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Eine betriebsbedingte Kündigung ist für viele ein Schock. Welche Mitarbeiter müssen in diesem Fall als erstes gehen?

Arbeitsrecht

Wer muss bei einer betriebsbedingten Kündigung als erstes gehen?

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Muss ein Unternehmen betriebsbedingt kündigen, verlieren oft viele Mitarbeiter ihren Job. Doch welche Arbeitnehmer müssen in so einem Fall als erstes gehen?

Wenn es in einem Betrieb nicht gut läuft, weil etwa Aufträge ausbleiben, bleibt vielen Unternehmen nichts anderes übrig als Mitarbeitern betriebsbedingt zu kündigen. So sparen sie Kosten und können das Schlimmste erst einmal abwenden. Bei größeren Unternehmen können so schnell mehrere hundert Mitarbeiter auf der Straße stehen. Doch nach welchen Kriterien wird eigentlich entschieden, wer in so einem Fall die Kündigung erhält? Müssen die "Faulsten" gehen? Oder die, die als letztes eingestellt wurden? 

Betriebsbedingte Kündigung: Soziale Kriterien entscheiden, wer gehen muss

Wer bei einer betriebsbedingten Kündigung gehen muss, das entschiedet nicht allein der Arbeitgeber. Ein Unternehmen, in dem der allgemeine Kündigungsschutz gilt, muss bei einer betriebsbedingten Kündigung eine Sozialauswahl durchführen. Das heißt, der Arbeitgeber muss ein Sozialranking unter denjenigen Mitarbeitern erstellen, die eine vergleichbare Arbeit verrichten. 

Bei der Sozialauswahl muss der Arbeitgeber vier Kriterien berücksichtigen:

  • die Dauer der Betriebszugehörigkeit,
  • das Lebensalter,
  • Unterhaltspflichten (z.B. für Kinder) sowie
  • Schwerbehinderungen.

Das heißt, Mitarbeiter, die erst kurz im Unternehmen und noch relativ jung sind, keine unterhaltspflichtigen Kinder haben und auch nicht schwerbehindert sind, werden als erstes gekündigt.

Ohne Berücksichtigung dieser sozialen Kriterien ist eine betriebsbedingte Kündigung, genau wie eine Änderungskündigung, unwirksam. 

Ausnahme: Leistungsträger im Unternehmen

Nach § 1 Abs. 3 Satz 2 des Kündigungsschutzgesetzes (KSchG) kann der Betrieb jedoch Leistungsträger von der Sozialauswahl ausnehmen. Diese Leistungsträgerklausel wird auch gerne "Olympiaregel" genannt. Hierzu heißt es im Gesetz: 

"In die soziale Auswahl nach Satz 1 sind Arbeitnehmer nicht einzubeziehen, deren Weiterbeschäftigung, insbesondere wegen ihrer Kenntnisse, Fähigkeiten und Leistungen oder zur Sicherung einer ausgewogenen Personalstruktur des Betriebes, im berechtigten betrieblichen Interesse liegt." 

Video: Ist eine Kündigung wegen Krankheit erlaubt?

Aus welchen Gründen darf der Chef überhaupt eine betriebsbedingte Kündigung aussprechen? Das erfahren Sie hier.

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Von Andrea Stettner

Ranking: Die elf besten Arbeitgeber Deutschlands 2019

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