+
Für Selbstständige ist eine Steuererklärung Pflicht.

Arbeitsrecht

Erkennen und ansprechen: Mögliche Scheinselbstständigkeit

Für viele Freiberufler ist die Scheinselbstständigkeit ein Schreckgespenst. Direkte finanzielle Konsequenzen drohen Betroffenen zwar nicht, denn dieses Risiko trägt der Auftraggeber. Trotzdem sollten Selbstständige von sich aus einige Grundsätze beachten.

München - Gute Beziehungen zu Kunden und Auftraggebern sind für Selbstständige sehr nützlich. Wird das Verhältnis aber zu eng, kann die Rentenversicherung es als Scheinselbstständigkeit einstufen - mit negativen Folgen für Auftraggeber und Auftragnehmer.

Daher sollten Selbstständige von sich aus auf diese Gefahr achten, rät Andreas Lutz vom Verband der Gründer und Selbstständigen (VGSD): "Ich muss als Auftragnehmer sensibel sein und direkt widersprechen, wenn ich Anzeichen für eine mögliche Scheinselbstständigkeit erkenne."

Der Auftraggeber darf darüber auch nicht böse sein - schließlich ist er es, der das finanzielle Risiko trägt, erläutert Lutz. "Er muss im Zweifelsfall Sozialversicherungsbeiträge für das laufende Jahr und die vergangenen vier Jahre nachzahlen. Das ist dann schnell ein Jahreshonorar." Für kleine Betriebe können solche ungeplanten Ausgaben die Insolvenz bedeuten. Dem Selbstständigen droht diese Gefahr zwar nicht direkt. Allerdings verliert er durch die Entscheidung höchstwahrscheinlich einen lukrativen Auftrag.

Scheinselbstständig ist laut Gesetz, wer gegenüber einem Auftraggeber weisungsgebunden und in seine organisatorischen Abläufe eingebunden ist. Was das genau bedeutet, ist nicht klar definiert, es gibt aber eine Reihe von Kriterien. Wichtig ist zum Beispiel, ob Selbstständige mehrere Kunden haben, für die sie auch gleichzeitig arbeiten. Faktoren wie eigene Geschäftsräume, eine aktive Webseite oder eine Mitgliedschaft im Berufsverband können Anzeichen für eine echte Selbstständigkeit sein.

Eine weitere Rolle spielen Ort und Zeit: Wer ständig bei seinem Auftraggeber arbeitet und dort vielleicht sogar seine Arbeitszeit erfassen oder seine Abwesenheit melden muss, gilt schneller als scheinselbstständig. Gleiches gilt, wenn man Arbeitsmittel des Auftraggebers verwendet, also zum Beispiel mit deren Computern arbeitet oder dort eine E-Mail-Adresse hat. Auch eine Einladung zur Weihnachtsfeier ist zwar nett gemeint, kann bei der Entscheidung für oder gegen Scheinselbstständigkeit aber negative Folgen haben.

dpa/tmn

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Arbeiten von 8 bis 13 Uhr: Deutsche Firma führt 25-Stunden-Woche ein
Arbeiten von 8 bis 13 Uhr? In einer IT-Firma? Das gab es bisher nur im Ausland. Jetzt führt erstmals eine deutsches Unternehmen den Fünf-Stunden-Tag ein. 
Arbeiten von 8 bis 13 Uhr: Deutsche Firma führt 25-Stunden-Woche ein
Lehrer verteilt pikantes Arbeitsblatt - ohne es zu lesen
Ein Lehrer in den USA sorgt mit einem Arbeitsblatt für 11-Jährige für Aufsehen. Einige Aufgaben sind reichlich pikant - und schüren damit die Wut vieler Eltern.
Lehrer verteilt pikantes Arbeitsblatt - ohne es zu lesen
Studienabbrecher können in manchen Branchen Trainee werden
Ein guter Studienabschluss öffnet Türen, so sagte man früher. Doch stimmt diese Aussage auch heute noch? Haben Studienabbrecher immer schlechtere Chancen auf dem …
Studienabbrecher können in manchen Branchen Trainee werden
Überraschend: Das ist der stressigste Job der Welt
Wissenschaftler haben in einer Langzeitstudie herausgefunden, welches der stressigste Job der Welt ist. Das Ergebnis dürfte die meisten überraschen.
Überraschend: Das ist der stressigste Job der Welt

Kommentare