Philologenverband legt Pläne vor

Das G9-Konzept: Die Eckpunkte im Überblick

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München - Der Bayerische Philologenverband (bpv) hat jetzt Eckpunkte vorgelegt, die Seehofer zur Grundlage einer Diskussion über das neue Gymnasium machen will.

Zu Beginn seiner Amtszeit hatte Ministerpräsident Horst Seehofer angekündigt: Keine neue Schulreform! Jetzt steht die nächste große Reform kurz bevor. Die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium – von Schülern und Eltern heiß ersehnt – könnte bald Wirklichkeit werden. Der Bayerische Philologenverband (bpv) hat jetzt Eckpunkte vorgelegt, die Seehofer zur Grundlage einer Diskussion über das neue Gymnasium machen will. Die tz stellt die Pläne vor:

Mehr Zeit: Diese Forderung ist der Kernpunkt des Konzepts. „Die Zeit zum Erwachsenwerden kann nicht qua Verordnung verkürzt werden, sondern die Zeit zum Erwachsenwerden braucht man“, so bringt es bpv-Chef Max Schmidt auf den Punkt. Besonders Buben seien von der hohen Belastung in der Mittelstufe betroffen. Die schulischen Inhalte prasseln ausgerechnet dann auf die Buben ein, wenn sie pubertätsbedingt ganz andere Sachen im Kopf haben. Das Fazit des bpv: „Die gymnasiale Bildung bleibt immer mehr an der Oberfläche, ohne ausreichende Festigung der Inhalte, Vertiefung und individuelle Profilbildung.“

Mehr Freiräume: „Die Persönlichkeitsentwicklung braucht Freiräume“, so Schmidt. Diese Freiräume sollen mit dem zusätzlichen Jahr in der Schule geschaffen werden. Künftig soll das Gymnasium wieder ein breites Wahlangebot in der Mittelstufe anbieten – von Chor und Orchester über Spielstunden, technisches Zeichnen und Extra-Übungen in den Naturwissenschaften. Das soll dadurch möglich werden, dass der Lehrplan gerade in der Mittelstufe entzerrt werden soll und statt jetzt 34 Wochenstunden nur noch 30 bis 32 Wochenstunden vorsieht.

Option auf G8: „Deutlich mehr Schüler benötigen mehr Zeit auf dem Weg zur Hochschulreife“, diagnostiziert Schmidt. Aber: Gleichzeitig gibt es einen gewissen Prozentsatz an Schülern, die das jetzige G8 mit blendendem Notendurchschnitt abschließen. Diese Schüler sollen künftig die Möglichkeit haben, in acht Jahren zum Abitur zu kommen. Schmidt spricht von einem Paradigmenwechsel: „Wir denken das achtjährige Gymnasium ausgehend vom neunjährigen.“ Statt „begleitetem Wiederholen“ – dem sogenannten Flexi-Jahr (das bayernweit nur rund 100 Schüler nutzen) – soll es künftig ein „unterstütztes Überspringen“ geben. Wer sich für die kürzere Variante entscheidet, soll dann die zehnte Klasse überspringen können und dafür sowohl in der neunten als auch in der elften Klasse spezielle Förderangebote nutzen können. Der Vorteil: Schüler müssen sich erst am Ende der achten Klasse entscheiden, ob sie den Turbo einlegen wollen, vorher lernen alle das gleiche – und haben mehr Zeit dazu als bisher. Die Förderangebote sollen auch Schüler nutzen können, die sich nicht für das Abi nach acht Jahren im Gymnasium entscheiden. Und: Wer sich für das achtjährige Gymnasium entscheidet und merkt, dass ihm die Aufgaben über den Kopf wachsen, kann einfach die Notbremse ziehen. Denn die Förderangebote sind Zusatzangebote, das normale Programm der neunten Klasse absolvieren alle Schüler einer Klasse gemeinsam. Reine G8- oder G9-Gymnasien oder parallele Züge an einer Schule hält der Philologenverband für „in ganz weiten Teilen Bayerns nicht realisierbar.“ Und auch nicht wünschenswert, da es den Wechsel von einer Schule zur anderen deutlich erschwere.

Rasche Einführung mit Augenmaß: „Kein Hauruck“, fordert Schmidt – damit habe man schon bei Einführung des G8 schlechte Erfahrungen gemacht. Aber: „Entschleunigung ist einfacher als Beschleunigung“, so Schmidt. Und weil sich in den Klassen fünf bis sieben nahezu nichts ändern soll, könnten die Schüler rasch von einer möglichen Änderung profitieren – auch wenn sie schon im Gymnasium sind. Bei der Einführung legt Schmidt Wert auf einen breiten politischen Konsens. Nur dann könne die Dauerdebatte und die Kritik am Gymnasium endlich aufhören.

Marc Kniepkamp

Rubriklistenbild: © dpa

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