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„Hilf mir, meine Arbeit selbst zu tun“, lautet das Montessori-Motto. Das Waldorf-Konzept setzt auf ganzheitliche Bildung ohne Notendruck. Beide Bildungsmodelle bieten Alternativen zum öffentlichen Schulsystem.

Alternative Schulformen

Pädagogik gegen den Strom

Wer für seine Kinder eine Alternative zum öffentlichen Schulsystem sucht, wird häufig bei der Pädagogik von Montessori- und Waldorfschulen fündig. Ein Überblick:

Heute gibt es in Deutschland über 400 Montessori-Schulen, besonders viele davon in Bayern. Dort werden im Schnitt zwei der jährlich sieben Schulen gegründet.

Montessori-Schulen

Die Pädagogik geht auf die italienische Ärztin und Pädagogin Maria Montessori (1870 bis 1952) zurück. Anhand ihrer Erkenntnisse über den kindlichen Selbsterziehungsprozess entwickelte sie eine neue pädagogische Theorie und Praxis. Sie legte den Fokus auf Selbstständigkeit und Eigenverantwortung, einer ihrer Grundgedanken lautete: „Hilf mir, meine Arbeit selbst zu tun.“ Unter Maria Montessoris Anleitung wurden Kindergärten und Schulen gegründet, die ihre Erkenntnisse in die Praxis umsetzten, neue Unterrichtsformen und neues didaktisches Arbeitsmaterial einführten. An Montessori-Schulen gibt zum Beispiel es keine Noten und keinen Frontalunterricht, jeder Schüler soll in seinem eigenen Tempo arbeiten. Maria Montessoris Pädagogik verbreitete sich nach und nach weltweit. In Deutschland wurde die erste Einrichtung 1923 im thüringischen Jena gegründet. In den letzten 25 Jahren erlebte das pädagogische Prinzip einen großen Aufschwung, heute gibt es in Deutschland über 400 Montessori-Schulen, besonders viele davon in Bayern. Dort werden im Schnitt zwei der jährlich sieben Schulen gegründet – in der Regel auf Initiative von Eltern, die mit dem öffentlichen Schulsystem unzufrieden sind. Die meisten Montessori-Schulen sind staatlich genehmigte Privatschulen in freier Trägerschaft oder Regelschulen mit Montessori-Zweig. Eltern müssen unterschiedlich hohes Schulgeld bezahlen, durchschnittlich 300 Euro. Schüler absolvieren dort einen eigenen Montessori-Abschluss, wer den Quali oder das (Fach-)Abitur machen möchte, muss dies an einer staatlich anerkannten Schule tun.

Waldorf-Schulen

Der österreichische Philosoph, Naturwissenschaftler und Goethe-Forscher Rudolf Steiner (1861 bis 1925) begründete die Waldorf-Pädagogik. Der Name geht auf die erste Schule zurück, die er 1919 in Stuttgart für die Kinder der Fabrikarbeiter der Waldorf Astoria Zigarettenfabrik gründete, zusammen mit deren Besitzer Emil Molt. Mittlerweile gibt es weltweit Waldorf- oder Rudolf Steiner-Schulen, die in der Regel auf den Einsatz von Eltern zurückgehen. Steiner sagte: „Es gibt drei Erziehungsmethoden: Furcht, Ehrgeiz und Liebe. Wir verzichten auf die ersten beiden.“ Die Pädagogik setzt auf ganzheitliche Bildung, die Kinder lernen ohne Notendruck, niemand muss eine Klasse wiederholen. Besondere Aufmerksamkeit wird künstlerischer Gestaltung geschenkt und die Schüler beschäftigen sich bereits ab dem ersten Schuljahr mit zwei Fremdsprachen. In den ersten Jahren wird außerdem auf bildhaften Unterricht gesetzt, Anschaulichkeit ist ein wesentliches Element. Der schulische Alltag teilt sich auf in Epochen- und Fachunterricht. Bei ersterem werden in sich abgeschlossene Sachgebiete in dafür geeigneten Fächern wie Deutsch, Mathematik oder Naturwissenschaften in einem Block behandelt. Fachstunden sind für künstlerische Fächer und Fremdsprachen vorgesehen, die regelmäßig geübt werden müssen. Bundesweit gibt es inzwischen rund 250 Waldorf-Schulen, knapp 20 davon befinden sich in Bayern. In der Regel handelt es sich dabei um staatlich anerkannte Ersatzschulen in freier Trägerschaft. Sie bekommen staatliche Zuschüsse, zudem beziehen sie Geld über die Stiftung des Bundes der Freien Waldorfschulen. Da beides nicht ausreicht, um die Schulen zu finanzieren, muss Schulgeld bezahlt werden, das rund 250 Euro beträgt. Waldorf-Schüler können die Mittleren Reife, Fachhochschulreife oder das Abitur nach den im jeweiligen Bundesland geltenden Regeln machen.

Teresa Pancritius


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