Tipps fürs Vorstellungsgespräch

Das Vorstellungsgespräch ist die letzte Hürde. Wer es bis dahin geschafft hat, ist schon weit gekommen. Umso ärgerlicher wäre es, auf den letzten Metern noch zu stolpern. Hier einige Tipps:

Beim Vorstellungsgespräch sind keine Patzer erlaubt. Von der Kleidung bis zum Auftreten will alles gründlich geplant sein. Zunächst gelte es aber, die Einladung richtig zu deuten, sagt Andreas Eimer, Leiter des Career Service der Universität Münster. Ist ein persönliches Gespräch oder ein Assessment-Center mit einer Gruppe von anderen Bewerbern geplant? Meist sei das aus dem Schreiben erkennbar. Andernfalls sollten Bewerber nachfragen.

Damit zeigen sie Interesse und erfahren bestenfalls mehr über Inhalt und Dauer des Gesprächs. “Bloß keine falsche Scheu“, rät Eimer daher. Vor dem entscheidenden Tag heißt es, die einladende Firma genau zu studieren: “Produktspektrum, Mitarbeiterzahl, Umsatz, Marktstellung und Niederlassungen sollten dem Bewerber bekannt sein“, meint Hans Reiner Vogel, Karriereberater aus Wiesbaden.

Die Kenntnis solcher Unternehmensdaten ist nicht nur wichtig, um im Gespräch zu glänzen. “Es dient auch dazu, ein realistisches Bild des potenziellen Arbeitgebers zu entwickeln, das im Gespräch abgeglichen wird“, erklärt Eimer. Dazu gehöre es, Fragen vorzubereiten - etwa nach der eigenen Rolle im Betrieb.

Gesprächssituationen üben

Daneben ist das Einüben der Gesprächssituation wichtig. “Seinen Werdegang zu schildern, ist zentraler Teil des Interviews und kann mit Eltern oder Freunden simuliert werden“, empfiehlt Gerd Woweries, von der Industrie- und Handelskammer Berlin. Reicht das Bewerbern nicht, bieten sich spezielle Trainings an. Darin werden Gesprächssituationen vor der Kamera geprobt. Die Videos werden später mit einem Coach besprochen, wie Andreas Eimer erklärt. “Ziel ist, die Selbstwahrnehmung der Bewerber zu schulen.“

Steigt vor dem Gespräch die Nervosität, ist das keine Schande. Bewerber dürfen bei der Vorstellung daher ruhig sagen, dass sie aufgeregt sind. Das wirke sympathisch und verschaffe ihnen einen Moment zum Durchatmen, erläutert die Etikettetrainerin Imme Vogelsang aus Hamburg. Gegen eine zittrige Stimme helfe es, mit den Fingern das obere Brustbein mehrmals sanft abzuklopfen.

Auf Körpersprache achten

Wie Bewerber ankommen, hängt auch von der Körpersprache ab. So dürften sie nicht die Schultern einziehen und den Rücken krumm machen, rät Vogelsang. Diese Haltung symbolisiere Unterwürfigkeit. Stattdessen sollten Bewerber versuchen, den Kopf aufrecht zu halten und den Augenkontakt zu halten. Im Sitzen bleiben die Hände am besten im Schoß liegen. Beim Betreten des Raumes reiche es, freundlich zu nicken. “Bloß nicht die Hand zuerst rausstrecken“, warnt Vogelsang. Der Personaler sei der Gastgeber - Bewerber müssten daher auf seine Begrüßung warten. “Zurückhaltung versteht sich hier als Wertschätzung.“

Jeden Satz und jede Geste üben Bewerber aber besser nicht ein. “Das wirkt einstudiert und lässt keinen Raum für spontane Reaktionen im Gespräch“, sagt Eimer. Vielmehr komme es darauf an, ein Gespür dafür zu entwickeln, was beim Gegenüber auf Interesse stößt. Diese Punkte sollten Bewerber dann vertiefen.

Auch von Verhaltensstrategien nach Schema F sei abzuraten, meint Eimer. Oft seien diese dem Personaler nämlich bekannt. Standardisierte Antworten aus einschlägigen Ratgebern dürften ihn daher schnell langweilen. Auch verhinderten Bewerber mit 0815-Floskeln, dass sie einen persönlichen Eindruck hinterlassen. Und das ist es letztlich, wozu ein Vorstellungsgespräch dient.

Natürlich bleiben

Verbiegen sollten Bewerber sich im Gespräch auch nicht. “Authentisch zu wirken, ist der Schlüssel zum Erfolg“, sagt Karriereberater Vogel. Es sei daher der falsche Ansatz, sich in das Anforderungsprofil einer Stelle “hineinzuschmuggeln“, indem Bewerber sich anders geben, als sie sind.

Das betreffe neben den fachlichen Qualifikationen auch Informationen über das Privatleben. “Das ist ein schmaler Grat“, gibt Vogel zu bedenken. Denn einerseits bringen gefährliche Hobbys wie Extremsport nicht unbedingt Pluspunkte beim Personaler. Andererseits könne es anstrengend werden, solche Vorlieben im Laufe der Zusammenarbeit zu verbergen. “Nicht nur der Arbeitgeber, sondern auch der Bewerber trifft eine Auswahl“, stellt Eimer klar. Kandidaten kämen daher nicht nur als Bittsteller ins Vorstellungsgespräch. Es diene auch ihnen zur Prüfung, ob beide Seiten gut zusammenpassen.

Auf angemessene Kleidung achten

Kleider machen Leute - dieser Satz gilt auch in Bewerbungsgesprächen. Die optimale Garderobe sei ein dunkler Anzug mit hellem Hemd, rät die Etikettetrainerin Imme Vogelsang aus Hamburg. Die Kombination aus hell und dunkel lasse Bewerber kompetent und präsent wirken. Bewerber sollten mindestens 200 Euro investieren und auf die Farben Dunkelblau oder Anthrazit setzen. “Bei Führungskräften darf es gerne auch maßgeschneidert sein.“

dpa

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