Fristlose Kündigung

Unbeliebter Kollege in Toilette eingesperrt – jetzt spricht Gericht Urteil

  • Andrea Stettner
    vonAndrea Stettner
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Ein Lagerist will seinem Kollegen eins auswischen, sperrt ihn in der Toilette ein und kassiert eine fristlose Kündigung. Der Fall landet vor Gericht – nun wurde ein Urteil dazu gesprochen.

Eine Toilette stand im Mittelpunkt eines Gerichtsurteils, das zur Kündigung eines Lageristen führte. (Symbolbild)

Wenn Kollegen acht Stunden am Tag täglich zusammenarbeitet, dann ist Streit nur allzu menschlich. Doch in diesem Fall wurde die Grenze des guten Geschmacks deutlich überschritten und endete mit der fristlosen Kündigung* eines Angestellten.

Fristlose Kündigung: Mitarbeiter sperrt Kollegen in Toilette ein

Wie die Nachrichtenagentur AFP meldet, geriet ein Lagerist mit einem anderen Mitarbeiter immer wieder in Streit. Als sich dieser eines Tages auf der Toilette befand, nutzte der Lagerist offensichtlich die Chance, um seinem unliebsamen Kollegen eins auszuwischen: Mit einem Gegenstand schob er den Toilettenschlüssel durchs Schlüsselloch nach draußen und schnappte sich den heruntergefallenen Schlüssel. Der Kollege war dadurch in der Kabine gefangen – und konnte sich nur durch einen beherzten Tritt gegen die Toilettentür befreien.

Als der Arbeitgeber von dem Vorfall erfuhr, hagelte es nicht nur Ärger, sondern auch eine fristlose Kündigung. Doch die wollte der Lagerist nicht auf sich sitzen lassen, schließlich gäbe es keinen Grund, zu seinem Kollegen habe er immer ein gutes Verhältnis gehabt, wie er selbst behauptete. Schließlich reichte der Lagerist im Juni 2020 eine Kündigungsschutzklage beim Arbeitsgericht Siegburg ein.

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Freiheitsberaubung rechtfertigt fristlose Kündigung durch Arbeitgeber

Doch ohne Erfolg: In einem Urteil (Az. 5 Ca 1397/20) bestätigte das Arbeitsgericht im Februar 2021 die fristlose Kündigung des Arbeitgebers, denn er habe seinen Kollegen „zumindest zeitweise seiner Freiheit und der ungehinderten Möglichkeit des Verlassens der Toilette beraubt“. Dies stelle eine „ganz erhebliche Pflichtverletzung“ dar. Hinzu kommt noch, dass durch sein Verschulden die Toilettentür des Arbeitgebers beschädigt worden sei. Die Entscheidung ist jedoch noch nicht rechtskräftig. Gegen das Urteil kann Berufung beim Landesarbeitsgericht Köln eingelegt werden.

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Fristlose Kündigung: wann ist die erlaubt?

Wann der Arbeitgeber eine außerordentliche, fristlose Kündigung aussprechen darf, ist genau festgelegt. Mehr dazu erfahren Sie hier. Doch auch Mitarbeiter dürfen in bestimmten Fällen fristlos kündigen. (as) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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Kündigung des Arbeitsvertrags: Die wichtigsten Fakten, die jeder kennen sollte

Bei einer Kündigung des Arbeitsvertrags gibt es viele rechtliche Fallstricke zu beachten - egal ob sie vom Arbeitgeber oder Arbeitnehmer aus erfolgt.
Ein Arbeitsvertrag muss immer schriftlich gekündigt werden, und zwar mit einer Original-Unterschrift und dem vollen Namen. E-Mail, Textnachricht oder Fax reichen hier nicht aus.
Wie lange die Kündigungsfrist dauert, können Arbeitnehmer ihrem Arbeitsvertrag entnehmen. Laut Gesetz beträgt sie jedoch mindestens vier Wochen. Während der Probezeit gilt eine kürzere Kündigungsfrist von zwei Wochen. Die Kündigungsfrist für den Arbeitgeber verlängert sich je nach Dauer der Betriebszugehörigkeit des Mitarbeiters.
Wer kündigen will, sollte seine Kündigung dem Chef oder der Personalabteilung persönlich übergeben oder per Post verschicken - am besten per Einschreiben.
Kündigung des Arbeitsvertrags: Die wichtigsten Fakten, die jeder kennen sollte

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