Unterricht der Zukunft? Lehrer Tobias Schnitter mit einer Schülerin am iPad. Foto: fkn

Interview zu den Schultagen München

iPads in der Klasse „sind unschlagbar“

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Gauting - Tobias Schnitter, 42, ist preisgekrönter Trendsetter. Für den Einsatz von iPads im Unterricht an der Realschule Gauting (Kreis Starnberg) erhielt er kürzlich den renommierten Deutschen Lehrerpreis.

„Paducation“ (statt Education) in der Schule also. Ist das die Zukunft? Schnitter und sein Kollege Martin Fritze werden darüber am Sonntag, 1. Februar, bei den Schultagen München sprechen (siehe Kasten). Vorab ein Interview.

Sie haben vor zwei Monaten den Deutschen Lehrerpreis erhalten. Was ist seitdem geschehen?

Der Preis war sehr öffentlichkeitswirksam.Wir bekommen verstärkt Anfragen von anderen Schulen, auch außerhalb Bayerns. Fast wöchentlich sind Gäste da, die sich unsere iPad-Klassen vor Ort ansehen.

Was sind die Voraussetzungen, damit die Verwendung von iPads im Unterricht gelingen kann?

Entscheidend ist ein gut durchdachtes pädagogisches Konzept. Die Lehrer müssen sich für iPads begeistern, was in der Regel aber schnell der Fall ist, wenn sie merken, was man mit den Tablets alles anfangen kann. Aber eine gewisse Sicherheit im Umgang mit iPads gehört dazu. Und Fortbildungen.

Fortbildungen? Gibt es die denn in Bayern?

Ja. Die staatliche Lehrerfortbildungsstätte in Dillingen bietet Kurse an, zum Beispiel zum Thema kreatives Arbeiten mit iPads. Wichtig sind aber regelmäßige schulinterne Lehrerfortbildungen zum Thema iPad.

Wie viele Schulen nutzen denn iPads?

Zahlen kann ich nicht nennen, aber die Zahl steigt rasant. Sehr aktiv ist zum Beispiel die Realschule Abensberg und der dortige Seminarrektor Martin Fritze. Zusammen mit Abensberg planen wir derzeit die erste schulübergreifende Kooperation zum Thema iPad-Klassen und wollen uns als Stützpunkt für ganz Bayern etablieren.

Sind iPad-Klassen ein internationaler Trend?

Definitiv. Herr Fritze und ich kommen gerade von einer internationalen Konferenz an der National University of Ireland in Galway. Da zeigte sich: In der Vielseitigkeit, Handhabbarkeit und Robustheit sind iPads unübertroffen und für den Einsatz im Unterricht prädestiniert. Dagegen war auf der Konferenz ein Abgesang auf die früher oft gerühmten Laptop-Klassen zu hören. Im Vergleich zu iPads sind Laptops einfach zu unflexibel und zu wenig kreativ einsetzbar.

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Warum?

Ausschlaggebend für Jugendliche ist die Vertrautheit, die Jugendliche mit dem Gerät gewinnen müssen. Und da ist die Ähnlichkeit zwischen iPads und den Smartphones einfach unschlagbar. Wenn wir technische Geräte in der Schule einsetzen, müssen sie zur Lebenswelt der Jugendlichen passen. Und laut der aktuellen JIM-Studie haben 90 Prozent der 12- bis 19-Jährigen ein Smartphone und sind Experten im Umgang mit diesen Geräten.

Ein Problem sind die Kosten. Ein iPad Air, wie Sie es im Unterricht verwenden, kostet 438 Euro. Das müssen die Eltern zahlen. Gibt es Alternativen?

Nun, Los Angeles gibt gerade 115 Millionen Dollar aus, um 38 Schulen komplett mit iPads auszustatten – mit 40 000 Geräten. Russland investiert im großen Stil, auch die skandinavischen Länder sind definitiv weiter als wir. Es stimmt: Die Eltern der 120 Schüler, die in unseren Klassen iPads benutzen, haben die Geräte selbst finanziert. Es gibt Unterstützung für sozial schwache Familien. In Zukunft sind vielleicht Leasing-Modelle denkbar. Aber eine vergleichbare Investition wie in Los Angeles, das ist in Bayern derzeit meines Wissens noch nicht in Sicht. Immerhin: Das Kultusministerium in Baden-Württemberg startet gerade ein Millionen-Projekt, bei dem die beruflichen Schulen im großen Stil mit Tablets ausgestattet werden sollen. Meiner Ansicht nach ein dringend notwendiger erster Schritt in die richtige Richtung.

Sie erwähnten Skandinavien. In Finnland soll nun das Erlernen der Schreibschrift abgeschafft werden – weil eh nur noch getippt wird. Ist das die Zukunft?

Ich habe Schmunzeln müssen, als ich das las. Nein, das ist schon ein radikaler Schritt, den ich zwar dahingehend nachvollziehen kann, weil der Großteil des Schriftverkehrs im Alltag nun mal elektronisch abläuft. Den ich aber nicht gutheiße. iPads sollen nicht das Schreiben ersetzen. Unsere Schüler haben nach wie vor auch Hefte.

Interview: Dirk Walter

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