Bald Notstand in Logistikbranche

Berufskraftfahrer: Nachwuchs fehlt 

Hannover/Stuttgart - In Deutschlands Logistikbranche werden nach Berechnungen des Prüfkonzerns Dekra in absehbarer Zeit mehrere Zehntausend Berufskraftfahrer fehlen.

„In den nächsten zehn Jahren erreichen rund 30 Prozent des Fahrerpersonals die Altersgrenze. Noch deutlicher gesagt: Bald jeder dritte Fahrer geht dann in Rente“, sagte Dekra-Chef Stefan Kölbl am Dienstag auf der weltgrößten Nutzfahrzeugmesse IAA in Hannover. Nach den Zahlen der Dekra fehlen in zehn Jahren mehr als 150 000 Brummifahrer.

Die Dekra stützt sich bei ihren Angaben auf externe Studien und eigene Berechnungen. Die Organisation gehört bundesweit zu den führenden Bildungsanbietern im Bereich Transportlogistik und sorgt etwa für die Fortbildung der Trucker. Nach Meinung der Dekra müssen die Betriebe dem Fachkräftemangel mit deutlich mehr Lehrstellen gegensteuern. „Ganz wichtig ist jetzt auch die strategische Gewinnung von Fahrernachwuchs, indem die Unternehmen ausbilden“, sagte Kölbl.

Jährlich werden nach Ergebnissen der Anfang des Monats veröffentlichten „ZF-Zukunftsstudie Fernfahrer“ rund 3000 neue Berufskraftfahrer ausgebildet. Hinzu kommen bis zu 12 000 Männer und Frauen, die eine beschleunigte Qualifizierung durchlaufen. Um den Bestand zu halten, seien jedoch jährlich etwa 25 000 neue Kraftfahrer nötig. Früher habe auch die Bundeswehr noch etwa 15 000 Kraftfahrer jährlich ausgebildet. Das sei nun weggefallen und mache sich bemerkbar.

Fernfahrer sind laut der Studie meist „Überzeugungstäter“, die den Beruf wieder wählen würden. Gleichzeitig machen aber die Unvereinbarkeit des Berufs mit der Familie, die Überlastung der Straßen, eine schlechte Entlohnung und ungünstige Arbeitszeiten vielen Fahrern das Leben schwer. Enge Baustellen, unvorhersehbare Wartezeiten und permanenter Zeitdruck sorgen für Stress.

dpa

Rubriklistenbild: © dapd

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