News-Ticker: Polizei soll Attentäter von Barcelona verhaftet haben

News-Ticker: Polizei soll Attentäter von Barcelona verhaftet haben
+
Wenn Eltern mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen wollen, bietet der Gesetzgeber einige Möglichkeiten. Eine davon ist die Elternzeit, die Vater wie auch Mutter nehmen können. Doch manchmal gibt es Ärger mit dem Arbeitgeber.

Erfahrungsberichte von Müttern und Vätern

Wenn die Elternzeit den Job kostet

München – Während der Elternzeit genießen Papas und Mamas einen besonders strengen Kündigungsschutz. Doch vor und nach der Auszeit wird dieser von manchen Arbeitgebern umschifft. Berichte von Eltern, die ihre Entscheidung für die Familie teuer zu stehen kam, häufen sich.

Stefanie M.* hatte sich im Januar schon wieder auf die Rückkehr in ihre Firma gefreut. Vor über drei Jahren hatte sie als Art Directorin bei einer Münchner Werbeagentur angeheuert. Mitte 2014 ging sie dann mit Ende 30 nach der Geburt ihres ersehnten Buben für ein Jahr in Elternzeit. Doch dann bekam sie Ende Januar dieses Jahres eine Mail, die sie aus allen Wolken fallen ließ: „Liebe Stefanie, nach reiflicher Überlegung muss ich dir leider mitteilen, dass wir dein Angestelltenverhältnis zu deinem Wiedereintritt nach der Elternzeit kündigen werden“, ließ sie ihr Chef darin wissen. Die Fachzeitschrift „Werben & Verkaufen“ (W&V) hat gerade über den Fall berichtet. Und auch im vergangenen Jahr sorgten Kündigungen, die ganz offensichtlich der Elternzeit geschuldet waren, in der Kreativbranche für Schlagzeilen.

Doch nicht nur Werber oder PR-Texter kann die Entscheidung für die Familie teuer zu stehen kommen: „Es kommt häufig vor, dass Arbeitgeber Mitarbeitern zum Ablauf der Elternzeit kündigen“, sagt Regina Bell von der auf Arbeitsrecht spezialisierten Kanzlei Bell und Fuchs in München. Vor allem kleinere und mittelgroße Arbeitgeber wollten solche Mitarbeiter loswerden, weil sie aus Sicht dieser Firmen nach der Elternzeit als weniger leistungsfähig und flexibel gelten. Dass solche Angestellte oft hochmotiviert und topausgebildet sind, zähle nicht. „Die haben nur vor Augen, dass die Frauen als Mütter vielleicht öfter als früher pünktlich weg müssen, etwa um ihre Kinder von der Kita abzuholen.“ Natürlich werde offiziell betriebsbedingt gekündigt oder es würden „fadenscheinige Gründe konstruiert“. Bell hat in den vergangenen Jahren viele betroffene Frauen vertreten. Besonders leicht sei es für Kleinstbetriebe, Mitarbeiter nach einer Elternzeit loszuwerden. Denn bei Firmen unter zehn Mitarbeitern ist keine Begründung notwendig.

Vorgesetzter beschimpft Angestellte am Telefon als "Gluckenmutti"

Auch Dorothea Engel, stellvertretende Vorsitzende des Verbands berufstätiger Mütter, bestätigte unserer Zeitung, dass solche Kündigungen keine Einzelfälle seien. Zwar bestehe während der Elternzeit ein strenger Kündigungsschutz. „Doch davor und danach können Chefs diesen leicht umgehen.“ Auch sie hat die Erfahrung gemacht, dass in der offiziellen Kündigung das Wort Elternzeit nicht vorkommt. Doch den Betroffenen werde „klar zu verstehen gegeben, warum sie gehen müssen“.

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Eltern“ berichten mehrere Väter und Mütter aus verschiedenen Branchen, sie seien nur deshalb entlassen worden, weil sie sich für eine Elternzeit entschieden hatten. Da ist etwa die 28-jährige Vertriebsassistentin, die am ersten Arbeitstag nach ihrer mehrmonatigen Elternzeit nach acht Jahren Firmenzugehörigkeit gekündigt wurde. Einen offiziellen Grund nannte man in der Kündigung zwar nicht. Doch die Angestellte wusste nur zu gut, warum ihre Karriere ein abruptes Ende nahm. Als „Gluckenmutti“ sei sie von ihrer Vorgesetzten am Telefon beschimpft worden.

Einem Anwalt (37), der zuvor als vorbildlich gegolten hatte, kündigte seine Kanzlei kurz nachdem er seinem Arbeitgeber eröffnet hatte, dass er gerne fünf Monate in Elternzeit gehen wolle. Man habe ihm noch gesagt, man könne Elternzeit von Anwälten „nun mal nicht dulden“, zitiert „Eltern“ den Juristen. Und damit nicht genug: „Wie soll man das den Mandanten erklären?“, habe ihn seine Chefin gefragt. Schon der Wunsch zeige, dass er nicht in die Kanzlei passe.

Werdende Eltern sollten Gespräch mit dem Vorgesetzten suchen

Mütter-Vertreterin Engel weiß aus den vielen Gesprächen mit Betroffenen aber auch: „Oft hätte der Ärger vermieden werden können.“ Ein Hauptgrund für die Verstimmungen mit dem Arbeitgeber sei, wenn Mütter oder Väter diesen zu kurzfristig informierten. Der Verband empfiehlt Papas und Mamas, die eine Auszeit für ihre Familie nehmen wollen, „sich möglichst zunächst im Kollegenkreis umzuhören, wie eine Elternzeit normalerweise im Betrieb gehandhabt wird“.

Sofern eine familienfreundliche Unternehmenskultur praktiziert wird, solle man in jedem Fall vorab das direkte Gespräch mit dem Chef suchen und nicht gleich schriftlich den offiziellen Antrag einreichen. „So kann sich der Arbeitgeber frühzeitig um einen Ersatz kümmern oder gemeinsam überlegt werden, ob auch andere Gestaltungsmöglichkeiten denkbar sind, zum Beispiel Teilzeit während der Elternzeit oder Home Office.“

Doch ein zu frühes Gespräch ist nicht ohne Risiko. Männer genießen erst acht Wochen vor Antritt der Elternzeit den besonderen Kündigungsschutz (siehe Kasten). Und Müttern in spe kann es passieren, dass ein möglicher Streit die Schwangerschaft belastet.

Familienunfreundliches Verhalten wird Firmen "teuer zu stehen kommen"

Kündigungsschutz in Elternzeit

Mütter und Väter sind während der Elternzeit grundsätzlich unkündbar. Der Arbeitgeber kann zwar bei der zuständigen Behörde die Kündigung beantragen. Dies ist jedoch an extrem hohe Anforderungen gebunden. Vor der Elternzeit sind Frauen zwar im Rahmen des Schwangerschaftsschutzes vor Entlassungen sicher, Männer jedoch nicht. Denn für Väter gilt der Kündigungsschutz erst acht Wochen vor Beginn der Elternzeit. Frauen sollten zudem bedenken, dass in den häufigen Fällen eines Schwangerschaftsabgangs kein spezieller Kündigungsschutz mehr besteht, weshalb Arbeitsrechtler vor einer allzu frühen Ankündigung der Elternzeit warnen.

Nach Ablauf der Elternzeit haben Papas und Mamas in Betrieben mit zehn oder weniger Mitarbeitern keinerlei Kündigungsschutz. In größeren Firmen gelten die Vorschriften des Kündigungsschutzgesetzes. Ein Entlassungsgrund kann dann das Verhalten des Angestellten sein, in der Person begründet oder betriebsbedingt. In der Praxis würden die Kündigungsgründe jedoch allzu leicht konstruiert, warnen viele Arbeitsrechts-Anwälte. Die Länge der Kündigungsfrist ist gesetzlich oder vertraglich vereinbart.

Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) verweist derweil darauf, dass empirische Erhebungen zum Thema bislang fehlen. Die Beobachtungen des Verbands berufstätiger Mütter teilt die vbw nicht. Angesichts des bevorstehenden Fachkräftemangels in Bayern wüssten die Unternehmen „um die Bedeutung der Elternzeit als wichtiges Element für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf“, so Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der vbw. Er bewertet die Elternzeit positiv: „Junge Eltern könnten sich eine Weile intensiv um ihr Kind kümmern und stehen dem Unternehmen danach weiter als qualifizierte Mitarbeiter zur Verfügung.“ Auch die vbw rät Arbeitnehmern dazu, die Phase der Elternzeit möglichst frühzeitig zu planen und dies mit dem Arbeitgeber rechtzeitig zu besprechen. „So lässt sich eine vernünftige Lösung finden, die die Interessen des Betriebs und des Mitarbeiters in Einklang bringt.“
Kritik an Teilen der Wirtschaft kommt von Verdi: „Wenn Arbeitgeber Mitarbeitern kündigen, weil diese Elternzeit nehmen, passt dies nicht zu dem familienfreundlichen Bild, das viele Firmen von sich zeichnen“, sagt Gewerkschaftssekretärin Bettina Messinger. Auf Dauer würde ein solches Verhalten diese Firmen jedoch „teuer zu stehen bekommen“. Schließlich fehlten ihnen Fachkräfte.
Tatsächlich hat ein Teil der Entlassenen schnell wieder eine Stelle gefunden: Und beim neuen Arbeitgeber sei die Elternzeit überhaupt kein Problem gewesen, berichtet etwa der gekündigte Anwalt.

*Name geändert

Von Tobias Lill

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

An diesen Unis studieren Sie am günstigsten
Die Semestergebühren für das Wintersemester 2017/2018 sind fällig und je nach Uni variieren die Kosten beträchtlich. Hier können Sie über 200 Euro sparen.
An diesen Unis studieren Sie am günstigsten
Neue Studienmöglichkeiten: Von Wirtschaft bis zu Biologie
Ob ein Master in Wirtschaftspsychologie, ein Bachelor in Management und Recht oder einen englisch sprachigen Master in Biologie - diese neuen Studiengänge machen es …
Neue Studienmöglichkeiten: Von Wirtschaft bis zu Biologie
Auto klare Nummer 1 auf dem Arbeitsweg
Verstopfte Autobahnen, überfüllte Züge - für Millionen Erwerbstätige in Deutschland ist das Alltag auf dem Weg zur Arbeit. Bei der Wahl des Verkehrsmittels haben Pendler …
Auto klare Nummer 1 auf dem Arbeitsweg
Kündigung nach Herausgabe von Patientendaten zulässig
Ärzte sowie dessen Mitarbeiter sind zur Verschwiegenheit verpflichtet. Wer dennoch mit Patientendaten fahrlässig umgeht, muss mit Konsequenzen rechnen. Diese können …
Kündigung nach Herausgabe von Patientendaten zulässig

Kommentare