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Ab wann lohnt sich eine Gehaltserhöhung?

Fehler im Steuersystem

Deshalb sollten Sie keine Gehaltserhöhung verlangen

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Jeder Arbeitnehmer freut sich über mehr Geld vom Chef, aber bestimmte Gehaltsgruppen profitieren überhaupt nicht von Erhöhungen. Schuld ist das deutsche Steuerrecht.

Bevor Sie Ihren Chef nach einer Gehaltserhöhung fragen, sollten Sie nachrechnen, ob es sich überhaupt für Sie lohnt. Teilweise bleibt dann nämlich weniger auf dem Konto als zuvor. Das trifft besonders häufig ausgerechnet Geringverdiener.

Manchmal bringt schon ein Euro das Fass zum Überlaufen und Sie steigen in eine höhere Steuerklasse auf. Dann bleibt Ihnen am Ende weniger Geld, als vor der Gehaltserhöhung, wie der Focus aus einer Studie der Bertelsmann-Stiftung berichtet. Der Grund liegt im deutschen Steuersystem. Das verläuft nicht linear, sondern in Stufen. Der Spitzensteuersatz liegt bei 42 Prozent und wird schon von Beschäftigten mit einem Jahresgehalt von 53.666 Euro brutto verlangt.

Leistung zahlt sich nicht immer aus

Die Bertelsmann-Stiftung hat nun gemeinsam mit dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) geprüft, wie Steuern, Sozialabgaben und staatliche Transferleistungen in Deutschland zusammenwirken. Das Ergebnis: "Leistung lohnt sich nicht immer."

Ausgerechnet bei Geringverdienern führt mehr Gehalt zu höheren Abzügen. "Spitzenverdiener hingegen haben von einem zusätzlich verdienten Euro deutlich mehr", heißt es in der Studie. Das ist ein Missstand, den Aart De Geus, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung, kritisiert: "Mehr Arbeit und Lohn müssen sich für die Krankenschwester genauso auszahlen wie für den Unternehmensberater. Dass sich mehr Erwerbsarbeit lohnt, ist eines der zentralen Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft."

Die Lösung

Die Experten fordern die Politik deshalb dazu auf, Einkommensteuer, Sozialabgaben und Transferleistungen besser aufeinander abzustimmen, damit sich zusätzliche Tätigkeiten und Lohnzuwächse insbesondere für Geringverdiener auszahlen.

Lohnt Sie eine Gehaltserhöhung für Sie?

Die Experten berechneten für verschiedene Musterhaushalte, wie viel von jedem mehr verdienten Euro noch in der eigenen Tasche bleibt. Abgezogen wurden Steuern, Beiträge zur Sozialversicherung und der Entzug von möglichen Sozialleistungen wie Wohngeld oder Kinderzuschlag. Beispiel: Bei Abgaben von 60 Prozent bleiben noch 40 Cent je Euro übrig.

Singles
Ein Single mit einem jährlichen Bruttoeinkommen von 17.000 Euro sollte sich bei Gehaltserhöhungen wegducken. Nach Analyse der Experten bleibt ihm von jedem hinzu verdienten Euro nichts mehr übrig. Ganz anders sieht es bei einem Jahresbruttoeinkommen von 75.000 Euro aus. Hier bleiben immerhin noch 56 Cent je Euro übrig.

Ehepaar mit zwei Kindern
Auch ein Ehepaar mit zwei Kindern muss gut überlegen, ab wann es sich lohnt mehr zu arbeiten, um mehr Geld zu verdienen. Bei einem jährlichen Bruttoeinkommen von 40.000 Euro hat die Familie 56 Cent pro zusätzlichen Euro übrig. Bei einem Jahreseinkommen von 90.000 Euro kann die Familie von jedem zusätzlich verdienten Euro 66 Cent behalten. Das macht sich bemerkbar im Portmonee.

Alleinerziehende
Alleinerziehenden haben es eh schon schwer, aber das Steuerrecht kann die Situation noch deutlich verschärfen. Bei einem jährlichen Bruttoeinkommen von 19.600 Euro entfällt der Kinderzuschlag und der Mutter bleibt bei jedem zusätzlich verdienten Euro weniger als vor dem Einkommenszuwachs. Ab einer Einkommensschwelle von 23.800 Euro betragen die Abgaben für Alleinerziehende 60 Prozent. Erst ab 41.000 sinkt die Belastung. Gerade Frauen haben es schwer diese Einkommensschwelle zu überschreiten.

"In einigen Fällen finden wir Grenzbelastungen von über 120 Prozent", sagt Manuele Barišić, Wirtschaftsexpertin bei der Bertelsmann-Stiftung. Der hinzuverdiente Euro sorge damit für 20 Cent netto weniger in der Haushaltskasse.

Rechnen Sie also gut nach, damit Ihre ersehnte Gehaltserhöhung nicht zum Minusgeschäft wird.

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