E-Mails kennen keinen Feierabend

Diensthandy: Bürde oder Erleichterung?

Viele Arbeitnehmer werden mit Dienst-Handys oder -Laptops ausgestattet. Was für die einen an Selbstausbeutung grenzt, ist für die anderen eine Chance auf mehr Flexibilität. 

Wem von seiner Firma solche Geräte gestellt werden, gehört oftmals zu den höheren Kadern in der Hierarchie. Die Praxis der beruflichen Nutzung erstreckt sich aber deutlich weiter. Viele Arbeitnehmer sind nach Feierabend telefonisch erreichbar, checken am Wochenende ihre E-Mails oder machen ihr Zuhause per Home-Office direkt zum Arbeitsplatz. Der Düsseldorfer Versicherungskonzern ARAG befragte dazu gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut Emnid mehr als 1000 Deutsche zu ihrem Umgang mit beruflich genutzten Handys sowie der Verquickung von Arbeit und Freizeit im Home-Office. Die Ergebnisse waren zum Teil überraschend; denn was für die einen an Selbstausbeutung grenzt, ist für die anderen eine Chance auf mehr Flexibilität.

Fast die Hälfte aller befragten Berufstätigen (48 Prozentnutzt demnach ihre Mobilgeräte nicht für dienstliche Zwecke und ist daher nur am Arbeitsplatz für den Chef, die Kollegen und Kunden zu erreichen. Feierabend und Wochenende gehören bei dieser Gruppe der Familie oder der Erholung und Freizeit. Allerdings sind es immerhin 40,8 Prozent der befragten Erwerbstätigen, die per Handy immer erreichbar sind  - auch für den Chef. Dabei bilden nicht etwa die sogenannten Digital Natives, also die bis 30 Jahre alten Arbeitnehmer, die Mehrheit.

Einschnitte in den Feierabend werden toleriert

Der Anteil der Handy-Besitzer mit heißem Draht in die Firma ist in der Gruppe der 40- bis 49-Jährigen am größten. Wer seine Mobilgeräte auch beruflich nutzt, lebt nicht automatisch in der Furcht, dass es jeden Moment klingeln könnte. So sind zum Beispiel 14,2 Prozent der Handybesitzer nur während der Arbeitszeiten telefonisch erreichbar. 36 Prozent sind es zwar auch außerhalb der Arbeitszeiten, allerdings nur in Notfällen.

Wenn solche Einschnitte in Feierabend, Urlaub und Freizeit die Ausnahme bleiben, werden sie meist toleriert. Weniger als die Hälfte (48,8 Prozent) aller Handy-Besitzer gibt an, telefonisch immer erreichbar zu sein - auch nach Feierabend und an Wochenenden. Nur selten gibt es klare Vorgaben, wann die Mitarbeiter per Handy oder E-Mail gestört werden dürfen. Das wird aber offenbar nicht als Belastung empfunden. Solche Regelungen wünschen sich auch nur neun Prozent der Beschäftigten. Rund die Hälfte - 49,8 Prozent - kennt solche Vorgaben nicht und vermisst diese auch nicht. Ganz offensichtlich haben viele Mitarbeiter ein entspanntes Verhältnis zu dienstlichen Anrufen und E-Mails nach Feierabend oder nehmen sie zumindest unaufgeregt in Kauf.

Per E-Mail ständig erreichbar

E-Mails haben die Kommunikation am Arbeitsplatz um ein Vielfaches beschleunigt - ganz besonders mit mobilen Endgeräten wie Smartphone, Tablet oder Laptop. Damit einher geht auch die Erwartung der ständigen Erreichbarkeit. Erstaunlich viele Arbeitnehmer verteidigen ihre Freizeit trotz moderner Kommunikationsmittel: Immerhin 43,1 Prozent der befragten Mobilgerätebesitzer geben an, mit ihren Geräten keinen Zugriff auf Firmen-Mails zu haben und somit nach Feierabend auch keine dienstlichen E-Mails zu lesen. Mehr als ein Drittel, nämlich 34 Prozent, nutzt ein Smartphone und kontrolliert damit die dienstlichen E-Mails auch an Wochenenden oder nach Feierabend.

Naturgemäß zeigt die E-Mail-Kontrolle am Arbeitsplatz via Mobilfunk keine hohen Werte: Nur 18,4 Prozent kontrollieren so ihre dienstlichen E-Mails in der Arbeitszeit. Warum also nicht gleich von zu Hause arbeiten? Doch 33,4 Prozent der befragten Arbeitnehmer wenden sich strikt dagegen. Sie befürchten, dass die Vermischung von Arbeit und Privatleben den Arbeitsstress letztlich noch erhöht und würden die Kontakte zu den Kollegen schmerzlich vermissen. Über die Hälfte der Home-Office-Gegner (51,8 Prozent) geben an, Beruf und Privatleben unbedingt trennen zu wollen. Bei den unter 30-jährigen Arbeitnehmern sind es sogar 71,8 Prozent. Die Befürworter des Home-Offices - immerhin 52,6 Prozent der Beschäftigten - schätzen hingegen besonders, die Arbeit flexibel einteilen zu können. Darüber hinaus ist für 40,6 Prozent der Befürworter wichtig, mit dem Arbeiten von zu Hause Familie und Beruf optimal unter einen Hut bringen zu können.

Überdurchschnittlich viele Frauen wünschen sich mehr Möglichkeiten, zu Hause arbeiten zu können. Während 49,2 Prozent der Home-Office-Befürworter männlich waren, fand dieses Arbeitsmodell unter den weiblichen Beschäftigten sogar 56,4 Prozent Zuspruch. Besonders hoch war der Zuspruch bei den unter 50-Jährigen. Und während sich nur 29,4 Prozent der Volksschulabsolventen ohne Lehre Heimarbeit wünschen, sind es bei Beschäftigten mit Abitur und Akademikern 68,2 Prozent. Der typische Home-Office-Befürworter ist also jung, weiblich und gut ausgebildet. Oder umgekehrt gesagt: Unternehmen, die leistungsbereite junge Frauen mit profunder Bildung und Ausbildung suchen, sollten aufs Home-Office setzen.

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Doktortitel bleibt beste Voraussetzung für den Aufstieg
Einen schicken neuen MBA oder den guten alten Doktorhut? Wer sich per Titel für höhere Aufgaben empfehlen will, hat die Qual der Wahl. BWLer müssen allerdings genauer …
Doktortitel bleibt beste Voraussetzung für den Aufstieg
Diebstahl im Büro: Das blüht Ihnen, wenn Sie Dinge mitnehmen
Briefumschläge und Kugelschreiber aus dem Büro könnten Sie Zuhause gut gebrauchen? Vorsicht: Auch bei solchen "Kavaliersdelikten" droht Ihnen mächtiger Ärger.
Diebstahl im Büro: Das blüht Ihnen, wenn Sie Dinge mitnehmen
Geschlechterklischees schrecken weibliche Fachkräfte ab
Bedienen Firmen in ihrer Außendarstellung Geschlechterklischees, kann das qualifizierte Frauen von einer Bewerbung abhalten. Doch was stufen weibliche Fachkräfte als …
Geschlechterklischees schrecken weibliche Fachkräfte ab
Das sind die drei größten Fehler von Personalern
Personaler beschweren sich oft über ihre Bewerber - dabei sind sie selbst nicht fehlerfrei. Welche Unarten HR-Mitarbeiter ablegen sollten, um besser zu werden.
Das sind die drei größten Fehler von Personalern

Kommentare