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Ausbildungsberuf Bestatter.

Berufsbild Bestatter

Mit Sensibilität lernen für den letzten Dienst

Trauerbegleiter und Totengräber - der Beruf des Bestatters ist vielseitig und erfordert viel Sensibilität. Doch immer mehr junge Menschen wollen sich in in dem Beruf ausbilden lassen, in dem sie anderen den letzten Dienst erweisen.

Zwischen Engelsfiguren und Grabsteinen steht Katrin Wernze und beäugt kritisch einen leuchtend orangen Bagger, der mit ruckeligen Bewegungen eine Grube aushebt. Hier wird allerdings nie ein Mensch begraben werden. Vielmehr bildet sich die junge Frau auf Europas einzigem Lehrfriedhof für einen Beruf fort, der früher abschätzig Totengräber genannt wurde. Aus dem Totengräber ist mittlerweile der Bestatter geworden – das Gewerbe wurde in den vergangenen Jahren modernisiert wie kaum ein zweites. Das Bundesausbildungszentrum in Münnerstadt (Landkreis Rhön- Grabfeld) sorgt dafür, dass sich hinter der Berufsbezeichnung ein hoch qualifizierter und sensibler Dienstleister verbirgt, der mehr vermag, als Verstorbene „unter die Erde zu bringen“.

In dem 8000-Einwohner-Ort in Unterfranken lernen Bestatter aus ganz Deutschland, kompetent und überlegt mit der ständigen Ausnahmesituation ihres Metiers umzugehen. „Hier ist niemand beerdigt“, versichert Bestattermeister Matthias Liebler. In einem Fortbildungskurs hebt Katrin Wernze nicht nur Gräber aus, auch mit dem Spaten wird geübt. Um die Qualifikation „geprüfter Bestatter“ zu erwerben, muss sie die letzte Ruhestätte perfekt ausbaggern, verschalen und sichern können. „Die körperliche Arbeit ist genau mein Ding“, bemerkt die gelernte Floristin. Auch im Lötkurs für die Versiegelung von Zinksärgen stellt sich die junge Frau geschickt an. Als „persönliche Herausforderung“ bezeichnet sie das fünfte der sechs Fortbildungsmodule: die hygienische Versorgung von Verstorbenen. Denn wenn die Bestatter den Toten schminken und herrichten, kommen sie mit dem Tod hautnah in Berührung. Besonders wenn Kinder beerdigt würden, sei sie ergriffen, berichtet Wernze.

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Seit der Eröffnung des Ausbildungszentrums 2005 wurden in Münnerstadt mehr als 440 Bestatter ausoder fortgebildet. 40 Bestattermeister, Psychologen, Juristen und Floristen unterrichten als Dozenten nicht nur auf dem Friedhof. Auf den kompetenten „letzten Dienst“ am Verstorbenen und die serviceorientierte, einfühlsame Dienstleistung gegenüber den Hinterbliebenen wird hier gleichermaßen Wert gelegt. Dafür müssen Wernze und ihre Mitstreiter etwa die rechtlichen Bestimmungen bei einer Seebestattung kennen, erörtern die Vor- und Nachteile verschiedener Sargmaterialen, simulieren die Beratung für eine würdevolle Traueranzeige und üben die Buchführung mit einer Bestattersoftware.

Bis 2003 gab es keine gesetzlich geregelte Ausbildung zum Bestatter. Auch heute noch darf faktisch jeder Gewerbeberechtigte Verstorbene begraben. „In Münnerstadt schaffen wir eine Gewähr für Qualität durch Qualifikation“, erklärt Rolf Lichtner vom Bundesverband Deutscher Bestatter. Für die Branche sei der überbetriebliche Modernisierungsmotor in Münnerstadt „dringend erforderlich“ gewesen. Immer mehr junge Menschen interessierten sich für die Ausbildung zum Bestatter. Dozent Bernd Geyer sieht den Bestatter auch als Trauerbegleiter, als Ansprechpartner oft noch vor dem Pfarrer: „Die Persönlichkeit eines Verstorbenen kann so vielfältig gewürdigt werden. Wir arbeiten dafür, dass die Hinterbliebenen auch etwas Positives an den Abschied in Erinnerung behalten.“

Barbara Mack

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