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Die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), Simone Fleischmann.

Interview

Die Flüchtlings- und Asylproblematik im Unterricht

Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands, betont wie wichtig es ist, Klarheit zum Thema "Flüchtlinge und Schule" zu schaffen und zeigt auf, wie vielfältig es im Unterricht verankert werden kann.

Wie wichtig ist es, die Flüchtlings- und Asylproblematik im Unterricht zu thematisieren?

Der Lehrer ist verpflichtet, darauf einzugehen. Kinder spüren die Spannungen, sie wollen sich damit beschäftigen. Am Montag nach den Anschlägen in Paris haben bestimmt viele Lehrerinnen und Lehrer eine Diskussionsrunde angesetzt, ein Bild aus einer Zeitung gezeigt. Der Lehrer hat den Erziehungsauftrag, die Kinder ernst zu nehmen, ihre Gefühle, ihre Hektik aufzufangen und konstruktiv über die Problematik zu sprechen. Wichtig ist es dabei, ganz viel Klarheit zu schaffen, viel Wissen über die Themen zu vermitteln, die Vielfalt und Breite der Meinungen zu veranschaulichen. Die Eltern äußern sich zuhause vielleicht zugespitzt und argumentieren aus ihrer jeweiligen politischen Richtung heraus.

Ab welcher Klasse und in welchen Fächern sollte das Thema angesprochen werden?

Das Thema lässt sich in jeder Jahrgangsstufe und in jedem Fach verankern, es gibt vielfältige Ansatzpunkte. In der Grundschule hat der Lehrer zum Beispiel die Möglichkeit, verschiedene Aspekte in einem Sitzkreis zu besprechen, Bilder malen oder Geschichten schreiben zu lassen. Ältere Schüler können sich mit Printmedien oder etwa einem Ausschnitt aus der Sendung von Günther Jauch beschäftigten. In Schularten, in denen kein Klassenleiterprinzip herrscht, sollten sich die Lehrer untereinander absprechen, der eine kann in Erdkunde thematisieren, aus welchen Ländern die Flüchtlinge kommen und warum diese Länder benachteiligt sind, in Geschichte kann man auf die Vergangenheit dieser Länder eingehen und im Deutschunterricht einen Zeitungsartikel besprechen.

Wo können sich Lehrer darüber informieren, wie sie das Thema für den Unterricht aufbereiten?

Auf der

Homepage des BLLV

stellen wir Arbeitsblätter zum Herunterladen zur Verfügung, das gedruckte Heft ist schon vergriffen. Verschiedene Verlage haben auch zum Thema Flucht und Vertreibung veröffentlicht. Ganz stark nutzen Lehrer natürlich das Internet. Dabei ist es wichtig, sehr kritisch zu prüfen, welcher Artikel, welches Video sich für den Unterricht eignet. Ist das Material objektiv genug? Ist es zu einseitig? Ich darf als Lehrer auf keinen Fall eine politische Couleur ins Klassenzimmer bringen. Aber natürlich müssen Lehrer rückhaltlos das Prinzip der Menschlichkeit vermitteln.

Wie reagieren Lehrer, wenn sich Schüler negativ über Flüchtlinge äußern, wenn es zum Streit zwischen Schülern kommt?

Manchmal ist es gar kein offensichtlicher Streit, ein Schüler sagt zum Beispiel „Sch… Ausländer!“, der andere entgegnet „Spinnst Du!? Meine Mutter engagiert sich im Helferkreis!“. Sie wiederholen, was sie in ihrem privaten Umfeld hören. Als Lehrer habe ich die Aufgabe, es transparent zu machen, etwa in die Runde zu fragen, warum die Klassenkameraden auf verschiedene Weise reagieren. Kommt es zum Streit mit vielleicht sogar „braunen“ Ausdrücken, muss der Lehrer „Stopp!“ sagen und das Thema am nächsten Tag auf anderer Ebene aufgreifen. Bei solchen Äußerungen ist auch die Nacharbeit mit dem betroffenen Schüler und seinen Eltern notwendig. Im Klassenzimmer liegt sozialer Sprengstoff, unterschiedliche Stimmungen, Auffassungen, Emotionen prallen aufeinander. Als Lehrer habe ich die Aufgabe, meine eigenen Emotionen zurückzustellen und gleichzeitig sehr professionell damit umzugehen. Ich muss in der Diskussionskultur Vorbild sein.

Interview: Teresa Pancritius


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