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Als Geigenbauer verwendet man kein frisches, sondern über Jahrzehnte gelagertes Holz.

Material muss lange lagern

Geigenbauer: Ein Klang für Jahrhunderte

Musikalisches Gehör, gute Augen und viel Geduld - diese Fähigkeiten muss mitbringen, wer den Beruf des Geigenbauers erlernen will.

Es ist still. Sachte klopft Florian Friedrich Lehmann mit seinen Fingerknöcheln gegen das abgelagerte Stück Holz vor ihm. Ein dumpfer Ton verteilt sich im Raum. „Schon jetzt klingt es“, kommentiert der Geigenbaumeister. Dabei ist der flache Scheit noch unbearbeitet. Rund 200 Stunden und viele Arbeitsschritte sind nötig, damit aus ihm einmal eine Violine wird. „Mit sieben Jahren wusste ich, dass ich Geigenbauer werden möchte“, erinnert sich Lehmann. Jeden Morgen führte sein Schulweg an der Werkstatt der Firma „Geigenbau Jung“ in Berlin vorbei. Der Geruch nach Holz, Leim und Lack und die Ruhe zogen ihn magisch an. Später lernte er dann tatsächlich vom Meister Klaus-Dieter Jung das Handwerk.

Auch heute noch ist die Ausbildung im Betrieb eines Geigenbaumeisters der klassische Weg, um in dem Beruf Fuß zu fassen. Ein bestimmter Schulabschluss ist dazu nicht nötig, drei Jahre dauert die Lehre. „Viele renommierte Betriebe bilden nicht aus, sondern stellen nur Gesellen ein“, erklärt Frederik Habel, Geigenbaumeister und Leiter der staatlichen Berufsfachschule für Musikinstrumentenbau Mittenwald. Eine Alternative zur betrieblichen Lehre bietet die Berufsfachschule. Dreieinhalb Jahre dauert die Lehre dort, ein halbes Jahr länger wegen der langen Schulferien. Auf dem Lehrplan stehen neben dem Bau von Geigen die Lackzubereitung, Physik und Akustik, Musiktheorie und Instrumentalunterricht.

Wer den Beruf des Geigenbauers erlernen möchte, müsse ein musikalisches Gehör, gute Augen, viel Geduld und „das richtige Gefühl“ mitbringen, beschreibt Habel die Grundvoraussetzungen. Das Holz zum richtigen Klingen zu bringen, sei nur bedingt erlernbar, warnt er. Deshalb wird das Gehör an der Berufsfachschule getestet. Kann man die Unterschiede im Klang von Hölzern hören? Hat man ein Gefühl für die Elastizität des Materials? „Da wir nicht über das Maß ausbilden, die Interessentenzahl jedes Jahr aber hoch ist, müssen wir die Eignung prüfen“, so Habel.

Hier geht's zur Ausbildungsplatz-Börse

Wer sich durchbeißen will, braucht Leidenschaft. „Geigenbauer sollte mehr eine Berufung als ein Beruf sein“, rät Lehmann. Dennoch dürfe man nicht vergessen, dass man von der Arbeit auch leben müsse. Und das sei gar nicht so einfach. „Ohne einen festen Kundenstamm geht es nicht“, betont er. Er hatte Glück. Der Berliner konnte das Geschäft seines Meisters übernehmen. Als Geigenbauer in der Großstadt hat er hauptsächlich mit Reparaturen von Profi- und Musikschulinstrumenten zu tun. „Das Hauptgeschäft läuft im Sommer, wenn die Orchester Urlaub haben. Dann bringen die Profimusiker ihre Instrumente zur Überprüfung.“ Sommerurlaub plane er mit seiner Familie deshalb schon gar nicht mehr.

Nach der Ausbildung lohne sich durchaus auch der Blick ins Ausland. Italien, Frankreich und Deutschland gehörten zu den führenden Geigenbauländern. „Am besten ist es, in allen drei Ländern die verschiedenen Arten der Geigenbaukunst zu lernen“, empfiehlt Lehmann. Sein Geselle arbeitet derzeit in Italien. Zurück in Deutschland werde er später das Geschäft von Lehmann übernehmen inklusive Kundenstamm und den eingelagerten Hölzern. Momentan verarbeitet Lehmann nämlich das Material vom Meister seines Meisters. Geigenholz muss mindestens ein halbes Jahrhundert lagern. „Holz, das ich jetzt kaufe, klingt noch nicht.“ Zum Beweis klopft er mit dem Fingerknöchel gegen ein Stück Ahorn – es hört sich hohl an.

Vanessa Biermann

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