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Zahlreiche Besucher drängten sich am Wochenende bei der Jobmesse München.

Jobmesse München als Besuchermagnet

Eine Halle voller Karrieren

München - Tausende Besucher hat die Jobmesse am vergangenen Wochenende angezogen. Sie wollten sich im MOC bei mehr als 100 Ausstellern informieren und 6500 mögliche Karrierechancen ausloten. Die Aussteller nutzen die Messe auch, um mit unrealistischen Berufsvorstellungen aufzuräumen.

Die Schlange am „Bewerbungsmappen- Check“ ist lang. Gut 30 Personen wollen ihre Unterlagen prüfen lassen, das bedeutet mindestens eine Stunde Wartezeit. Trotzdem ist das Angebot an diesem Wochenende eines der beliebtesten auf der Jobmesse München. Auch Wolfgang Dieckmann hat sich geduldig eingereiht. Der 45-Jährige arbeitet als Produktmanager. Er sucht zur Zeit keinen Job. „Aber meine letzte Bewerbung liegt schon eine Weile zurück“, sagt er. „Deshalb würde ich gerne wissen, ob meine Unterlagen auf dem aktuellen Stand sind.“

Die Qualität der Bewerber ist hoch

Ähnlich wie ihm ergeht es vielen Messebesuchern. Sie wollen sich bei den etwa 100 Ausstellern in erster Linie informieren und über mögliche Karrierechancen sprechen. Das hat Vorteile für beide Seiten: Der Bewerber erfährt mehr über die Firma und hat einen Ansprechpartner, auf den er sich im Falle einer Bewerbung beziehen kann. Aussteller haben die Gelegenheit, ihre Branche anzupreisen – und können mit unrealistischen Berufsvorstellungen aufräumen.

Insbesondere die Bundeswehr hat offenbar damit zu kämpfen. „Viele Besucher interessieren sich für ein Studium bei uns“, sagt Oberstabsfeldwebel Karl Scherlin hinter seinem Messestand. „Dass damit auch Verpflichtungen verbunden sind, etwa ein eventueller Auslandseinsatz, überrascht einige.“ Ähnliches berichten die Mitarbeiter am Stand der Berufsfeuerwehr München. Die ist erst seit kurzer Zeit auf Jobmessen vertreten. Das Interesse der Besucher ist groß, in den ersten drei Stunden haben Rudolf Angerer und Lukas Krämer bereits 40 Gespräche geführt. Die Qualität der Bewerber ist hoch, sie sind oftmals mit ganz konkreten Fragen zum Stand gekommen. Einige von ihnen wissen schon seit vielen Jahren, dass sie Feuerwehrmann werden wollen. Dennoch bemerken Angerer und Krämer eine fast schon klischeehafte Vorstellung vom Beruf des Feuerwehrmanns. „Vielen ist nicht klar, dass wir mehr machen, als Feuer zu löschen“, sagt Angerer. Er erklärt es ihnen – und außerdem, was sie machen müssen, um Feuerwehrmann zu werden.

Live Matching: Welcher Job passt zu mir?

Unter den Ausstellern gibt es aber auch solche, denen es schwer fällt, Bewerber für sich zu begeistern. „Das Interesse am Bäcker-Beruf ist gering“, gibt Ulrike Hintermayr von der Hofpfisterei zu. „Oft schrecken die Arbeitszeiten ab. Und so versuchen wir im Gespräch auch die Vorteile dieses Handwerks aufzuzeigen.“ Trotz des Renommees der Hofpfisterei ist die Resonanz der Besucher im Vergleich zum Vorjahr nicht größer geworden. Die meisten sind überrascht, dass das Unternehmen überhaupt auf der Messe ist. Trotzdem will die Hofpfisterei weiter auf Jobmessen gehen – „allein schon um Präsenz zu zeigen“, sagt Hintermayr.

Wer noch nicht genau weiß, welches Unternehmen auf der Jobmesse zu ihm passen könnte, geht zum Live Matching. Dabei werden die Daten der Bewerber mit den Anforderungen der teilnehmenden Unternehmen abgeglichen. Nach 15 bis 20 Minuten spuckt das System eine Liste mit Namen von Unternehmen aus, zu denen der Interessent passt. Mit diesem Ergebnis muss der Bewerber nur noch zu dem entsprechenden Stand gehen. 6500 mögliche Karrierechancen gibt es den Veranstaltern zufolge.

Lena Schröpfer, 15, geht heute leer aus. Die Schülerin sucht einen Praktikumsplatz. „Viele Angebote sind nur für Abiturienten oder Studenten“, seufzt sie. „Aber ein Mitarbeiter der Stadtwerke meinte, er kann sich Gesichter gut merken. Hoffentlich erinnert er sich 2016 noch an mich. Dann suche ich nämlich einen Ausbildungsplatz.“

Bilder von der Jobmesse

Bilder von der Jobmesse München

Julia Tschochner

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