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Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz: Was können Mitarbeiter dagegen tun?

Demütigung am Arbeitsplatz

Betroffene sexueller Belästigung enthüllt: Keiner hat geholfen

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Gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz können Mitarbeiter vorgehen, indem sie sich an die Personalabteilung wenden. Das wurde dieser Angestellten zum Nachteil.

Manche berufstätige Frauen wurden schon einmal am Arbeitsplatz sexuell belästigt. Auch Männer sind davor nicht gefeit. Doch Fälle dieser Art werden nur selten thematisiert: Laut Studien passieren ähnliche Situationen jeder zweiten Frau in Deutschland, doch die Dunkelziffer ist sehr hoch.

"Sexuelle Belästigung beginnt dort, wo signalisierte Grenzen überschritten werden", heißt es auf der Website der Frauenbeauftragten der Universität München. Dabei sei jedes sexuell belegte Verhalten, das von Betroffenen nicht gewünscht sei und von ihnen als beleidigend und abwertend empfunden werde, eine Form der sexuellen Belästigung.

In einem Fall von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz versuchte die Betroffene, sich gegen die Eingriffe zu wehren: Sie wurde von ihrem Chef sexuell belästigt und wandte sich damit an die Personalabteilung. Doch das machte alles nur noch viel schlimmer.

"Anfänglich waren die Anzüglichkeiten nur leicht"

Die Betroffene, wie das Newsportal Focus Online berichtet, arbeitete im Key Account Management eines 1.400 Mitarbeiter großen Unternehmens. Wie in vielen Unternehmen ist auch in diesem die Führungsetage hauptsächlich von Männern besetzt.

Die Managerin, die anonym bleiben möchte sowie auch ihre Kolleginnen erfuhren bereits einige Zeit immer wieder Momente sexueller Belästigung. "Anfänglich waren die Anzüglichkeiten nur leicht. Doch innerhalb weniger Monate nahmen sie zu und der Ton wurde rauer", so die Betroffene.

Die Belästigungen stehen bald an der Tagesordnung. Während Meetings wurde sie einmal gefragt, ob sie ihre Brüste bei Kunden einsetzen könne. Schließlich sei sie wegen ihnen ja so erfolgreich.

"Schätzchen, wir haben parallel noch einen Dildo-Vertrieb"

Als die Belästigungen so unerträglich werden, dass sie es nicht mehr aushält, wendet sich die Betroffene an die Personalabteilung. Ausschlaggebend sei eine Situation gewesen, in der die Geschäftsführung zu der Managerin gesagt haben soll: "Schätzchen, wir haben parallel noch einen Dildo-Vertrieb. Dort brauchen wir noch Testpersonen für die ganz dicken Dinger. Wenn Du magst, kannst Du vorbeikommen."

Das war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte: Sie suchte Hilfe in der Personalabteilung, wo man ihr auch prompt Unterstützung anbot. Doch dann kam alles anders.

Von Chef degradiert

Nur kurze Zeit später wurden der Mitarbeiterin trotz konstant guter Leistungen, plötzlich alle Aufgaben entzogen. Sie kündigte kurz darauf und verließ das Unternehmen. Gegenüber dem Focus spricht die Betroffene jetzt Klartext:

"Im Assessment-Center werden hübsche Kolleginnen ausschließlich mit 'Mäuschen' angesprochen. Über einen männlichen Kollegen, der nicht sehr stressresistent zu sein schien, sagten Personalabteilung und Geschäftsführung, er habe gewirkt, als hätte er während der Befragung onaniert. Es bleibt nicht nur bei verbalen Anzüglichkeiten. Die Führungsriege behält die Hände nicht bei sich. Ein älterer Direktor nähert sich einer 25-jährigen Assistentin körperlich. Angeblich um zu testen, ob sie sich gegen unangenehme Situationen wehren kann. Das sei wichtig für den Job. Vor dem Personalchef prahlt er, wie heiß er die Situation empfand und das es für ihn spricht, dass sich die junge Frau nicht gewehrt hat."

Die Betroffene in diesem speziellen Fall hat Strafanzeige wegen sexueller Belästigung und Diskriminierung am Arbeitsplatz gestellt. Es wird sich zeigen, ob sie damit vor Gericht Erfolg hat.

Auch interessant: So wehren Sie sich gegen Mobbing am Arbeitsplatz. Erfahren Sie auch, wo der Chef Sie am Arbeitsplatz filmen darf.

sca

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