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Geschafft: Viele Beschäftigte in Bayern haben den Eindruck immer mehr leisten zu müssen. 

DGB-Studie zur Arbeit in Bayern

Das Ende des Feierabends

Fast jeder zweite Beschäftigte leidet unter Arbeitsstress, die Zahl der psychischen Erkrankungen steigt stetig. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) fordert neue gesetzliche Regelungen.

„Viele sind rund um die Uhr erreichbar und beantworten Mails am Sonntagabend um 22 Uhr, oder am Samstag früh um 2 Uhr.“ Das sagt Klaus Benning, Betriebsrat im Siemens-Standort Moorenbrunn. Sicher seien das Extremfälle, aber die ständige Erreichbarkeit, die fehlende Abgrenzung zwischen Berufs- und Privatleben und wachsender Termindruck den Arbeitsalltag von immer mehr Menschen in Bayern bestimmen, sei Realität. Das „Arbeiten ohne Ende“, so der Titel der DGB-Studie, beschränkt sich inzwischen nicht mehr auf bestimmte Branchen wie die IT-Sparte, sondern findet sich in allen Arbeitsbereichen und allen Hierarchieebenen. Das ist die Kernaussage des vierten DGB-Reports zur Arbeitssituation im Freistaat.

„Alle müssen in Zeiten der Digitalisierung und Flexibilisierung der Arbeitszeit immer mehr leisten. Das geht von der Softwareentwicklung über Pflegekräfte bis zur Gebäudereinigung“, sagte Dieter Sauer, einer der Autoren der Studie vom Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung München. Jeder dritte Beschäftigte arbeitet in Bayern inzwischen am Wochenende. Mehr als die Hälfte haben den Eindruck, dass sie in den letzten Jahren immer mehr Arbeit in der gleichen Zeit bewältigen müssen. Über eine Milliarde Überstunden sammeln sich so Jahr für Jahr an – wovon mehr als die Hälfte weder bezahlt noch mit Freizeit ausgeglichen würden. Die Folgen sind Überlastung und gesundheitliche Probleme: Erwerbsminderung ist bei Frauen inzwischen zu knapp 50 Prozent (2002: 36 Prozent) auf psychische Probleme zurückzuführen, bei Männern sind es 34 Prozent (2002: 22 Prozent). Brisanz gewinnt der Report durch Interviews mit Betriebsräten aus bayerischen Firmen. Sie schildern teilweise mit drastischen Worten den Arbeitsalltag. Im Pflegebereich führe das sogar zu Selbstrationalisierungs-Prozessen zu Lasten der Kranken. „Meine Kollegin hat mir mal so ein Bild geschickt, da steht halt drauf: Wollen Sie heute frühstücken oder gewaschen werden? Und das ist zwar traurig, aber so ist die Realität“, sagt Manuela Dietz, Betriebsrätin im Krankenhaus Nordoberpfalz.

Wegen all dieser Entwicklungen sieht der DGB den Gesetzgeber in der Pflicht. Gefordert werden insolvenzsichere Arbeitszeitkonten und eine Erweiterung der Arbeitszeit-Dokumentationspflichten für Arbeitgeber. „Wir fordern außerdem eine gesetzliche Einschränkung des Umfangs und der Anlässe der Mehrarbeit, Nachtarbeit sowie der Arbeit an Sonn- und Feiertagen“, so der bayerische DGB-Vorsitzende Matthias Jena. Das Problem daran: Viele Beschäftigte wollen das überhaupt nicht, weil sie die zunehmende Flexibilisierung der Arbeitszeit oder die Arbeit im Homeoffice als Vorteil verstehen.

Von Lars Becker

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