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Eine Schülerin im Internat Schloss Neubeuern bei Rosenheim.

Bildungstage München

Soziales Lernen im Internat

Wie zeitgemäß ist Internatserziehung? Darüber berichtet auf den Münchner Bildungstagen (30./31. Januar im Münchner MTC) Robert Leicht.

Der frühere Chefredakteur der Wochenzeitung „Die Zeit“ war selbst Internatsschüler in Salem und ist heute Vorsitzender des Vereins Schule Schloss Salem e.V.. Ein Interview.

Internats-Erziehung – das klingt etwas altmodisch. Wann macht ein Internat Sinn?

Für eine gute, rein schulische Ausbildung ist ein Internat nicht unbedingt nötig. Internate zeichnen sich durch die Kombination von Persönlichkeitsbildung und Schule aus. Das ist das soziale Lernen. Im Internat ist man angehalten, seinen Platz zu suchen – man kann ihn dort aber auch finden.

Was bieten Internate speziell an?

Robert Leicht

Bei uns in Salem müssen die Schüler soziale Dienste leisten, beispielsweise auch in der Feuerwehr, im THW und im Sanitätsdienst. In so genannten Innungen lernen sie die Anfänge eines Handwerks, viele Schüler haben auch so genannte Ämter, sind also Helfer bei organisatorischen Aufgaben im Tagesablauf, aber auch bei Theater und Musik. Hinzu kommt auch schlicht, dass der Internatsschüler das Leben auf einer „Bude“ mit drei bis vier Zimmergenossen lernen muss. Er ist kein Solist mehr.

Gibt es auch Kinder, die scheitern?

Ich würde nicht sagen, dass Kinder, die sich in einem Internat nicht wohl fühlen, gescheitert sind. Vielleicht passt es bei dem ein oder anderen einfach nicht, das kommt natürlich vor. Bei den Jüngeren spielt auch das Heimweh eine Rolle.

Ab welchem Alter macht ein Internat Sinn?

Ich musste ab der 5. Klasse in das Internat Salem, damals, im Jahr 1954, gab es bei uns in Unterfranken im Umkreis von 40 Kilometern kein Gymnasium – da lag das nahe. Das war schon eine Umstellung. Aber in dem Alter, mit zehn oder elf, ist es schon sinnvoll gewesen.

Wenn Sie auf die neun Jahre zurückblicken – was war prägend für Sie?

Solche Langzeiteindrücke nimmt man als Kind nicht direkt wahr. Vielleicht so formuliert: Bestimmte Sachverhalte denkt man immer in Gemeinschaften. Auch bei der politischen Bewusstseinsbildung war Salem prägend. Früher sagte man bei mittelprächtigen Salemer Schülern: Dein Abitur ist nicht toll, aber dein Charakter ist hinreißend. Das geht heute natürlich nicht mehr. Der Wettbewerb ist groß, da schauen die Eltern schon auch auf die Noten.

Die Internate stehen durch die wachsende Zahl von Ganztagsschulen unter Druck, auch Salem muss mit sinkenden Anmeldezahlen zurecht kommen. Wo ist der Weg zurück zum Erfolg?

Erfolg haben wir auch jetzt, auch mit den derzeit 580 statt der einst 700 Schüler. Uns hilft, dass der Abitur-Schnitt der Salemer Schüler zuletzt immer besser als der Durchschnitt in Baden-Württemberg war. Salem steht aber auch international im Wettbewerb mit Internaten in angelsächsischen Ländern, wo die Internatserziehung eine ganz andere – selbstverständliche – Tradition ist. Da schneiden wir mit unseren Schülern aus ungefähr 40 Nationen ganz gut ab.

Das Gespräch führte Dirk Walter


Weitere Informationen finden Sie auf der neuen Webseite der Bildungstage München.

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