Kommunikationsberater klärt auf

Diese fünf Fehler sollten Unternehmen in der Coronakrise beim Thema Kurzarbeit vermeiden

  • Anne Hund
    vonAnne Hund
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Viele Beschäftigte sind bereits in Kurzarbeit - oder müssen damit rechnen, dass sie in der Coronakrise weniger arbeiten. Wird das Thema offen genug kommuniziert?

  • Viele Firmen beantragen in der Coronakrise* Kurzarbeit für ihre Mitarbeiter.
  • Damit können viele Arbeitsplätze im Unternehmen gesichert werden.
  • Doch bei der Kommunikation können Firmen einige Fehler - ein Kommunikationsberater klärt auf.

Kurarbeit zum Erhalt von Arbeitsplätzen während Coronakrise

Die Coronakrise*hat viele Wirtschaftsbranchen zum Stillstand gebracht. Kurzarbeit ist dabei ein wichtiges Instrument, das Entlassungen verhindern soll. Nicht umsonst gibt es einen massiven Ansturm auf die Leistung: Bundesweit haben nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit bis kurz vor Ostern schon rund 650.000 Betriebe Kurzarbeit wegen des Coronavirus angekündigt. Die Zahl sei binnen einer Woche um knapp 40 Prozent gestiegen, teilte die Behörde mit. Berücksichtigt seien dabei Anzeigen bis zum vergangenen Montag (6. April).

Für die meisten Beschäftigten ist das Thema Kurzarbeit allerdings neu. Und natürlich sind viele Menschen, die es in der Coronakrise von heute auf morgen getroffen hat, zu Recht verunsichert*. Umso wichtiger ist daher die intensive Kommunikation zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

In einem auf Businessinsider.de veröffentlichten Gastbeitrag nennt der Kommunikationsberater Heiko Kretschmer fünf Fehler, die Unternehmen beim Thema Kurzarbeit in der Kommunikation mit ihren Mitarbeitern vermeiden sollten:

Fehler beim Thema Kurzarbeit: Schweigen statt sprechen

1. Fehler: Schweigen - "Wir erzählen zunächst am besten gar nichts": Angesichts der Tatsache, dass viele Unternehmen in diesen Tagen nur auf Sicht fahren könnten und von den politischen Entscheidungen der nächsten Tage abhängig seien, gestalte sich die Umsetzung einer vorausschauenden Planung und Kommunikation als schwierig, räumt der Experte ein und betont jedoch: "Es ist umso wichtiger, frühzeitig über die besonderen Umstände aufzuklären und immer dann für Klarheit zu sorgen, wenn die Lage neu bewertet werden kann oder sich die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ändern." Dabei seien Sprachregelungen für die Führungskräfte wichtig, "denn sie stellen eine konsistente Kommunikation sicher und vermindern das Risiko von Missverständnissen oder Gerüchten".

Lesen Sie hier: Kurzarbeitergeld und Hilfen wegen Coronavirus - Das gilt für Arbeitnehmer und Selbständige

Die Lage in der Krise nicht unterschätzen 

All dies erfordere nicht nur "maximale Transparenz" aufseiten des Managements, so Kretschmer, sondern führe auch dazu, dass Entscheidungen und Änderungen im unternehmerischen Handeln immer wieder neu legitimiert und kommuniziert werden müssten. Wenn der Belegschaft gegenüber nur das "Endergebnis" mitgeteilt werde, sei inzwischen bereits viel Vertrauen verspielt worden.

2. Fehler: Die Lage unterschätzen - "Das wird schon": Zwar kann Kurzarbeit viele Jobs im Unternehmen retten. Trotzdem sollten sich Firmen weiterhin ihrer Verantwortung bewusst sein. "Für viele Arbeitnehmer bedeutet Kurzarbeit erhebliche wirtschaftliche Einschnitte und wird in vielen Fällen auch Existenzen bedrohen", gibt der Kommunikationsberater zu bedenken. Hinzu komme, dass viele Branchen und eine neue Generation von Arbeitnehmern das erste Mal mit dem Thema Kurzarbeit in Kontakt kämen. Heiko Kretschmer betont in dem Beitrag auf Businessinsider.de in dem Zusammenhang auch: "Dieser Tatsache muss sich jeder Entscheidungsträger aktuell bewusst sein und sollte deshalb jeden Einzelnen im Unternehmen so gut es geht mitnehmen und individuelle Herausforderungen besprechen."

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Viele Mitarbeiter im Homeoffice - trotzdem Transparenz schaffen

Erschwerend kommt noch bei der Kommunikation hinzu, dass die meisten Mitarbeiter derzeit von zu Hause aus arbeiten. Der Experte rät: "Daher sind Formate geboten, die frühzeitig einen horizontalen und vertikalen Austausch im Unternehmen ermöglichen, wie Team-Calls oder individuelle Gespräche zwischen Mitarbeitern und Führungskräften oder der Personalabteilung."

3. Fehler: Gottvertrauen - "Die Mitarbeiter wissen, dass wir das richtige tun":  Auch ein bestehendes Vertrauensverhältnis könne sich zurzeit schnell in Luft auflösen, wenn sich Arbeitnehmer übergangen fühlten, warnt der Kommunikationsberater. "So geht dem Unternehmen Motivation verloren, die aktuell wichtiger ist denn je." Nicht nur Entscheider im Unternehmen, sondern auch Angestellte seien in Anbetracht der wirtschaftlichen Lage sehr nervös. Sein Tipp: "Die Belegschaft bei der Umsetzung Schritt für Schritt mitnehmen und Einschnitte immer transparent erläutern, zum Beispiel in Form regelmäßiger Mailings oder eines FAQ. "

4. Fehler: Große Worte - "Whatever it takes": Arbeitnehmer seien nicht dazu bereit, alles hinzunehmen, weiß der Kommunikationsberater. Dem Betriebsrat komme hierbei eine besondere Rolle zu, denn er sei nicht nur ein Kontrollgremium zur formalen Abknickung der Kurzarbeit, sondern habe auch kommunikative Funktionen. Vor allem bei Fragen der individuellen Einschränkung des Mitarbeiters und des unternehmerischen Zusammenhalts verfüge der Betriebsrat über ein Plus an Glaubwürdigkeit. Der Experte betont zugleich: "Dennoch darf sich das Management nicht darauf ausruhen und muss von Anfang an klarstellen, dass Kurzarbeit nur eine temporäre Lösung ist, die von weiteren Maßnahmen wie Steuerstundungen oder staatlichen Krediten flankiert wird." So werde der Eindruck vermieden, es komme bei der Bewältigung der Krise nur auf den Verzicht der Mitarbeiter an.

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Fehler in der Coronakrise: Zu viel Pessimismus kann schädlich sein

5. Fehler: Schwarz sehen - "Jetzt geht es nur noch bergab!": Schwarzsehen ist keine Lösung. Der Experte empfiehlt vielmehr, den Mitarbeitern getreu nach dem Motto "Not macht erfinderisch" eine Plattform zu geben, um sich regelmäßig auszutauschen. "Aber auch Ideen und Anregungen für Marketing, Weiterbildung oder gar die Anpassung des Geschäftsmodells entstehen gerade jetzt." Ganz unabhängig von der aktuellen Krise im Umgang mit dem Coronavirus werde so den Mitarbeitern in Zeiten von Kurzarbeit die Möglichkeit geboten, "sich selbst als Teil der Lösung und nicht als Teil des Problems zu begreifen".

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