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Wer in Deutschland Friseur wird, sollte sich auf ein sparsames Leben einstellen.

Arm trotz Arbeit

Traumberuf Friseur? Der Lohn reicht kaum zum Leben

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Wer Friseur wird, entscheidet sich für einen echten Traumberuf - aber auch für ein Leben am Rande des Existenzminimums. Im Alter droht vielen die Armut.

Arm trotz Arbeit? Friseure können davon ein Lied singen. Wer eine Ausbildung zum Friseur oder zur Friseurin ins Auge fasst, sollte mit wenig Geld auskommen können, denn die Verdienstmöglichkeiten sind denkbar schlecht. So schlecht, dass für viele Lehrlinge das Geld kaum zum Leben reicht.

Das Geld reicht kaum für die Miete

Friseur-Azubis verdienen in Berlin lediglich 1,57 Euro die Stunde, wie bild.deberichtet. Das reicht selbst in der als günstig geltenden Hauptstadt nicht einmal für ein Dach über dem Kopf, wie Azubi Cassim von Langsdorff (20) gegenüber dem Online-Portal klagt. "Ich bin schon auf Trinkgeld angewiesen, allein um monatlich die 350 Euro Miete für meine kleine Wohnung zusammenzukratzen." Ohne Nebenjob würde es bei ihm eng werden.

So wenig verdienen Friseure in Deutschland

Auch im bundesweiten Vergleich sehen die Verdienstmöglichkeiten für Haarkünstler nicht besser aus, wie die Zahlen des Bundesministerium für Arbeit und Soziales zeigen:

Ausbildung 

Gehalt (Brutto)

1. Ausbildungsjahr

308 € bis 450 €

2. Ausbildungsjahr

450 € bis 550 €

3. Ausbildungsjahr

518 € bis 660 €

Quelle: Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Tarifauswertung - Tarifvertragliche Ausbildungsvergütungen, Stand: Oktober 2016


Karrierestufe

Gehalt (Brutto)

Mit abgeschlossener Ausbildung

1.636 bis 2.102 €

Quelle: Tarifsammlung des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Soziales, Familie und Integration

Laut dem Online-Portal ausbildung.de winken Lehrlingen mancherorts sogar nur 210 Euro (1. Lehrjahr) bis 340  Euro (3. Lehrjahr). Das Einstiegsgehalt für Jungfriseure nach der Ausbildung liegt nach den Angaben des Portals bei dürftigen 1300 Euro brutto. Die Verdienstmöglichkeiten unterscheiden sich jedoch stark je nach Region

Friseure sind auf finanzielle Unterstützung angewiesen

So wie dem Berliner Azubi Cassim von Langsdorff, der ohne Zusatzjob kaum über die Runden kommt, geht es vielen Berufskollegen. Friseur-Azubis sind auf finanzielle Unterstützung von Außerhalb angewiesen, sei es durch die Familie, Nebenjobs oder sogar staatliche Beihilfe. „So wird Ausbeutung in der Ausbildung staatlich toleriert und über Steuergelder quersubventioniert“, resümiert Benjamin Roscher, Landesbezirkfachbereichsleiter bei der Gewerkschaft Verdi Berlin/Brandenburg. 

Im Alter droht Armut

Wer in seinem Arbeitsleben schon wenig verdient, hat auch für die Rente schlechte Karten, wie Verdi-Vertreter Roscher weiter berichtet: „Aufgrund des aktuell niedrigen Renten-Niveaus wird der Großteil nach Beendigung des Arbeitslebens keine gesetzliche Rente erhalten, die über dem Niveau der Grundsicherung liegt", erklärt Roscher. Damit sei Altersarmut für Friseure schon jetzt vorhersehbar. Denn auch private Altersvorsorge sei mit einem derart niedrigen Gehalt nicht machbar.

Traumberuf Friseur: Selbstständigkeit einzige Perspektive

Wer kreativ ist und gerne mit Menschen arbeitet, für den ist Friseur ein echter Traumberuf. Deshalb schreckt die meisten Friseur-Azubis das niedrige Gehalt nicht ab. Wenn sie dann aber in der harten finanziellen Realität ankommen, geben viele ihren Beruf auf und wechseln die Branche. Wer sich durchbeißt, dem bleibt vor allem nur eine Perspektive, um mit seinem Traumjob Geld zu verdienen: Der Weg in die Selbstständigkeit - mit einem eigenen Friseursalon.

Von Andrea Stettner

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