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Experte im Interview

Bildungstage München: "Eltern dürfen sich nicht anbiedern"

Bei den Bildungstagen Ende Januar wird auch der Gründer der Münchner Familienwerkstatt „familylab“ sprechen: Mathias Voelchert gibt Rat und Auskunft über die 50 häufigsten Familienkonflikte.

Mathias Voelchert ist Gründer der Münchner Familienwerkstatt „familylab“. Diese bietet Seminare und Vorträge zu Erziehungsproblemen an. Auch bei den Bildungstagen München wird Voelchert darüber sprechen – am 30. Januar um 13 Uhr. Vorab ein Interview.

Eines Ihrer Bücher heißt: „Ich gehe aber nicht mit zum Wandern!“ – das ist aber sicher nicht der Hauptkonflikt in den Familien, oder?

Voelchert: Nein, natürlich nicht. Das Problem ist bei mir persönlich schon aufgetaucht. Aber die häufigsten Konflikte sind andere.

Welche?

Die meisten haben mit Führung durch die Eltern zu tun, mit Nein-Sagen. Eltern wollen einfach gerne lieb sein, wollen alles in Harmonie tunken. Gute oder sogar beste Eltern sein zu wollen – das ist eine Grundhaltung gegenüber den Kindern heute. Das bringt Schwierigkeiten: Kindern wollen keine besten, sondern reale Eltern, die mal Ja, aber auch mal Nein sagen zu dem, was sie gerne hätten.

Früher war das anders: Da durfte man den Vater nicht stören, wenn er Zeitung liest. Wollen die Eltern heute ein zu viel an Nähe?

Ein zu viel an Nähe gibt es nicht. Aber es darf nicht zum Anbiedern werden. Früher lief vieles autoritär ab – nach dem Motto: Wenn Du nicht funktionierst, gibt es Strafen oder sogar Schläge. Also funktionierten die Kinder aus Angst vor den Strafen – nicht etwa, weil sie etwas als richtig einsahen. Heute geht es darum, eine persönliche Autorität zu entwickeln.

Konkrete Dauerkonfliktherde in vielen Familien sind die Themen Handy und Fernsehen. Ihre Empfehlungen?

Mathias Voelchert

Ganz klar: Lieber zu wenig als zu viel. Meine Kinder haben bis zu einem Alter von acht Jahren nur „Die Sendung mit der Maus“ und „Löwenzahn“ angeguckt. Da waren wir sehr klar. Haben sie was verpasst dadurch? Ich meine Nein. Als unsere Tochter eines Tages in der Schule war, kam sie zurück und sagte: Papa, weißt Du eigentlich, dass Fernsehen den ganzen Tag läuft. Letztendlich geht es um eine Erziehung zur Selbststeuerung mit Handy, Computer und Fernsehen. Kinder müssen eine bewusste Umgangsweise mit Medien entwickeln

Hausaufgaben – das mach ich später, heißt es eines Ihrer Kapitel im Buch. so was geht gar nicht, oder?

Jedes Kind ist anders. Unser Sohn kam eines Tages an und sagte: Ich geh zu meinem Freund und mach die Hausaufgaben dort. Das ging schief. Eltern sind aber keine guten Hausaufgaben-Betreuer, weil sie ständig an das gro- ße Ganze, an langfristige Folgen denken. Nach dem Motto: Wenn der so weitermacht, dann ist er in zehn Jahren ganz unten. Das passiert de facto bei einem Promille der Kinder, aber fast 100 Prozent der Eltern haben diese Ängste. Das ist ein typischer Elternfehler.

Sie empfehlen Familienkonferenzen. Was ist das?

Ein kleiner Formalismus. Man sitzt an einem Tisch und zündet eine Kerze an. Dann darf jeder sagen, was ihn bedrückt oder freut – und es wird nicht von den anderen kommentiert. Es ist ein Forum, um das Schöne und Nicht-Schöne miteinander zu teilen, ohne dass die Erwachsenen ihre Macht benutzen.

Hier erfahren Sie mehr über die Bildungstage.

das Gespräch führte Dirk Walter

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