+
"Arbeitsunfähig" heißt nicht immer "krank": Wenn der Arzt es absegnet, darf man durchaus in den Urlaub fahren. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Der Arzt entscheidet

Darf ich trotz Krankschreibung reisen?

Im Volksmund heißt es "Krankschreibung", im Amtsdeutschen verklausuliert "Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigung". Warum Arbeitnehmer nach Abgabe des "Gelben Scheins" nicht zwangsläufig zuhause herumsitzen müssen, erklären Arbeitsrechtler.

Berlin (dpa/tmn) - Wer krank ist, gehört ins Bett - und nicht ins Flugzeug oder gar an den Strand. Oder doch? Darf ich trotz einer Krankschreibung eine längere Reise antreten - und sei es nur, um mich von meiner Familie pflegen zu lassen?

Das ist grundsätzlich erlaubt, sagt Peter Meyer, Fachanwalt für Arbeitsrecht und Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltverein. Etwas anderes gilt nur, wenn die Reise während der Krankschreibung "genesungswidrig" ist, wie es unter Juristen heißt - wenn dadurch also zum Beispiel eine Grippe verschleppt wird. Was dabei gut für den Patienten ist und was nicht, entscheidet aber nicht der Arbeitgeber: "Wenn der Arzt sagt, dass das okay ist, gibt es da gar keine Probleme."

Eigentlich sind Arbeitnehmer nämlich auch nicht "krankgeschrieben", selbst wenn der Volksmund das so nennt - sondern arbeitsunfähig. Und nicht immer ist das beste Mittel dagegen, still im Bett zu liegen. "Das beste Beispiel sind psychosomatische Erkrankungen, der Burnout etwa, der durch die Arbeitssituation verursacht worden ist", so Meyer. "Wenn der Arzt Ihnen da zur schnelleren Genesung rät, ins Freibad zu gehen oder zur Luftveränderung an die Ostsee zu fahren, dann dürfen Sie das auch tun - auch wenn das auf den Arbeitgeber vielleicht irritierend wirkt."

Der Chef weiß schließlich nicht, welche Krankheit ein Mitarbeiter genau hat. Aus der Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigung für den Arbeitgeber geht das nicht hervor, erklärt Meyer. "Und er hat grundsätzlich auch kein Recht darauf, es zu erfahren." Streit um die Arbeitsunfähigkeit und das Verhalten währenddessen kann es aber trotzdem geben. Und eine vorgetäuschte Arbeitsunfähigkeit kann auch zu arbeitsrechtlichen Konsequenzen führen, bis hin zur Kündigung. In der Praxis ist es für Arbeitgeber aber oft schwer, eine Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigung des Arztes zu widerlegen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Gerade mal 30 und schon Chef: Mann verrät seinen ultimativen Karriere-Tipp
Falko Kremp ist 30 Jahre - und schon Deutschlandchef eines Digital-Startups. Nun verrät er, wie man heute junge Menschen für die Arbeit begeistern kann. Es ist anders, …
Gerade mal 30 und schon Chef: Mann verrät seinen ultimativen Karriere-Tipp
Wie Pendeln entspannter laufen kann
München - Nürnberg und zurück, jeden Tag. Manche Menschen legen täglich einiges an Strecke zurück, um zur Arbeit zu kommen. Um das angenehmer zu gestalten, ist auch der …
Wie Pendeln entspannter laufen kann
Die Brückentage 2020 geschickt nutzen
Wer 2020 mit wenigen Urlaubstagen möglichst lange entspannen möchte, sollte sich mit seinen Urlaubsanträgen beeilen. Denn die Brückentage sind im kommenden Jahr nicht so …
Die Brückentage 2020 geschickt nutzen
Überraschend: Das ist erlaubt trotz Krankschreibung
Darf ich zum Einkaufen oder ins Kino, wenn ich krankgeschrieben bin? Viele Mitarbeiter denken, sie müssten bei Krankheit das Bett hüten. Doch das Gegenteil ist der Fall.
Überraschend: Das ist erlaubt trotz Krankschreibung

Kommentare