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Die Fluggesellschaft Air Berlin hat bereits seit 2006 eine Firmenhymne

Steigerung des Wir-Gefühls

Firmen motivieren Mitarbeiter mit Hymnen

Berlin - Stress oder Überstunden: Oft leidet die Motivation der Mitarbeiter. Um das Wir-Gefühl zu steigern, setzen einige Unternehmen auf Firmenhymnen. Vor allem, wenn es nicht so gut läuft.

Qualität, Teamgeist, Freundschaft - vieles hat Stefan Ladage schon in seinen Liedern betextet, um das Wir-Gefühl in einem Unternehmen zu verbessern. Dann lässt er die Belegschaft seinen sogenannten Motivationssong einsingen - fertig ist eine eigene Firmenhymne, auf die inzwischen etliche Unternehmen in Deutschland zurückgreifen. „Je schlechter die Wirtschaft, desto höher die Nachfrage nach Hymnen“, hat Ladage beobachtet.

Einen besonders bekannten Firmensong hat die Fluggesellschaft Air Berlin. Das Lied mit den Zeilen „Flugzeuge im Bauch, im Blut Kerosin, kein Sturm hält sie auf, unsere Air Berlin“ war 2006 ein Geschenk des Nürnberger Airports. „Dieses Lied hat Air Berlin als Firmenhymne damals übernommen“, bestätigt ein Sprecher. Bis 2010 lief es auch als Warteschleifenmusik. Sogar ein Radiosender spielte den Song.

Aber auch andere Unternehmen haben inzwischen eine Hymne, berichtet der Kulturwissenschaftler und Firmenhymnen-Forscher Rudi Maier von der Fachhochschule St. Gallen. Er schätzt die Zahl auf mehrere Tausend. Oft würden die Tradition, die Zugehörigkeit der Mitarbeiter und die gute Laune besungen. „Wenn das im Alltag so ist, dann funktioniert das auch über das Lied. Und wenn das nicht so ist, geht der Schuss natürlich nach hinten los“, sagt Maier.

"Häufig sehr viel Häme und sehr viel Spott" für die Hymnen

Die Mitarbeiter der Brauerei Warsteiner besingen sich zum Beispiel so: „Warsteiner, das heißt Leidenschaft, so haben wir es weit geschafft. Ein Team wie wir, das gibts nur hier.“ Laut Sprecherin Christiane Willeke wurde das rockige Lied vor ein paar Jahren eingesungen und wird auch heute noch auf Mitarbeiterpartys gespielt. „Das war eine Motivationsveranstaltung“, sagt sie. Und bei den meisten sei das Lied gut angekommen.

Firmenhymnen sind vor allem aus Japan bekannt, haben aber ihren Ursprung in den USA, wo IBM in den 1920-er Jahren damit angefangen habe, berichtet Maier. In Deutschland seien die Hymnen weniger verbreitet - viele Firmen wollten zudem nicht, dass ihr Song nach außen dringe, „weil doch häufig sehr viel Häme und sehr viel Spott über diese Lieder ausgegossen wird“. Dass die Lieder den deutschen Mitarbeitern peinlich seien, weist Komponist Ladage aber zurück. „Es ist nichts Erzwungenes und Gestelztes, das würde auch nicht zur Mentalität der Deutschen passen.“

Besonders eingängig ist ein im Internet kursierender Schlager mit den Zeilen „Wir bei VW sind echt okay. Ein echtes Superteam, das fest zusammensteht“. Das Lied ist auf mehreren Portalen zu finden. Dass der Autobauer VW selbst etwas mit dem Lied zu tun hat, weißt der Konzern aber ausdrücklich von sich.

Diese Zutaten machen die perfekte Firmenhymne aus

Ladage hat seinen ersten Motivationssong vor elf Jahren für den Sportverein Arminia Bielefeld produziert. Gemessen an den Anforderungen ähnelt ein Lied dem anderem: „Es muss immer einen gewissen Anspruch haben, es muss aber auch einen gewissen Unterhaltungswert haben, und es muss sowohl musikalisch als auch inhaltlich natürlich auf die Branche abgestimmt sein.“

Nicht alle Songs haben sich durchgesetzt. Im Internet ist zwar ein Video zu finden, in dem Mitarbeiter der Beraterfirma Ernst & Young den Klassiker „Oh happy day“ mit der veränderten Zeile „When Ernst & Young showed me a better way“ singen. Eine offizielle Hymne gibt es laut Sprecher Dag-Stefan Rittmeister aber nicht. „Weil das aus unserer Sicht heute schon gar nicht zeitgemäß ist, es kommt meistens nicht wirklich authentisch rüber.“ Das Video sei vor mehr als zehn Jahren bei einem Kennlerntag für neue Mitarbeiter entstanden. „Heute guckt man mit einem Schmunzeln darauf.“

Das Geschäft mit den Firmenhymnen laufe derzeit sehr gut, sagt Ladage. Sein Unternehmen, das auch Telefonwarteschleifen-Spots produziert, rechnet mit Zuwächsen. Den Umsatz beschreibt er als siebenstellig. Ein aufwendig produzierter Motivationssong koste immerhin zwischen einigen Tausend und mehreren Zehntausend Euro. Seine Einschätzung, dass Firmenhymnen oft in Krisenzeiten gefragt sind, teilt auch Wissenschaftler Maier. „Denn in der Krise werden wir alle aufgefordert, mehr zu leisten - und das ist Thema dieser Lieder.“

dpa

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