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Der "falsche" Name? Dann haben es Bewerber bei Personalern immer noch schwer. 

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Diese Bewerber lehnen Personaler sofort ab - sagt eine Studie

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Welche Bewerber kommen bei Personalern gut an - und welche werden gleich aussortiert? Eine Studie deckt auf, wie oberflächlich Unternehmen wirklich ticken.

Werden Menschen mit Migrationshintergrund bei der Bewerbung diskriminiert? Was viele schon immer vermutet haben, haben Berliner Wissenschaftler nun bestätigt - obwohl alle Bewerber der Studie gebürtige Deutsche sind.

Doch welche Bewerber von Personalern gleich abgelehnt werden, hängt tatsächlich stark davon ab, aus welchem Herkunftsland sie stammen, welcher Religion sie angehören, ob sie dunkelhäutig sind - und nicht zuletzt auch vom Geschlecht. 

Studie erforscht Diskriminierung im Bewerbungsprozess

Für ihre Studie haben Forscher des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) rund 6.000 fiktive deutsche Staatsbürger des Jahrgangs 1992 in den Bewerbungsdschungel geschickt, die allesamt das deutsche Bildungssystem genossen haben. 

Die vorgeblichen Kandidaten bewarben sich auf echte Stellenausschreibungen in acht verschiedenen Ausbildungsberufen - vom Koch bis zum Industriekaufmann. Lediglich dieNamen und das Herkunftsland der Eltern unterschieden sich. Aussehen und Religion variierten die Forscher ebenfalls. Anschließend untersuchten sie, welche Rückmeldung von Personalern kam - oder auch nicht.

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Bewerber mit ausländischen Wurzeln erhalten weniger positive Rückmeldungen

Das Ergebnis: Während deutschstämmige Bewerber 60 Prozent positive Rückmeldungen erhielten, waren es bei Bewerbern mit ausländischen Wurzeln nur 51 Prozent. Die Qualifikation war - wohl gemerkt - dieselbe. 

Zusammengefasst kann man sagen:

  • Bewerber, die ursprünglich aus Afrika oder aus muslimischen Ländern stammen, wurden laut der Studie stark diskriminiert. So erhielten nur 41 Prozent der Bewerber mit albanischer Herkunft eine Einladung zum Vorstellungsgespräch, eine Nachfrage zur Bewerbung oder eine Bitte um Rückmeldung. Bewerber mit marokkanischen, äthiopischen, pakistanischen oder dominikanischen Wurzeln erging es ähnlich.
  • Menschen aus Europa und Ostasien wurden im Vergleich zu Bewerbern mit deutschen Namen kaum benachteiligt. 
  • Männer mit Migrationshintergrund wurden häufiger abgelehnt als Frauen.
  • Referenzschreiben von früheren Arbeitgebern hatten laut der Studie keinen entscheidenden Einfluss auf die Entscheidung von Personalern.

Positives Feedback bei Spaniern, Japanern und anderen Europäern

Doch ein Ergebnis erstaunte die Forscher: Bewerber mit spanischen Namen wurden gegenüber Deutschstämmigen sogar deutlichbevorzugt. 73 Prozent erhielten hier ein positives Feedback. Auch Bewerber aus

  • Japan
  • Polen und der 
  • Schweiz
schnitten gegenüber deutschstämmigen Bewerbern besser ab.

Personaler orientieren sich bei Bewerberauswahl stark an Kultur und Werten

"Bewerber mit Migrationshintergrund werden nur dann benachteiligt, wenn die Werte der Menschen im Herkunftsland stark von denen der Deutschen abweichen", schreiben die Wissenschaftler Sie erklären sich ihre Ergebnisse damit, dass Personaler bei ihrer Entscheidung eben weniger auf Leistung achten, sondern auf die Kultur und auf bestimmte Werte, die sie mit diesen Ländern verbinden. 

Doch an die Personalverantwortlichen richten sie deutliche Worte: "Insbesondere in Zeiten des demografischen Wandels, in denen Unternehmen händeringend nach Fachkräften und Auszubildenden suchen, sollte es aber im Interesse aller sein, das Potenzial an qualifizierten Bewerbern in Deutschland voll auszuschöpfen und allen Menschen eine faire Chance auf einen Arbeitsplatz zu geben - unabhängig davon, welchen Namen sie tragen und ob ihre Eltern einst aus einem anderen Land zugewandert sind."

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Von Andrea Stettner

Mit dieser Körpersprache geht das Bewerbungsgespräch schief

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