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Corona-Eltern im Dauerstress: Ein Viertel denkt über Jobwechsel nach

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Mitarbeiterin mit Kind im Homeoffice. Kinderbetreuung im Homeoffice bedeutet vor allem eines: Stress für die Eltern.
Kinderbetreuung im Homeoffice bedeutet vor allem eines: Stress für die Eltern. (Symbolbild) © Julian Stratenschulte/dpa

Während der Corona-Pandemie haben viele Eltern im Homeoffice gearbeitet und parallel ihre Kinder betreut. Doch der Dauerstress hat Folgen.

Die Pandemie geht ins dritte Jahr und damit auch die Belastung von berufstätigen Eltern, deren Kinder wegen Kita- und Schulschließungen oder Quarantäne zusätzlich betreut werden müssen*. Aktuell führt die Omikronwelle zudem zu hohen Inzidenzen unter Kindern und erhöht den Druck auf arbeitende Eltern noch einmal. Die Jobseite Indeed hat zusammen mit dem Meinungsforschungsinstitut YouGov 1.009 berufstätige Eltern befragt, wie sie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie angesichts der Mehrbelastung in der Pandemie bewältigen. Die Ergebnisse zeigen, wie häufig Väter und Mütter dieser Situation ausgesetzt waren: 

Demnach mussten mehr als die Hälfte der berufstätigen Eltern (55 Prozent) zusätzlich zur Arbeit für eine Betreuung der Kinder sorgen, aufgrund einer Quarantäne oder Kita- bzw. Schulschließung. Der von der Bundesregierung eigens für die Pandemie eingerichtete Entschädigungsanspruch sollte Verdienstausfälle in diesem Zusammenhang kompensieren – allerdings ist dieser Anspruch auch im dritten Jahr der Pandemie fast der Hälfte der Eltern (47 Prozent) unbekannt. Wie Sie Corona-Kinderkrankentage zur Betreuung Ihres Kindes nehmen und ob ein Antrag nötig ist, lesen Sie hier.

Die meisten bewältigen Kinderbetreuung und Arbeit parallel

Insofern überrascht es nicht, dass nur acht Prozent der befragten Eltern den gesetzlichen Entschädigungsanspruch wahrgenommen hat, um ihre Kinder zu Hause betreuen zu können. Für die meisten Eltern stellte die Betreuung der Kinder eine Doppelbelastung dar: 41 Prozent der Befragten gaben an, dass sie sich während der Quarantäne oder Schul- und Kitaschließungen um die Kinder gekümmert und gleichzeitig im Homeoffice gearbeitet haben. Immerhin 25 Prozent der Eltern haben die bei Schließungen angebotene Notbetreuung genutzt, um weiter zur Arbeit gehen zu können. “Kind krank”-Tage haben elf Prozent beantragt.

Weniger Stress geht vor Gehalt

Mehr als jede vierte befragte Person (27 Prozent) denkt derzeit über einen Jobwechsel nach, um Arbeit und die Betreuung der Kinder besser miteinander vereinbaren zu können. 41 Prozent der Befragten wären sogar dazu bereit, für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie auf Gehalt zu verzichten, sei es in einem neuen oder im aktuellen Arbeitsverhältnis.

Lesen Sie auch: Darum sollten Sie alle zwei Jahre den Job wechseln.

20 Prozent sind unzufrieden mit der Unterstützung durch ihren Arbeitgeber

Mit der Unterstützung und Rücksichtnahme durch ihren Arbeitgeber hinsichtlich der Doppelbelastung als berufstätige Eltern in der Pandemie zeigen sich 20 Prozent der Eltern unzufrieden. Unter den Unzufriedenen denkt fast die Hälfte (48 Prozent) über einen Jobwechsel nach – damit ist dieser Wert fast doppelt so hoch wie im Schnitt aller Befragten. Die Mehrheit der Eltern bewertet die Unterstützung des eigenen Arbeitgebers allerdings positiv. Mehr als 70 Prozent der Befragten gaben an, sich hinsichtlich der Vereinbarkeit von Beruf und Familie gut durch ihren Arbeitgeber unterstützt zu fühlen. Bei den Eltern, die im Homeoffice ihre Kinder betreut haben, ist diese Zufriedenheit besonders hoch (81 Prozent), bei denjenigen, die die Kinderbetreuung mit Urlaub (59 Prozent) oder unbezahlter Freistellung (50 Prozent) bewältigt haben, ist sie am niedrigsten.

„Die Pandemie hat zu einem Paradigmenwechsel bei berufstätigen Eltern in Deutschland geführt.“, weiß Dr. Annina Hering, Arbeitsmarktexpertin vom Indeed Hiring Lab. “Der Kampf um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf hat den vergangenen zwei Jahren seinen Stempel aufgedrückt. Viele berufstätige Eltern wollen diese Doppelbelastung nicht länger hinnehmen und werden zukünftig Arbeitgeber bevorzugen, die flexible Arbeitszeitmodelle bieten und die Bedürfnisse von Eltern im Fokus haben.“ Deshalb rät sie allen Arbeitgebern, Erleichterungen wie die Möglichkeit zum Homeoffice mit dem Ende der Pandemie nicht wieder abzuschaffen. „Der Arbeitsmarkt ist aktuell stark in Bewegung – wer gute Arbeitskräfte ansprechen und an sich binden will, muss auch die Eltern für sich gewinnen.”, schließt die Expertin.

Übrigens, die Homeoffice-Pflicht endet bald – wann Arbeitnehmer wieder ins Büro müssen, lesen Sie hier. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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