Weniger Geld und größere Unzufriedenheit

Forscher: Große Gehaltsnachteile für soziale Berufe

Hamburg - Für gleiche und gleichwertige Arbeit sollte auch das gleiche Gehalt bezahlt werden. Das ist ein allgemeiner Konsens und in vielen Ländern auch Gesetz. Doch wer einen sozialen Beruf ausübt, verdient oft deutlich weniger - und ist damit unzufrieden.

Menschen in sozialen Berufen müssen mit deutlichen Einkommensnachteilen rechnen, die auch nicht mit einer erhöhten Berufszufriedenheit ausgeglichen werden. Die Forscher Elisabeth Bublitz vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) und Tobias Regner von der Friedrich Schiller Universität Jena ermittelten für ausgewählte Berufe eine Differenz von 533 Euro monatlich zwischen Sozialberufen und solchen mit gleichwertigen Tätigkeiten.

Die vorsichtige Interpretation der vorhandenen Daten ermögliche die Aussage, dass die Sozialberufe unterbezahlt sind und die Berufstätigen das auch so empfinden. Sie sind mit ihrer Bezahlung nicht zufrieden. Eine erhöhte Arbeitszufriedenheit könne das nicht vollständig ausgleichen - „auch wenn es schwierig ist, diese beiden „Belohnungen“ direkt miteinander zu vergleichen“.

Krankenschwestern vergleichen mit Fluglotsen oder Maschinenwärtern

Die Wissenschaftler verglichen in einem komplexen Verfahren die Bezahlung von 259 verschiedenen Berufen. Aus 54 Berufsfeldern identifizierten sie zunächst fünf, die Sozialberufe umfassen. Zu diesen Berufen fanden sie im Durchschnitt 33 andere Berufe, die als ähnlich anzusehen waren. Diese Ähnlichkeit erschließt sich oft nicht auf den ersten Blick, sondern geht auf tieferliegende Kriterien im Bereich der ausgeführten Tätigkeiten zurück. So sind zum Beispiel Krankenschwestern und Hebammen in diesem Rahmen vergleichbar mit Fluglotsen, Formgießern oder Maschinenwärtern.

Für die Sozialberufe ermittelten die Forscher deutliche negative Abweichungen bei der Bezahlung, die bei Männern noch ausgeprägter waren als bei Frauen. Doch auch wenn die Gehaltseinbußen bei Männern höher ausfielen, sind Frauen aufgrund ihres hohen Anteils in Sozialberufen häufiger betroffen.

„Nun könnte man annehmen, dass die Personen in Sozialberufen auf einen Teil ihres Einkommens verzichten, weil sie einen höheren Nutzen aus ihren Arbeitsinhalten ziehen“, sagte Bublitz. „Mit Befragungsdaten lässt sich dieser Zusammenhang empirisch aber nur schwer überprüfen.“ In einem Laborexperiment mit Studenten zeigen die Forscher, dass die Teilnehmer als Gegenleistung für soziale Beiträge eine ähnliche Bezahlung wie für gleichwertige Arbeit erwarten. Das wurde ihnen in dem Experiment von den Personen in anderen Berufen aber nicht zugestanden, so dass durch Unzufriedenheit und Verärgerung der jeweiligen Berufsgruppe eine Abwärtsspirale entstand, durch die der soziale Beitrag insgesamt sank.

dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa (Symbolbild)

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