+
Mit einer Firmenkreditkarte dürfen Mitarbeiter keine privaten Rechnungen begleichen. Der Chef muss seinem Angestellten einen Betrug jedoch nachweisen, will er ihm kündigen.

Arbeitsrecht

Kündigung wegen Spesen: Arbeitgeber muss Betrug nachweisen

Vertraut der Arbeitgeber einem Mitarbeiter die Firmenkreditkarte an, erwartet er in der Regel, dass dieser damit verantwortungsvoll umgeht. Bei Missbrauch droht die fristlose Kündigung - allerdings nur, wenn es dafür einen stichhaltigen Beweis gibt.

Köln - Wollen Arbeitgeber einem Mitarbeiter wegen Spesenbetrug kündigen, müssen sie das Fehlverhalten beweisen können. Können sie ihre Vermutung nicht belegen, rechtfertigt das eine fristlose Kündigung nicht.

Der Deutsche Anwaltverein weist auf eine Entscheidung des Landesarbeitsgericht Köln (Az: 3 Sa 239/10) hin. In dem verhandelten Fall hatte der Vertriebsleiter einer Firma, die türkische Teppiche vertreibt, die Kündigung erhalten.

Der Mann verdiente monatlich rund 12 800 Euro brutto. Der Arbeitgeber warf ihm vor, die Firmenkreditkarte für den Kauf privater Herrenbekleidung genutzt zu haben. Auch seien Ausgaben, die für einen Kunden getätigt worden seien, nicht korrekt abgerechnet worden. Gleichzeitig stand fest, dass der Mitarbeiter seine Spesen immer pauschal abgerechnet hatte, ohne einzelne Belegnachweise zu führen und die konkreten Ausgaben zu benennen.

Seine Klage war erfolgreich. Es liege kein wichtiger Grund für eine fristlose Kündigung vor. Der Arbeitnehmer konnte glaubhaft machen, er habe mit der Firmenkreditkarte einen Einkaufsgutschein für einen Geschäftskunden erworben. Daneben habe er Kundenrechnungen zu Lasten des Arbeitgebers übernommen, denen konkrete Leistungen des Kunden gegenüberstanden. Diese Rechtfertigung des Mitarbeiters habe der Arbeitgeber nicht widerlegen können. Daneben müsse sich die Firma die bisherige Praxis der Spesenabrechnung vorhalten lassen. Die fristlose Kündigung sei damit unwirksam.

dpa/tmn

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

121.000 Euro Gehalt: Das ist der bestbezahlte Beruf Deutschlands
Wer in Deutschland gut verdienen will, sollte sich seinen Beruf genau aussuchen. Eine Studie zeigt, in welchen Jobs die großen Gehälter gezahlt werden.
121.000 Euro Gehalt: Das ist der bestbezahlte Beruf Deutschlands
Frauen mit Kindern arbeiten weniger - Männer mehr
In Familien mit Kindern ist die Arbeitszeit noch immer ungleich zwischen den Geschlechtern verteilt. Während Frauen häufig in Teilzeit arbeiten, steigt die Arbeitszeit …
Frauen mit Kindern arbeiten weniger - Männer mehr
Kollegen schenken Vater 1.000 Überstunden - der Grund ist tragisch
Weil ein Vater jede freie Minute bei seinem Sohn sein muss, wollen ihn seine Kollegen unterstützen. Was ihm jetzt hilft: ganz viel Zeit für die Familie.
Kollegen schenken Vater 1.000 Überstunden - der Grund ist tragisch
Anschreiben, Lebenslauf, Vorstellungsgespräch: Wie bewerbe ich mich richtig?
Was gehört in die Bewerbungsmappe? Wie sieht ein gutes Anschreiben aus? Wie setzen Sie sich von anderen Bewerbern ab? Hier finden Sie eine umfassende Übersicht.
Anschreiben, Lebenslauf, Vorstellungsgespräch: Wie bewerbe ich mich richtig?

Kommentare