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Arbeitsrecht

Home Office: Heimarbeit hat nicht nur Vorteile

Tag für Tag im Stau stehen oder in überfüllten Zügen schmoren: Die Zeit, die man auf dem Weg zur Arbeit verliert, könnte man besser nutzen. Sowohl im Sinne des Arbeitgebers als auch der Angestellten. Arbeiten von zu Hause aus – neudeutsch Homeoffice – könnte die Lösung sein.

Die Aussicht zuhause seinen Job zu machen, ist für viele ein Motivationsfaktor. Man spart nicht nur viel Zeit, sondern arbeitet in den eigenen vier Wänden konzentrierter und mit weniger Stress, da der Druck, pünktlich am Schreibtisch zu sitzen, entfällt. Viele Angestellte würden gerne ganz oder teilweise ihren Job von daheim ausüben. Doch Gesetzgeber und Unternehmen haben das noch nicht in Verträgen und Gesetzen verankert. Das birgt für potenzielle Heimarbeiter einige Risiken. Darum sollten Sie über Rechte und Pflichten Bescheid wissen.

Kein Recht auf Homeoffice

In Deutschland haben Mitarbeiter keinen Anspruch auf Homeoffice. Somit muss das mit dem Vorgesetzten individuell vereinbart und mit der Personalabteilung abgestimmt werden. Auch die Anzahl der Tage ist Verhandlungssache. Selbst wenn es im Unternehmen bereits Mitarbeiter mit Homeoffice-Zeiten gibt, hat man immer noch kein Gleichbehandlungsrecht. Das greift nur, wenn in derselben Abteilung ein Kollege im Homeoffice arbeitet. Ansonsten gibt der Abteilungsleiter vor, wo gearbeitet wird. Ist die Erlaubnis aber einmal erteilt, kann sie nicht so ohne weiteres zurückgenommen werden. „Ein Arbeitgeber legt zwar den Standort fest, an dem die Arbeitsleistungen zu erbringen sind, aber er muss dabei auch die Bedürfnisse und Interessen des betroffenen Mitarbeiters berücksichtigen“, so ein Urteil des Landesarbeitsgerichts Rheinland-Pfalz (Az.: 4 Sa 404/14). Die Vereinbarung mit dem Arbeitgeber auch über die folgenden Punkte sollte unbedingt schriftlich fixiert werden.

Ausstattung

Bedenken sollte man vor einer Diskussion über Homeoffice, dass der Arbeitnehmer für die technische Machbarkeit verantwortlich ist. Ist also der bisherige Internetanschluss nicht ausreichend, muss nachgebessert werden. Die Kosten dafür gehen, wenn nichts Gegenteiliges vereinbart ist, zu Lasten des Arbeitnehmers. Ausnahme: Es handelt sich um einen reinen Telearbeitsplatz. Auch die Ausstattung mit Laptop und Telefon muss man selbst mitbringen. Es gibt freilich Arbeitgeber, die alles zur Verfügung stellen. Aber damit ist man bei der Sicherheitsfrage nicht aus dem Schneider. Also keine vertraulichen Unterlagen herumliegen lassen. Sollte durch Leichtsinnigkeit dem Unternehmen ein Schaden entstehen, kann der Arbeitnehmer sogar in Haftung genommen werden.

Materialkosten

Beim Arbeiten entstehen auch Kosten. Die Beträge für beispielsweise Toner oder Papier können sich schnell auf einige hundert Euro summieren. Wer diese Kosten trägt, muss vorab geklärt werden. Zudem müssen Geräte und Mobiliar den Sicherheitsvorschriften entsprechen. Auch dafür muss der Arbeitnehmer sorgen. Das bedeutet, einen ausreichend großen Bildschirm, gutes Licht und ergonomische Möbel. Ob das eingehalten wird, kann das Unternehmen überprüfen. Denn das Unternehmen steht dafür gerade, dass die Sicherheitsvoraussetzungen gegeben sind. Der Vermieter muss nicht um Erlaubnis gefragt werden, es sei denn, es gibt Publikumsverkehr oder man gibt die Anschrift als Geschäftsadresse an.

Versicherungsschutz

Versicherungstechnisch sind Heimarbeiter relativ gut abgesichert. Gestellte Arbeitsgeräte sind über die Betriebsmittelversicherung abgedeckt, die eigenen über die Betriebshaftpflicht. Verletzt man sich während der Arbeit oder auf dem Weg von einer Besprechung im Unternehmen ins heimische Büro, greift die gesetzliche Unfallversicherung. Fraglich wird der Versicherungsschutz, wenn man sich in der eigenen Küche beim Kaffeekochen möglicherweise Brandwunden zuzieht. Nachfragen bei der Hausrat- und der Krankenversicherung ist sinnvoll.

Steuern

Die Absetzbarkeit eines Arbeitsraumes ist nicht einfach. Die Finanzbehörden haben hohe Hürden aufgebaut: Absetzbar sind die Kosten nur, wenn der heimische Arbeitsplatz der Mittelpunkt der Tätigkeiten ist. Eine Arbeitsecke im Wohnzimmer hat keine Chance. Nur wer komplett von zu Hause aus arbeitet, dazu gehören beispielsweise Schriftsteller, Künstler oder Journalisten, kann die Kosten für das Arbeitszimmer unbegrenzt von der Steuer absetzen – sofern das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten beruflichen Tätigkeit bildet und der Job nicht auch an einem anderen Ort außerhalb der häuslichen Sphäre ausgeübt wird. Aber hier ist der Steuerzahler in der Beweispflicht.

Tipp: Eine Möglichkeit ist die Vermietung des heimischen Arbeitszimmers an den Arbeitgeber. Dazu muss ein unbefristeter Mietvertrag abgeschlossen und Einkünfte aus der Vermietung und Verpachtung in der Einkommensteuererklärung angegeben werden. Dafür kann die anteilige Miete als Kosten voll gegengerechnet werden.

Von Christiane Habrich-Böcker

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