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Ende der Kreidezeit? IT-Dienstleister Andreas Geßner erläutert die digitale Schultafel.

Im Zeichen der Digitalisierung

Bildung in allen Facetten auf den Münchner Schultagen

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München - Die Schultage München werden langsam zum Renner: Mehrere tausend Besucher informierten sich am Wochenende in der Messehalle MTC über Bildung in all ihren Aspekten. Impressionen von der Bildungsmesse, die auch im Zeichen eines neuen Trends stand: der Digitalisierung.

Das Gymnasium Kloster Ettal, schwer geprüft durch die Missbrauchsfälle der Vergangenheit, ist erstmals auf den „Schultagen“. Den Kopf lässt Internatsleiter Gregor Beilhack nicht sinken. „Der Messestand ist ein Zeichen, dass wir uns nicht verstecken“, sagt der Benediktiner. Ettal will in die Offensive gehen. Auch ein Zeichen: Beilhack hat seine Geschichts- und Englischlehrerin Hannah Dorn mitgebracht – eine ganz normale Lehrerin in Ettal. In diesem Schuljahr meldete sich kein Fünftklässler für das Vollinternat an. Das soll anders werden. Die Resonanz auf der Messe: „Wir sind sehr zufrieden.“ Und Internatsschüler soll es im nächsten Jahr wieder geben, „das sieht gut aus“.

Warum nicht mal Golf? Der Golfclub Eichenried präsentierte sich auf der Bildungsmesse.

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Die Schweizer, sollte man meinen, haben in diesem Jahr einen schweren Stand – durch die Aufwertung des Franken ist ein Internatsaufenthalt bei den Eidgenossen mit einem Schlag um zehn bis 15 Prozent teurer geworden. Eva Maurenbrecher vom Institut Montana Zugerberg (bei Zug) ist dennoch positiv gestimmt. Der Auftritt der Schweizer bei der Bildungsmesse dient auch der Imagewerbung. „Wir sind außerdem nicht das teuerste Internat der Schweiz, vielleicht hilft uns die Frankengeschichte sogar.“

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Im „Merkur-Forum“ spricht ein Bildungsexperte: Adolf Timm hat zusammen mit dem Bildungsforscher Klaus Hurrelmann das Elterntraining erfunden. Timm-Sätze haben Grundgesetz-Charakter. „Kinder wollen lernen“, heißt es. Oder: „Jeder ist gut in irgendetwas.“ Und: „Alle wollen lernen – aber Kinder lernen nur so lang, bis die Erwachsenen es ihnen ausgetrieben haben“. 36 Gesetze des Schulerfolgs hat Timm aufgestellt. Den Einfluss der Eltern auf den Schulerfolg ihrer Kinder schätzt er überraschend hoch ein: über 60 Prozent.

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Auch Sprachreisen waren ein Schwerpunkt der Bildungsmesse.

Ist es ein Modethema – oder ist es der Trend schlechthin? Die Digitalisierung der Schulwelt ist ein Schwerpunkt-Thema der Schultage. Gleich mehrere Vorträge beschäftigten sich damit. Tobias Schnitter von der Realschule Gauting stellte zusammen mit seinem Abensberger Kollegen Martin Fritze vor, wie der Einsatz von iPads im Unterricht gelingen kann. „Digital macht schlau“, sagt Schnitter. Es wundere ihn immer, wenn in Schulen über den Kauf eines neuen Overhead-Projektors diskutiert werde, während die Kinder alle mit ihren Smartphones spielten, meint Fritze. Die Folgerung: Schule muss ebenso technik-affin sein wie die Lebenswelt der Jugendlichen. Einen Vorteil haben die iPads auf jeden Fall: die berüchtigte Zettelwirtschaft nimmt deutlich ab. In den Gautinger iPad-Klassen gibt es nur noch fünf Prozent der Arbeitsblätter auf Papier, sagt Schnitter. Der Rest ist digital. Das ist der „Unterricht 2.0“.

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Eine andere Facette der Digitalisierung lässt sich an Stand 22 besichtigen: Der IT-Dienstleister „Gedag“ aus Taufkirchen (Kreis München) bietet Schulen eine Rundum-Betreuung beim Kauf von Whiteboards – also digitalen Schultafeln, die ans Internet angeschlossen sind. Die alte Schultafel hat dann ausgedient, Spötter lästern über ein Ende der Kreidezeit an den Schulen. In schon 19 Prozent der Klassenzimmer in Deutschland ist das so, vor zwei Jahren waren es erst neun Prozent, sagt Gedag-Chef Andreas Geßner. Zuletzt erhielten zum Beispiel das neue Gymnasium Höhenkirchen und die Grundschule Neubiberg Whiteboards. Auf der Messe hat Geßners Kollegin Claudia Röckl etwas überraschend festgestellt, dass die Lehrer vieler Privatschulen vorbeischauten: Dort gibt es offenbar Nachholbedarf.

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Ebenfalls ein Trend: bilinguale Schulen. An der Münchner Phorms-Privatschule beispielsweise ist der Unterricht zweisprachig: Deutsch und Englisch. Über mangelnden Zulauf kann Schulleiter Peter Kemmer nicht klagen: Bevor ein Kind zu Phorms gehen kann, muss es ein Auswahlverfahren absolvieren. „Wir schauen uns die Kinder an, sie sollen zu uns passen.“ Schon in der ersten Klasse läuft der Unterricht zu zwei Dritteln auf Englisch ab. Auf einer staatlichen Schule wäre so etwas undenkbar. Kemmer weiß das, er war früher Schulleiter des städtischen Münchner Luisen-Gymnasiums.

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Während der Beratung der Eltern konnte der Nachwuchs malen oder basteln.

Immer dicht belagert auf der Messe: der Stand der Staatlichen Schulberatung. Viele Eltern, so der Eindruck, haben zum staatlichen Schulwesen einigen Erklärungsbedarf. Gut und gern hundert Gesprächemit Eltern absolvierten die drei Mitarbeiter an den beiden Tagen, schätzt Heidi Prinz, die Psychologin in der Schulberatung München (Stadt und Land) ist und am Wochenende bei den Schultagen präsent war. Die Fragen: eine große Bandbreite. „Zum Übertritt hatten wir ganz viele“, sagt sie. Manche Eltern wollen schon vor der Einschulung ihrer Kinder einen Überblick über das doch recht verästelte staatliche Schulangebot. Nachfragen gab es auch zu Ganztagsangeboten. „Man merkt schon, dass viele Eltern hier vertröstet werden“, sagt Heidi Prinz.

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Womöglich aber ist eh alles halb so wild. Christof Prechtl, Bildungsexperte bei der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft, machte 150 Eltern im vollen „Merkur-Forum“ Mut. Seine Kernthese: Eltern müssten sich um die Karriere ihrer Kinder heute nur noch wenig Sorgen machen. Es gebe Fachkräftemangel auf breiter Front – schon aus demografischen Gründen.

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