Erfolgreiche Jobsuche ab 45

Bewerbungstipps für Fortgeschrittene

Berlin - Mit 45 noch einmal in einem neuen Job durchstarten: Für viele erfahrenere Arbeitnehmer ist die Bewerbung eine echte Herausforderung. Dabei gibt es einfache Tipps, die den Neuanfang erleichtern.

Der Frust kommt schnell, wenn ältere Menschen auf Jobsuche gehen. Da haben sie oft jahrzehntelang gearbeitet und Erfahrungen gesammelt, trotzdem flattert den Bewerbern eine Absage nach der anderen ins Haus. Dabei sind Experten überzeugt: Arbeitgeber wissen die Qualitäten der älteren Bewerber durchaus zu schätzen. Doch die stehen sich häufig selbst im Weg. „Viele haben früher einfach gelernt, dass Eigenlob stinkt. Deshalb tun sie sich oft schwer, sich zu inszenieren und Marketing in eigener Sache zu betreiben“, erläutert Jürgen Hesse, Bewerbungscoach aus Berlin.

Stärken gegenüber Jüngeren ausnutzen

Unter älteren Menschen verstehen Karriereberater bereits all jene, die ihren 45. Geburtstag gefeiert haben. „Ab diesem Alter wird es deutlich schwieriger, noch einmal einen guten Job zu bekommen“, stellt Hesse fest. Aber er macht auch Mut: Aufgrund der zunehmend entspannten Situation am Arbeitsmarkt seien auch ältere Bewerber wieder gefragter. Um bei der Jobsuche zu bestehen, sollten sie sich auf ihre Stärken besinnen und Mittel nutzen, die der jüngeren Konkurrenz nicht zur Verfügung stehen.

Auf Netzwerke zurückgreifen

„Wer schon eine längere Berufserfahrung hat, kann auf Netzwerke zurückgreifen“, erklärt Bewerbungsberater Gerhard Winkler. So könnten Arbeitnehmer diskret schauen, wo es Jobs gibt. Entscheidend sei, rechtzeitig auf Suche zu gehen. „Oft ist der Jobverlust absehbar“, so Winkler. „Man darf das dann nicht aussitzen und sich an seinem alten Job festklammern bis zum Gehtnichtmehr.“ Je früher Arbeitnehmer mit den Planungen für einen Jobwechsel beginnen, desto besser.

Nischen-Unternehmen finden

Ein entscheidender Punkt für ältere Bewerber sei, Stellen zu finden, bei denen es nicht so viele junge Konkurrenten gibt. Andernfalls zögen die Älteren den Kürzeren, berichtet Bewerbungsberater Dieter Schmich. Doch während Jüngere ihren Fokus meist auf große Firmen legen, kennen alte Hasen auch die Hidden Champions – in ihrer Nische erfolgreiche Mittelständler.

Weg mit den Vorurteilen: Online-Bewerbung und -Profil erstellen

Wer seine schriftlichen Bewerbungsunterlagen vorbereitet, sollte im Hinterkopf haben, dass sich seit der letzten Bewerbung manches geändert hat. „Die Verpackung ist viel entscheidender als noch vor einigen Jahren“, warnt Hesse. Statt der DIN-A4-Mappe sei in der Regel eine elektronische Bewerbung gefragt. „In den meisten Branchen sollte man begleitend dazu ein Profil in Netzwerken wie Xing haben.“ Dadurch entkräfteten Ältere von vornherein das Vorurteil, dass sie technisch nicht mehr auf dem aktuellen Stand sind.

Lebenslauf schlanker machen

Auch beim Lebenslauf ist es fatal, wenn Jobsuchende einfach die Vita von der letzten Bewerbung aus der Schublade holen und um die fehlenden Jahre ergänzen. Wer da noch reinschreibt, welche Praktika er vor 25 Jahren absolviert hat, macht sich lächerlich. Bei allem, was länger als 10 bis 15 Jahre zurückliegt, sollten Jobsuchende die wichtigsten Stationen kurz erwähnen.

Aktuelle Tätigkeit im Fokus

Über die aktuelle Position dürfen Suchende dagegen ausführlich berichten. „Am besten schreibt man in Stichpunkten, welche Verantwortung man hatte und welche Erfahrung man gesammelt hat“, rät Schmich. Zum Lebenslauf gehöre außerdem ein aktuelles Bild. „Man sollte auf keinen Fall ein Foto von vor zehn Jahren nehmen, nur weil man darauf noch jünger aussieht“, empfiehlt Hesse. Beim Vorstellungsgespräch räche sich das.

Know-how in zehn Sätzen

Wer es bis dahin geschafft habe, könne schon ein bisschen aufatmen, meint Schmich. Das Alter sei für den Personaler dann kein Problem. Gerade im persönlichen Gespräch könnten Ältere nun ihre Stärken ausspielen, viele hätten mehr Ausstrahlung und Selbstsicherheit als junge Leute. Im Gespräch sollten Bewerber darauf vorbereitet sein, ihr Know-how in zehn Sätzen vorzutragen. Gerhard Winkler betont, dass es zu wenig sei, nur zu sagen, man habe jahrelange Erfahrung. Jobsuchende sollten schon konkrete Leistungen aufzählen können.

Provokationen standhalten

Darüber hinaus könnte der Personaler den Kandidaten provozieren. „Da kommen schon Fragen wie: ‚Meinen Sie, in ihrem Alter können Sie den Stress noch aushalten?‘„ Wer sich da gleich auf den Schlips getreten fühlt, hat schon verloren. Personaler wollten dabei vor allem austesten, wie dünnheutig jemand ist, sagt Hesse.

Zum eigenen Alter stehen

Besonders ungewöhnlich sei die Situation, wenn Ältere einem Personaler gegenüber sitzen, der so jung ist wie der eigene Sohn oder die eigene Tochter. „Da muss man professionell bleiben und seine Eitelkeiten ablegen“, meint Schmich. Und auf keinen Fall sollten Ältere versuchen, jugendlich zu wirken. Das sei nur peinlich.

Marc Herwig

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa-tmn (Symbolbild)

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