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Interim Manager müssen zeitlich und örtlich flexibel sein und sich schnell auf neue Menschen und Situationen einlassen können.

Elite der Zeitarbeiter

Chef auf Zeit: Interim Manager immer gefragter

Neuss - Interim Manager kommen in Firmen immer dann ins Spiel, wenn ein Mitarbeiter für längere Zeit ausfällt. Dieser Job beginnt aber nicht gleich nach der Uni. Vielmehr erfordert er viel Erfahrung und Führungsqualitäten.

Auf beruflichen Aufstieg hatte es Marei Strack nicht abgesehen, als sie sich vor 14 Jahren entschloss, Interim Managerin zu werden. Die promovierte Ingenieurin aus Neuss hatte bis dahin beruflich viel erreicht: Mitarbeit in einer Unternehmensberatung sowie Führungspositionen in diversen Firmen. Doch nach der Geburt ihres Kindes war die Rückkehr zu ihrem damaligen Arbeitgeber wegen eines Wechsels in der Führungsspitze schwierig. Deshalb entschied sie sich, von nun an als Managerin auf Zeit zu arbeiten. Strack ist eine von rund 5500 Interim Managern in Deutschland. Sie sind in Firmen immer dann gefragt, wenn eine Lücke entsteht, die schnell geschlossen werden muss. Fällt ein Mitarbeiter länger aus, etwa wegen eines Sabbaticals oder einer Schwangerschaft, dann kommen Interim Manager ins Spiel, erklärt Jürgen Becker von "Manatnet", einer Agentur, die Interim Manager vermittelt.

"Managernomaden"

Der Markt für die Zeitarbeiter in Nadelstreifen wächst. Oft stellen Firmen auch einen Manager auf Zeit ein, weil Know-how-Lücken geschlossen werden sollen. Das ist der Fall, wenn Unternehmen etwa SAP-Software einführen wollen, sie ihr Personalwesen neu aufstellen möchten oder die Abläufe in der Produktion optimiert werden müssen. Häufig kommen die Managernomaden auch, wenn eine Firma saniert werden muss. Anders als Unternehmensberater erstellten sie nicht nur Konzepte, sondern setzen sie auch um.

Voraussetzung: örtliche und zeitliche Flexibilität

Die Interim Manager sind kurzfristig überall einsatzfähig. „Von der Anfrage bis zum Einsatzbeginn vergehen nur drei bis sechs Wochen“, erklärt Anselm Görres von der Agentur „Zeitmanager München“. Ein langwieriger Einstellungsprozess mit Stellenausschreibung und Bewerbungsgesprächen entfällt. Die zeitliche und örtliche Flexibilität lohnt sich: Für einen Tag bekommen sie etwas weniger als ein Prozent des Jahresgehaltes, das ein Festangestellter in dieser Position verdienen würde. Laut Umfrage des Arbeitskreises Interim Management Provider (AIMP) sind das im Durchschnitt 930 Euro.

Viel Erfahrung und Führungswissen erforderlich

Das klingt zunächst lukrativ, meint Thorsten Becker Thorsten Becker von der „Agentur Management Angels“. Doch Interim Manager wird man nicht gleich nach der Uni. Um zur Elite der Zeitarbeiter zu zählen, braucht es viel Erfahrung. Üblich sei, dass zukünftige Interim Manager Führungsaufgaben in verschiedenen Festanstellungen übernommen haben, bevor sie sich selbstständig machen. Die meisten steigen zwischen 45 und 50 Jahren in das Geschäft ein.

Projekterfahrung sei ebenfalls wichtig. „Suchen Unternehmen einen Interim Manager für eine bestimmte Aufgabe, dann soll dieser bereits ähnliche Herausforderungen bewältigt haben“, erklärt Becker. Das kann auch Rainer Nagel vom Interim Management Anbieter „Atreus“ bestätigen: „Wenn jemand schon Produktionen an fünf verschiedenen Standorten der Welt aufgebaut hat, dann traut man ihm das auch ein sechstes Mal in einem neuen Land zu.“ Wer den Job machen will, sollte sich schnell auf neue Menschen und Situationen einlassen können.

Durchschnittlich 140 Arbeitstage pro Jahr

Von den klassischen Karriereideen müssen sich Interim Manager verabschieden. „Den traditionellen Aufstieg im Unternehmen gibt es dann nicht mehr“, weiß Strack. „Als Interim Manager arbeitet man eher auf dem Level, auf dem man bereits war, oder etwas darunter.“ Zudem müsse man sich ein gewisses finanzielles Polster angelegt haben, um auch ein paar Monate ohne Aufträge überleben zu können. Im Durchschnitt arbeiten Interim Manager laut der AIMP-Studie nur 140 Tage im Jahr, dann allerdings mindestens 10 Stunden am Tag.

Ein gutes Netzwerk als wichtigstes Kapital

Das restliche Jahr erholen sie sich von ihren meist zwischen sechs und neun Monate dauernden Mandaten oder akquirieren neue Aufträge. Das ist vor allem am Anfang eine Herausforderung, denn für einen Interim Manager ist sein Netzwerk das wichtigste Kapital. „60 Prozent seiner Aufträge bekommt er über seine Kontakte“, bestätigt Michael Pochhammer, der das Interimsgeschäft bei der Personalberatung „Signium International“ verantwortet. Deshalb sei es wichtig, dass ein Interim Manager seine eigenen Fähigkeiten und Erfahrungen gut vermarkten kann. Wer die harten Arbeitsbedingungen nicht scheut, hat jedoch gute Aussichten. Görres glaubt: „In einigen Jahren wird Interim Management genauso normal und gefragt sein wie Unternehmensberatung oder Zeitarbeit in der Industrie.“

MARIA FIEDLER

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