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Doppeltes Glück: Chonticha Phimwang wurde erst früh Mutter und weiß nun, dass sie Erzieherin werden will.

Fachkräfte

Jobmesse für Pfleger und Erzieher: Männer gesucht

In der Alten Kongresshalle findet derzeit die erste Jobmesse Münchens für Erzieher und Kinderpfleger statt. Der Bedarf ist groß. Allein in städtischen Einrichtungen fehlen dutzende Fachkräfte. Sogar eine Glaskugel hat die Stadt im Einsatz.

In den vergangenen Wochen mussten einige Eltern ihre Nerven bewahren. Denn mehr als 20 von insgesamt 1351 Münchner Kindertagesstätten schlossen kurzerhand früher oder öffneten später. Das lag am Mangel an Mitarbeitern. Sobald ein einziger Kollege erkrankt oder ausfällt, kann es schon eng werden.

Hohe Geburtenrate, steigende Bevölkerungszahlen – höchste Zeit, geeignete Münchner in den Beruf zu locken. Das dachten sich Mitarbeiter des Referats für Bildung und Sport, das die gut besuchte Messe ausrichtet. Sie ist die erste ihrer Art in München, startete gestern und endet heute um 14 Uhr (Kongresshalle, Theresienhöhe 15). Dafür scheute man keine Kosten: Junge Frauen verteilen Kekse, Schokolade und grün oder rot leuchtende Schmetterlinge. Auch eine Wahrsagerin ist da. Sie nennt sich „Frau Irma“ und sagt Dinge wie: „Sie haben einen unterdrückten Mutterinstinkt. Auch als Mann sollten sie ihn zulassen“.

Doppeltes Glück: Chonticha Phimwang wurde erst früh Mutter und weiß nun, dass sie Erzieherin werden will.

Für die Fakten ist keine Wahrsagerin nötig. Von den derzeit 2462 Planstellen für Fachkräfte (sprich Erzieher) an Kitas sind derzeit fast 120 unbesetzt. Bei den 113 Stellen für Sozialpädogogen fehlen 20. Auch in den Tagesheimen der Stadt ist es ähnlich: Etwa zehn Prozent der Planstellen sind nicht besetzt. Derzeit besuchen etwa 67 500 Münchner Kinder freie und städtische Kitas. Und die Eltern der Kinder brauchen nun mal eine verlässliche Betreuung. Der Mangel an Fachpersonal soll schnellstmöglich behoben werden. Unter den Messe-Besuchern sind einige Quereinsteiger, die ihren eigenen Job nicht mehr ausüben wollen oder können. „Wir haben immer häufiger fachfremde Interessenten“, sagt Monika Stenger von der städtischen Berufsfachschule für Kinderpflege. Mehr Männer scheinen sich für den Job an der Basis der Gesellschaft zu interessieren. Stolz sagt Stenger: „Unter unseren 600 Berufsschülern sind 10 Prozent Männer!“ Eine interessante Entwicklung, in einem Beruf, in dem viele ausschließlich Frauen vermuten.

Eine der vielen Quereinsteigerinnen, die sich am Dienstag informieren, ist die Kellnerin Chonticha Phimwang (26). Die gelernte Damenmaßschneiderin merkte früh, dass der Beruf langfristig nicht zu ihr passt. „Ich nähte stundenlang alleine vor mich hin. Da merkte ich, dass ich Menschen um mich herum brauche“, sagt sie. Die Erziehung ihres Sohnes war für sie prägend: „Er ist jetzt sieben und geht in die Schule. Während ich ihn großgezogen habe, merkte ich, dass mir das einfach Spaß macht. Da dachte ich mir, warum nicht einen Beruf ausüben, der mit Kindererziehung zu tun hat?“

Exotischer Quereinstieg: Alexander Häfner war einst gut bezahlter Steinmetz, heute ist er Kinderpfleger. Nun informiert er sich bei der Jobmesse, wie er Erzieher werden kann.

Aber vor allem Männer sind in dem Job gefragt. Noch immer bewerben sich jedoch deutlich mehr Frauen. „Gerade junge Männer sind von Stereotypen beeinflusst und haben das falsche Bild vom Beruf eines Erziehers“, sagt Gregor Dialer von der „Fachberatung Geschlechtergerechte Pädagogik“. Auch der verhältnismäßig niedrige Einstiegslohn schrecke viele Jungs ab. Dabei ist er höher als in manch anderem Beruf. Als ausgebildeter Erzieher (Tariflohn S8 a Stufe 2) sind es monatlich 2700 Euro brutto, hinzu kommen 120,74 Euro Münchenzulage und 200 Euro Arbeitsmarktzulage. Deutlich schlechter sieht es bei einem Kinderpfleger aus: monatlich 2381,50 Euro samt aller Zulagen. Von diesem – gerade für Münchner Verhältnisse – recht niedrigen Lohn ließ sich der ehemalige Steinmetz Alexander Häfner (48) nicht abschrecken. „Ich hatte einfach genug von meinem Job“, sagt er. Häfner ging damals zwar nicht zu einer Wahrsagerin, aber zu einem Berufs-Coaching-Seminar. Dort fand er heraus, dass er unter anderem als Kinderpfleger geeignet sein könnte. Häfner wirkt glücklich. Jetzt möchte er sich zum Kindererzieher weiterbilden.

Von Hüseyin Ince

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