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Ludwig-Maximilians-Universität in München

Vom Krawallviertel zum Kapitalstandort

Früher verprügelt, heute umworben: Die Münchner Studierenden in Schwabing gelten als Deutschlands Nachwuchshoffnung – mit ihnen ändert sich auch der Stadtteil

Wer heute durch Schwabing schlendert, kann sich nur schwer vorstellen, dass der Münchner Stadtteil 1962 Ausgangspunkt der berühmten Schwabinger Krawalle war. Vier Tage lang lieferten sich damals 40.000 Jugendliche rund um die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) Straßenschlachten mit der Polizei. Inzwischen erinnert nur noch das in jener Zeit erbaute Hauptverwaltungsgebäude der Hochschule durch seine festungsartige Betonbauweise und den kleinen Fenstern als stummer Zeitzeuge an die wilden 60er-Jahre. Heute ist das Viertel die Heimat vieler erfolgreicher Studentinnen und Studenten.

Zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde Schwabing 782. Erst 1886 wurde die ehemalige Gemeinde zur Stadt erhoben und 1890 nach München eingegliedert. Schon während der Prinzregentenzeit galt der Flecken als Bohème-Viertel. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Nicht zuletzt durch Lokale wie den „Alten Simpl“, in dem sich die Autoren aus dem Dunstkreis der Zeitschrift Simplicissimus trafen, oder Bars wie den „Big Apple“, wo die 68er-Ikonen Uschi Obermaier und Rainer Langhans verkehrten, gilt Schwabing nach wie vor als Szeneviertel mit vielen Bars und Kneipen.

An feierfreudigem Nachwuchs mangelt es nicht. Allein an LMU, Technischer Universität (TUM) und der Hochschule München sind über 110.000 Akademiker immatrikuliert. Hinzu kommen sieben weitere Hochschulen, darunter die Hochschule für Fernsehen und Film, die Akademie der Bildenden Künste oder die Hochschule für Politik. Da LMU und TUM jedes Jahr in internationalen Rankings zu besten deutschen Hochschulen gekürt werden und auch im weltweiten Vergleich Spitzenpositionen einnehmen, verwundert es nicht, wenn die Zahl ausländischer Studierender seit Jahren bei über zehn Prozent liegt.

Damit Studierende aus dem Ausland schnell die deutsche Sprache lernen, bieten verschiedene Einrichtungen so genannte Sprachtandems an – eine Win-Win-Situation. Denn dabei lernen deutschsprachige Studierende gleichzeitig die Muttersprache des Tandempartners. Doch ein Studium in München ist teuer. Der Mietspiegel steigt seit Jahren rasant: Aktuell liegt die Miete für ein 18-Quadratmeter-Zimmer in einer Wohngemeinschaft bei durchschnittlich 518 Euro. Zwei Drittel der Studierenden müssen daher nebenher jobben. Dabei bleibt oft das Lernen auf der Strecke. Das haben mittlerweile auch Nacnhilfeanbieter wie der Studienkreis bemerkt und bieten gezielt vor Ort in Schwabing Lernunterstützung an.

Doch das Engagement zahlt sich aus. München ist wegen seiner ausgeprägten Hochschullandschaft ein idealer Standort zur Unternehmensgründung. Zwar feiert sich Berlin immer gerne als Start-up-Hochburg. Eine Studie des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft zeigt allerdings: Der Anteil von Gründern mit Hochschulabschluss ist in der bayerischen Landeshauptstadt am höchsten. In Berlin haben nur 15 Prozent einen Master oder Doktortitel. Außerdem steigen an der Isar die Ausgründungen aus Hochschulen heraus. Allein am LMU Entrepreneurship Center gab es seit 1997 über 150 Unternehmensgründungen – darunter Firmen wie AktienPrognose.com, der Übersetzungsservice für Hörgeschädigte Verbavoice oder die Firma The Dox mit dem Angebot einer Medizinischen Beratung für Film- und Fernsehproduktionen.

Zukünftig will der Freistaat Bayern auch die steuerlichen Rahmenbedingungen verbessern, damit der Gründerszene mehr Risikokapital zur Verfügung steht – bisher der häufigste Grund für einen Umzug nach Berlin. Nicht zuletzt durch die vielen Akademiker in Schwabing gehört die Stadt München laut der Marktforschungsfirma GfK in Bruchsal 2017 zu den fünf reichsten Kommunen in Deutschland. Ein Grund dafür ist, dass in München mit 62 Prozent deutlich mehr Start-ups die ersten fünf Jahre in München überleben als in Berlin, Hamburg oder anderen deutschen Städten. In der Folge werden Büroräume in Schwabing immer begehrter.

Vor kurzem eröffnete darüber hinaus die neue Ideenschmiede Data Lab. Dort tauschen LMU, Big Data-Technologiefirmen, Start-up-Unternehmen und das deutsche Forschungszentrum für künstliche Intelligenz ihr Wissen aus. Während vor rund 50 Jahren Studierende also noch als Revoluzzer verunglimpft wurden, gelten ihre Ideen heute als wirtschaftliches Kapital für Schwabing, München und die gesamte Republik. Zu Recht: Start-ups schaffen nach noch nicht einmal drei Jahren durchschnittlich 17,6 Arbeitsplätze.

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