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Eine Keramikerin bei der handwerklichen Arbeit an der Töpferscheibe.

Ausbildung in Handwerk oder Industrie

Keramiker: Arbeit mit ruhiger Hand

Vasen, Kaffeetassen, bemalte Ofenkacheln, Waschbecken und Klos: Keramiker stellen die unterschiedlichsten Produkte her. Dabei sitzen die einen an der Töpferscheibe, die anderen steuern komplizierte Maschinen.

Die Lehre zum Keramiker können junge Menschen in zwei Richtungen machen: Entweder sie entscheiden sich für eine Ausbildung im Handwerk, oder sie machen sie in der Industrie. In beiden Fällen dauert sie drei Jahre. Die Mehrzahl lernt in der Industrie. „Betriebe, die ausbilden, machen dies für den eigenen Bedarf“, hat Michael Assenmacher vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag beobachtet. „Dementsprechend hoch sind die Übernahmechancen.“

Auszubildende brauchen unterschiedliche Fähigkeiten, je nachdem, ob sie im Handwerk oder in der Industrie lernen: Wer im Handwerk anfangen möchte, braucht Kreativität und handwerkliches Geschick. Denn Handwerker produzierten laut Christian Wolff von der Töpferinnung Thüringen Kleinserien und manuell gearbeitete Unikate. In den Industriebetrieben liegt der Schwerpunkt dagegen auf automatisierten Prozessen, erklärt Assenmacher. „Industriekeramiker werden in vier Fachrichtungen ausgebildet“, erläutert Jorg-Günther Grunwald vom Bundesinstitut für Berufsbildung. Die Ausbildung ist in den ersten zwölf Monaten für alle Lehrlinge aber gleich. Die Spezialisierung kommt im zweiten und dritten Lehrjahr. Gute Schulnoten in Mathe, Physik, Chemie sowie Werken und Kunst sind wichtig. Auch technisches Verständnis ist unbedingt erforderlich.

Besonders gefragt sei zurzeit der Industriekeramiker mit dem Schwerpunkt Verfahrenstechnik, bemerkt Assenmacher. Aufgabe dieser Fachleute ist es zunächst einmal, aus Rohstoffen wie Ton oder Kaolin Keramikmasse herzustellen. Diese wird dann anschließend maschinell zu Porzellan oder Bau- und Sanitätskeramik verarbeitet. Die Industriekeramiker mit dem Schwerpunkt Anlagentechnik sind für die Maschinen im Betrieb zuständig. Sie richten sie ein und steuern sie. Die Keramiker im Bereich Dekorationstechnik veredeln das Porzellan etwa mit Blumen oder Ornamenten. Um die Motive mit dem Pinsel aufzumalen, braucht es eine ruhige Hand. Fachleute dieser Richtung gelten als die Künstler der Branche.

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Im Bereich Modelltechnik stellen die Fachleute schließlich aus Gips, Kunststoff oder Metall die Gussformen für die Keramikmasse her. Dafür erstellen sie am Computer Entwürfe für die Gussformen oder arbeiten nach Vorlagen. Die Fachkräfte müssen besonders präzise sein. Außerdem brauchen sie vertiefte Kenntnisse über die Materialien und ihre Verarbeitung. „Vor einer Entscheidung für diesen Beruf sollte auf jeden Fall ein Praktikum gemacht werden“, rät Bernhard Nitsche, Leiter der Staatlichen Berufsschule Selb. Denn oft haben Industriekeramiker nicht gerade gemütliche Arbeitsplätze. So arbeiten sie an den Brennöfen, die sie auf eine Temperatur von etwa 1400 Grad hochfahren müssen.

Horst Heinz Grimm

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