Immer weniger Azubis

Handwerksbetrieben geht der Nachwuchs aus

Berlin - Lehrling verzweifelt gesucht. In vielen Handwerksbetrieben bleibt dieses Jahr der Arbeitsplatz für den Azubi leer. Die Kammern gehen neue Wege, um doch noch junge Leute ins Boot zu holen.

Immer weniger junge Menschen entscheiden sich für eine Ausbildung im Handwerk. Die Zahl der Neuverträge schrumpfte bundesweit 2012 im Vergleich zum Vorjahr um 3,4 Prozent (Stichtag: 31. Oktober), wie der Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, Holger Schwannecke, am Montag in Kaiserslautern bei einer Tagung der Handwerkskammern erklärte. In Ostdeutschland liege die Zahl der Neuverträge mit knapp 18 800 so niedrig wie noch nie. Schwannecke rechnete nicht damit, dass sich das Minus bis zum Jahresende ausgleichen lässt.

Bereits 2008 bis 2011 waren jeweils weniger Lehrverträge unterschrieben worden als im Vorjahr. Zum Jahresende hatte der Rückgang zwischen 0,7 (2010) und 7,9 Prozent (2009) gelegen. In diesem Jahr verzeichneten die Handwerksbetriebe bislang rund 146 100 neue Ausbildungsverträge. Dem stehen 14 000 unbesetzte Lehrstellen gegenüber - laut Zentralverband 3000 mehr als im Vorjahreszeitraum.

In Ostdeutschland habe sich die Zahl der Schulabgänger halbiert, sagte ein Verbandssprecher. Das bekämen die Betriebe zu spüren - und steuerten gegen. Viele werben bereits jetzt um Nachwuchs für das Ausbildungsjahr 2013/2014. Jugendlichen mit schlechten Startchancen bekämen besondere Unterstützung und auch Menschen im Alter von über 25 Jahren sollen ins Boot geholt werden.

Nach einer Umfrage des Zentralverbandes gibt es in mehr als der Hälfte der 53 Kammern Initiativen zur Anwerbung ausländischer Fachkräfte und Auszubildender in ihren Heimatländern. „Wir suchen nach Wegen, wie wir Jugendlichen aus Spanien und Portugal eine Ausbildung in Deutschland ermöglichen können“, sagte Handwerkspräsident Otto Kentzler der „Saarbrücker Zeitung“.

Denn die Branche kann neue Fachkräfte gut gebrauchen: Trotz der abkühlenden Konjunktur rechnet das Handwerk mit stabilen Geschäften und einem leichten Umsatzplus. Im kommenden Jahr hält der Handwerksverband ZDH ein Wachstum von bis zu einem Prozent für erreichbar. 88 Prozent der Betriebe beurteilten ihre Lage im dritten Quartal des Jahres als gut oder zufriedenstellend. Über Probleme klagten jedoch das Kraftfahrzeughandwerk wegen der Einbrüche beim Neuwagenabsatz, sagte Schwannecke. Alle Betriebe kämpften mit höheren Ausgaben für Energie, Rohstoffe und Material.

Die Hängepartie bei der steuerlichen Förderung der energetischen Gebäudesanierung müsse endlich beendet werden, forderte der ZDH-Generalsekretär zudem. Spätestens am 21. November müsse es hier grünes Licht geben. „Die Blockade des Gesetzes durch die Länder ist nicht akzeptabel.“ Allen müsse klar sein, dass nur steuerliche Anreize die energetische Gebäudesanierung voranbrächten - die zudem ein Kernprojekt für mehr Energieeffizienz sei.

dpa

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