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Lohnlücke: 15,56 Euro brutto verdienen Frauen im Schnitt pro Stunde, Männer 19,84 Euro.

Kleiner Unterschied mit großen Folgen

So viel verdienen Frauen weniger

Dass Frauen oft weniger verdienen als Männer ist kein Geheimnis. Dass das Lohngefälle im bundesweiten Schnitt 22 Prozent beträgt, überrascht aber. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu den neuen Zahlen.

22 Prozent: So groß ist die Verdienstlücke zwischen Frauen und Männern in Deutschland, wie das Statistische Bundesamt gestern mitteilte. Noch mehr überrascht, dass Frauen rein rechnerisch bis 21. März dieses Jahres arbeiten müssen, um auf das Gehaltsniveau männlicher Kollegen aus dem Vorjahr zu kommen. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu der Verdienstlücke:

Was sagt die Lohnlücke eigentlich aus?

Sie benennt den von Statistikern festgestellten Unterschied zwischen dem durchschnittlichen Bruttostundenverdienst von 15,56 Euro für Frauen und dem von 19,84 Euro für Männer im vergangenen Jahr. Die Differenz von 4,48 Euro entspricht jenen 22 Prozent. Nicht berücksichtigt sind dabei die Qualifikation der Beschäftigten und ob sie Voll- oder Teilzeit arbeiten.

Was kann man aus dieser Zahl nicht ablesen?

Das bedeutet nicht, dass alle Frauen in Deutschland 22 Prozent weniger als Männer verdienen. Vor allem, wenn sie vergleichbare Tätigkeiten ausüben, ist die Lohnlücke in jedem Fall kleiner oder gar nicht vorhanden.

Sind Tarifverträge schuld an der Lücke?

Nein. Tarifverträge unterscheiden bei gleichen Tätigkeiten nicht zwischen Mann und Frau – und dürfen das auch nicht. Ungleiche Bezahlung ist vor allem ein Resultat der auf männliche Lebensläufe zugeschnittenen Arbeitswelt. Weitere Gründe sind laut dem Netzwerk „Business and Professional Women“ das undurchsichtige Zulagewesen auf gleichen Tarifstufen. Die Böckler Stiftung sieht die fehlende Anerkennung von Schlüsselqualifikationen wie soziale Kompetenzen als Problem. Experten sprechen bei der Begründung für die ungleiche Bezahlung von strukturellen Faktoren.

Was bedeutet das?

Viele Frauen arbeiten in Berufen am unteren Ende der Einkommensskala: Als Kindergärtnerin, Krankenschwester oder Putzfrau – häufig auch als geringverdienende Minijobber – (die allerdings nicht in die Statistik eingehen). Babypausen und Pflege von Angehörigen – also familienbedingte Erwerbsunterbrechungen – sind ein häufiger Grund, warum bei Frauen ab 30 die Gehaltssprünge im Schnitt weniger stark sind als bei gleichaltrigen Männern. Deutlich mehr Frauen als Männer arbeiten zudem in Teilzeit. Mit Karriere belohnt wird aber oft nur, wer immer präsent ist: Also meistens Männer.

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Wie kann die Entgeltkluft überbrückt werden?

Indem Frauen bessere Rahmenbedingungen geboten werden, etwa durch eine bessere öffentliche Kinderbetreuung und mehr „vollzeitnahe Teilzeit-Jobs“. Der DGB sagt: „Vollzeitbeschäftigte Männer und Frauen wollen eher kürzere, teilzeitbeschäftigte Frauen eher längere Arbeitszeiten.“ Dies sei auch ein wichtiger Schritt, um die Lohnlücke zu schließen. Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) will mit einem Gesetz für mehr Lohngerechtigkeit zwischen Männern und Frauen sorgen.

Und was sagen die Arbeitgeber?

Sie weisen den Vorwurf als irreführend zurück. Berücksichtige man Faktoren wie Bildung, Alter, Berufserfahrung, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Firmengröße und auch noch Babypausen bleibe nur noch eine Entgelt-Differenz zu den männlichen Kollegen von knapp zwei Prozent. Damit wäre der verbliebene kleine Unterschied fast weggerechnet. Noch ist die Entgeltüberbrückung nicht gesetzlich geregelt. Bis dahin gilt: Selbst ist die Frau. Gehaltstrainerin Claudia Kimmich rät zu mehr Mut in Gehaltsverhandlungen. Frauen sollten selbst die Initiative ergreifen und nicht auf ein besseres Angebot warten. Für die Gehaltsverhandlung rät sie, „vorher in lockerer Runde mit Freundinnen doofe Fragen zu üben.“ Was noch hilft? Tief Luft holen und ruhig bleiben. Außerdem: Auch mal auf Stellen bewerben, die nicht so passen. Wenn es um nichts geht, ist die Verhandlung oft lockerer.

G.Voss/K.Selle

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