Chance auch für Hauptschüler

Als Industrieelektriker durchstarten

Mit einem Hauptschulabschluss einen Ausbildungsplatz zu finden, ist für viele gar nicht so einfach. Chancen gibt es aber bei dem relativ neuen Beruf des Industrieelektrikers.

Oft haben Realschüler oder die Abiturienten bessere Karten, einen Ausbildungsplatz zu finden. Damit auch andere Schüler Chancen haben, gibt es vermehrt kürzere Ausbildungen. Sehr beliebt ist etwa die zum Industrieelektriker. „Der Beruf ist relativ neu“, erklärt Dietmar Niedziella, Ausbildungsexperte für technische Berufe beim Deutschen Industrieund Handelskammertag. Er sei entwickelt worden, weil zahlreiche Betriebe in diesem Bereich Bedarf angemeldet hätten. Seitdem gibt es bundesweit die Möglichkeit, sich innerhalb von zwei Jahren zum Industrieelektriker ausbilden zu lassen.

„Es gibt ja viele drei- oder dreieinhalbjährige Ausbildungen, auch im Bereich der Elektronik und Elektrotechnik“, erinnert Niedziella. Für den Abschluss zum Industrieelektriker seien jedoch – grob gesehen – inhaltlich die ersten zwei Jahre aus diesen längeren Ausbildungen herausgeschnitten worden. „Das bedeutet, dass man als Industrieelektriker nicht so spezialisiert ausgebildet ist wie andere nach drei oder dreieinhalb Jahren. Dafür ist man früher fertig und kann schneller in den Beruf gehen.“

Weil die Ausbildung besonders für Hauptschulabsolventen gedacht ist, seien die Anforderungen in der Ausbildung gesenkt, damit auch praktisch begabte Schüler eine Chance haben, erläutert Harald Schenk von der Abteilung für Aus- und Weiterbildung des Bundesinstituts für Berufsbildung. Man habe allerdings bemerkt, dass es sich um einen relativ anspruchsvollen Beruf handle, der auch viele Realschüler anziehe, wobei Hauptschüler weiter die Hauptzielgruppe seien.

Industrieelektriker bearbeiten, montieren und verbinden mechanische Komponenten und Betriebsmittel. Außerdem analysieren sie elektrische Systeme und prüfen Funktionen. Industrieelektriker können daher in ziemlich unterschiedlichen Gebieten arbeiten. Sie sind dazu in der Lage, in Gebäuden Elektroleitungen zu verlegen, Haushaltsgeräte herzustellen, Schaltschränke zu montieren und Produktionsanlagen zu bedienen.

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In der Berufsschule stünden zum Beispiel theoretische Grundlagen der Elektrotechnik, die Unterschiede zwischen Gleich- und Wechselstrom sowie verschiedene Verlegetechniken für Kabel auf dem Programm, berichtet Schenk. In der Praxis lerne man, wie man Messgeräte bedient, Leitungen verlegt und Schaltsysteme und Geräte zusammenbaut, erklärt der Diplom-Ingenieur der Elektrotechnik. Bei all dem müsse man auch die elektrischen Sicherheitsbestimmungen berücksichtigen, wie später im Beruf. Hinzu kämen zwei Fachrichtungen, auf die sich Auszubildende spezialisieren, nämlich in der Betriebstechnik oder dem Bereich Geräte und Systeme.

Um all dies gut meistern zu können, sollten Bewerber laut Niedziella nicht nur einen guten Haupt- oder Realschulabschluss, sondern vor allem gute Noten in Mathe, Naturwissenschaften und Deutsch haben. „Sie sollten auch handwerkliches Interesse und Geschick haben, gern mal einen Schraubenzieher in die Hand nehmen und Spaß an elektronischen Dingen haben.“ Weitere Fähigkeiten, die benötigt werden, sind räumliches Vorstellungsvermögen, Fingergeschick zum Anschließen von Leitungen und Kabeln, technisches Verständnis sowie zeichnerische Fähigkeiten. Wer nach der Ausbildung Lust auf mehr hat, kann die Lehre zum Elektroniker unter Anrechnung der absolvierten Ausbildungszeit fortsetzen und später vielleicht sogar ein Studium dranhängen.

Aliki Nassoufis

Rubriklistenbild: © dpa

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