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Smartphone, Tablet, Internet: Viele Eltern sind unsicher, ab wann ihre Kinder damit umgehen können oder sollten.

Interview zu den Schultagen München

Expertin: Smartphone ab 12, WhatsApp erst ab 16

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München - Um den Handykauf fürs Kind kommen Eltern kaum noch herum. Aber wann ist der richtige Zeitpunkt? Mediencoach Kristin Langer berät Eltern in diesen Fragen. 

Kristin Langer ist Mediencoach bei „Schau hin!“, einer Medien-Beratungsstelle für Eltern (www.schau-hin.info). Im Vorfeld der Schultage München erklärt sie im Interview worauf Eltern achten müssen – und warum beim beliebten Kurznachrichtendienst WhatsApp Vorsicht geboten ist.

Ab wann sollten Kinder Handys und Smartphones besitzen?

Kinder brauchen eine bestimmte Reife, die weit über die technische Bedienbarkeit hinausgeht. Für Kinder ab neun Jahren würden wir ein einfaches Handy empfehlen, aber ohne Internetzugang. Ab zwölf Jahren ist ein Kind reif für ein Smartphone. Das sind aber nur grobe Richtwerte, jedes Kind ist anders.

Oft entsteht Gruppendruck in der Klasse. Was tun?

Ja, Eltern geraten bei diesem Thema oft unter Druck. Ich empfehle, gelassen zu bleiben und sich zu überlegen, was eigentlich gewünscht ist. Oft wollen Kinder nur ein bestimmtes Spiel oder schlicht Musik hören. Dafür brauche ich kein Smartphone. Kinder können lernen, schon bei der Geräteauswahl kritisch zu sein.

Wofür braucht ein zwölfjähriges Kind ein Smartphone? Hat das irgendeinen pädagogischen Vorteil?

Nicht direkt. Ein Heranwachsender braucht ein Smartphone, um dabei sein zu können. Wenn ich mit der Clique in Kontakt bleiben will, organisiere ich ganz viel über das Smartphone. Deshalb sagen Jugendliche: Aus meinem Leben ist das gar nicht wegzudenken – was für Eltern oft schwierig zu verstehen ist. Es lohnt sich aber für Eltern, eine Grundskepsis vorzuleben.

Grundskepsis?

Man muss nicht immer erreichbar sein – und deshalb sollten auch Vater und Mutter nicht zum Smartphone rennen, wenn man beim Essen sitzt. Man kann das über eine Vereinbarung in der Familie regeln. Insofern hat ein Smartphone indirekt einen pädagogischen Aspekt – Jugendliche werden angeregt zum Nachdenken darüber, ob sie jeden Trend mitmachen sollten, nur weil das ihre Freunde tun. Und sie entwickeln im Idealfall die Fähigkeit, auch Nein zu sagen. Dieses Prinzip des Andersseins – nach dem Motto: Wir machen nicht alles mit – kann ich auch bei den digitalen Geräten beachten. Wir sollten alle Trends kritisch prüfen und nicht alles mitmachen.

Die aktuellen Trends sind Facebook und WhatsApp. Wie stehen Sie dazu?

WhatsApp ist bei den Jugendlichen mittlerweile wichtiger als Facebook. Es ist erstaunlich, wie souverän sich Teenager über WhatsApp verständigen, über Hausaufgaben und anderes. Aber Jugendliche sollten auch lernen, wann WhatsApp stört. Es gibt vermehrt Meldungen darüber, dass über WhatsApp in den Schulklassen Druck ausgeübt wird, Ausgrenzungen stattfinden. Ein technischer Dienst darf aber niemals so bestimmend sein.

Gibt es Altersempfehlungen?

Facebook setzt die Altersgrenze bei 13 Jahren an. WhatsApp selbst erklärt, jeder Nutzer müsse mindestens 16 Jahre alt sein. Kontrolliert wird das vom Betreiber natürlich nicht.

Wirklich erst ab 16?

Wenn ich das auf Elternabenden sage, herrscht erst mal Stille. Die Eltern sagen: Wenn mein Kind in die fünfte Klasse kommt, muss ich ihm doch WhatsApp erlauben, sonst grenze ich mein Kind aus. Diesem Druck muss man sich stellen. Eltern können zum Beispiel untereinander verabreden, welche Mediennutzung ihren Kindern erlaubt ist.

Auch WhatsApp?

Die Jugendschutzbestimmungen sind ziemlich löchrig. Die Gefahren sind die gleichen wie bei Facebook – nämlich, dass Kinder in Kontakt mit Unbekannten kommen, mit unerwünschten Videos und Nachrichten. Besser ist der Alternativdienst Threema, der einmalig 1,89 Euro kostet und mit verschlüsselten Nachrichten arbeiten. Hier ist man sicher vor unerwünschten Kontaktaufnahmen von außen. Klassen könnten verabreden, nicht WhatsApp, sondern Threema zu nutzen.

Auch Kinder-Apps werden zum Geschäftsmodell.

Achten Sie stets auf Altersangaben im App-Store und testen Sie die Anwendungen selbst auf Tauglichkeit. Vor dem Kauf einer Spiele- oder Lern-App sollten man sich über Gütesiegel und Empfehlungen von Experten informieren. Empfehlungen für bestimmte Fächer gibt zum Beispiel unter www.internet-abc.de, eine Online-Plattform der Arbeitsgemeinschaft der Landesmedienanstalten. Man sollte sich bitte nicht über eine hohe Zahl von Verkäufen ebenfalls zum Kauf verleiten lassen.

Gibt es pädagogische Vorteile?

Der Effekt von Lernprogrammen liegt in der Interaktivität. Je selbstbestimmter und aktiver ein Kind sich Lernwelten erschließt, desto besser. Eine Lern-App kann man einsetzen, um die Vielfalt des Lernens anzureichern. Es kann Situationen geben, in denen ein Grundschulkind mit dem konventionellen Mathematikbuch wenig anfangen kann, der notwendige Aha-Effekt aber durch ein Computerprogramm eintritt. Das kann sein – muss aber nicht.

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