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150 Zuhörer kamen zum Fachgespräch über Legasthenie und Dyskalkulie in die „Alte Rotation“ unseres Pressehauses.

"Eltern wissen"

Legasthenie und Dyskalkulie: Nicht aufgeben

Für die einen sind es Krankheiten, für die anderen Modeerscheinungen: Legasthenie und Dyskalkulie. Das Interesse am Thema ist groß, wie die Veranstaltung der Bildungsvortragsreihe „Eltern Wissen“ zeigte.

München – Ein Punkt lag den drei Referenten Nikola Schmidt, Stefan Reiner und Georgios Troumpoukis besonders am Herzen: Betroffene sind nicht dumm oder zurückgeblieben, sondern genauso intelligent wie andere Kinder – mindestens. Nikola Schmidt sprach über „Legasthenie und die Folgen für die Schullaufbahn“. Gerade Fremdsprachen sind eine große Herausforderung für Betroffene, sagte die Leiterin des LegaCenter der Sabel-Schule. So müssen sie etwa Buchstaben und Laute neu zuordnen: Das englische Wort für „mein“ wird nicht „mei“, sondern „my“ geschrieben. Das G8 sei für Betroffene fast nicht zu schaffen, der Stoff werde zu schnell durchgearbeitet, schon in der 6. Klasse müssten die Schüler mit einer zweiten Fremdsprache klarkommen. Die Expertin gab Tipps: Schulen sollten den Nachteilsausgleich konsequent anwenden, Lehrer Fortbildungen besuchen und intensiven Kontakt mit den Eltern halten. Für die Eltern sei es wichtig, optimistisch zu bleiben, ihre Kinder zu unterstützen und Therapieangebote wahrzunehmen. Und für die Betroffenen gilt vor allem: Nicht aufgeben!

„Viele Betroffene sind sehr kreativ“, sagte Stefan Reiner, der Leiter einer Lerntherapeutischen Praxis in München. „In der Schule vertrocknen diese Fähigkeiten ein bisschen, weil die Kinder zu einseitig gefördert werden.“ Reiner empfiehlt, die Nachmittage für Aktivitäten freizuhalten, die Kinder gerne tun, etwa für Musik. Skeptisch steht der Experte der „Übungsbehandlung“ gegenüber. „Die meisten Eltern haben bis zur Verzweiflung mit ihren Kindern geübt und stecken nun in einer Sackgasse.“ Der Lerntherapeut geht deshalb zunächst auf die Suche nach tieferliegenden Ursachen, er will zum Beispiel herausfinden, ob die Buchstaben schon fest verankert sind. Dabei arbeitet er etwa mit der Methode des taktilen Begreifens, gibt Schülern Holzbuchstaben in die Hand, die sie abtasten sollen – genauso machen es Säuglinge mit neuen Gegenständen. „Damit man in der Schule damit rechnen kann.“ Diese Antwort bekommt Georgios Troumpoukis häufig, wenn er Kinder mit Dyskalkulie fragt: „Warum glaubst Du, dass es Zahlen gibt?“ Betroffene können keinen Bezug zum Alltag herstellen, sagt der Experte vom privaten Mathematischen Institut zur Behandlung der Rechenschwäche/Dyskalkulie. Um den Schüler zu verstehen, beleuchtet man im Institut den Rechenweg. Das Kind muss in einem Kommentar zu jeder Aufgabe erklären, wie es sie gelöst hat. „Es gibt so viele Rechenwege wie Schüler mit Dyskalkulie“, sagt Troumpoukis. Wenn nur mehr geübt wird, perfektionieren sie den falschen Weg, warnt der Experte. Und 6 mal 0 zum Beispiel wird für viele immer 6 ergeben, weil bei einer Multiplikation mehr rauskommen muss.

von Theresa Pancritius


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