbach-Studie der Vodafone-Stiftung

dpa

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