+
Der Frauenanteil in den Vorständen lag Ende 2014 bei 5,4 Prozent - einen Prozentpunkt höher als im Vorjahr. Foto: Jan-Philipp Strobel

DIW: Frauenanteil in Chefetagen wächst auf niedrigem Niveau

Berlin (dpa) - Die für 2016 geplante Frauenquote erfüllen heute die wenigsten Unternehmen. Nach neuen Zahlen ziehen zwar immer mehr Frauen in Chefetagen ein - aber es geht nur in kleinen Schritten voran.

Der Frauenanteil in den Führungsetagen ist im vergangenen Jahr überdurchschnittlich stark gewachsen. Dennoch sind Frauen dort weiter klar in der Minderheit: Sie halten nun knapp jedes fünfte Aufsichtsratsmandat und gut jeden zwanzigsten Vorstandsposten in den 200 größten deutschen Unternehmen. Das geht aus Zahlen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervor. "Die Spitzengremien bleiben Männerdomänen", kritisierte Forschungsdirektorin Elke Holst.

Konkret lag der Frauenanteil in den Vorständen Ende 2014 bei 5,4 Prozent und damit einen Prozentpunkt höher als ein Jahr zuvor, in den Aufsichtsräten wuchs er um 3,3 Prozentpunkte auf 18,4 Prozent. Frauen sind heute mehr als vier Mal so stark in Vorständen vertreten wie bei der ersten Auflage des DIW-"Managerinnen-Barometers" für 2006; in Aufsichtsräten haben sie ihren Anteil mehr als verdoppelt.

Holst hält das Wachstum aber für zu langsam. "Es ist ein Ritt auf der Schnecke." Gehe es im Tempo der vergangenen drei Jahre weiter, seien Männer und Frauen in Aufsichtsräten erst in 15 Jahren gleich vertreten, in Vorständen in 56 Jahren. Nur wenige Unternehmen erfüllten die geplante gesetzliche Frauenquote.

Die Bundesregierung will 2016 eine "Geschlechterquote" von 30 Prozent in Aufsichtsräten börsennotierter Unternehmen einführen, sie beträfe nach DIW-Angaben 108 Unternehmen. Rund 3500 Unternehmen müssen demnach Zielgrößen selbst festlegen.

Nicht berücksichtigt wurde in den Top 200 der Finanzsektor, den das Institut gesondert untersuchte. Bei Banken und Versicherungen sind Frauen etwas stärker in den Vorständen vertreten, dort sind aber auch die meisten Beschäftigten Frauen. Vergleichsweise gut stehen nach der Untersuchung die 30 Dax-Konzerne da, doch auch bei ihnen bleiben Vorständinnen und Aufsichtsrätinnen in der Minderheit. Deutlich aufgeholt haben Frauen in den bundeseigenen Unternehmen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Eremit gesucht! Kein Strom, kein Wasser, keine Kollegen
Eine Pfarrei nahe Salzburg sucht einen Eremiten. Er muss ohne Strom und fließendes Wasser in einer kargen Unterkunft auskommen, die in den Fels gebaut ist.
Eremit gesucht! Kein Strom, kein Wasser, keine Kollegen
Mitarbeiter gesucht: Dem Handwerk gehen die Fachkräfte aus
Das bayerische Handwerk ist derzeit glänzend unterwegs. Die gute Beschäftigungslage und die steigenden Einkommen sorgen im Verbund mit den weiterhin niedrigen Zinsen für …
Mitarbeiter gesucht: Dem Handwerk gehen die Fachkräfte aus
Physiker arbeiten in ganz verschiedenen Branchen
Physiker arbeiten nach ihrem Studium nicht nur als Forscher und Entwickler. Ein enggefasstes Berufsfeld gibt es für sie nicht. Einige Physiker sind sogar bei …
Physiker arbeiten in ganz verschiedenen Branchen
Bei Verletzung von Datenschutz-Vorschriften droht Kündigung
Immer wieder ruft eine Bürgeramtsmitarbeiterin aus Neugier Datensätze aus dem Melderegister von ihr bekannten Personen ab. Das Landesarbeitsgericht musste entscheiden, …
Bei Verletzung von Datenschutz-Vorschriften droht Kündigung

Kommentare