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Erleichterung pur: Wer die Dinge einfach mal laufen lässt, kann durchatmen – so wie die Frau auf dem Foto, die hier symbolisch Luftballons „von der Schnur“ lässt.

Warum zu viel Ehrgeiz in der Arbeit bremst

Loslassen – und erst recht Erfolg haben

Hartnäckigkeit und Ehrgeiz: Damit treiben viele Mitarbeiter ihre Ziele im Job voran. Sie werden verbissener – doch oft bleibt der Erfolg trotzdem aus. Was tun? Loslassen! Das rät die Job-Expertin Simone von Stosch. Dann läuft es auch wieder rund.

Hartnäckigkeit und Ehrgeiz: Damit treiben viele Mitarbeiter ihre Ziele im Job voran. Sie werden verbissener – doch oft bleibt der Erfolg trotzdem aus. Was tun? Loslassen! Das rät die Job-Expertin Simone von Stosch. Dann läuft es auch wieder rund.

Wer etwas erreichen will, der muss dranbleiben. Sie sagen aber: locker machen! Ein Widerspruch?

Simone von Stosch ist systemischer Coach, berät Führungskräfte aus Politik und Wirtschaft. Zudem ist sie TV-Moderatorin und hat u.a. zehn Jahre die Tagesschau moderiert.

Simone von Stosch: Wer etwas zu viel will, der übt Druck aus. Und das mögen Menschen nicht. Unbewusst halten wir von solchen Personen Abstand. Kurzum: Man erreicht mit zu viel Druck oft das Gegenteil von dem, was man eigentlich möchte. Häufig ist es daher besser, gelassener ranzugehen. Unsere Gesellschaft legt den Fokus zu sehr auf Ehrgeiz, Druck, und Leistung durch Anstrengung.

Können Sie Beispiele für das Berufsleben geben, wo zu viel Druck eher hinderlich ist?

Von Stosch: Ja! Zum Beispiel bei Karriereschritten – oder wenn es darum geht, einen Chefposten haben zu wollen. Dann ist es eben nicht gut, sehr stark zu insistieren und zu sagen, dass man das will. Das war mal eine Weile die Philosophie. Heute ist es jedoch viel besser, zu zeigen, was man kann – und Kompetenz durch sein Selbstverständnis und souveränes Auftreten zu präsentieren. Gerade wenn es darum geht, einen Job zu bekommen, ist zu viel Druck eher hinderlich.

Wie sieht denn zu viel Druck konkret aus?

Von Stosch:Man merkt es Menschen an, wenn sie nicht – oder nicht so stark – um der Sache selbst willen agieren, sondern sehr stark unter Druck stehen, um in erster Linie bestimmte Ansprüche erfüllen zu müssen. Das spürt man einfach! Und wir selbst registrieren ja auch, wenn wir nur noch verbissen ein Ziel verfolgen anstatt aus einer Gelassenheit heraus zu handeln...

Aber was sind den die „Symptome"?

Von Stosch:Dass man immer wieder grübelt, die Gedanken um dasselbe kreisen. Es ist schlecht, sich an Vorstellungen abzuarbeiten: Was muss ich erreichen? Was wird von mir verlangt? Sieht mein Chef, wie gut ich bin? Sind andere besser als ich? Alle diese Gedanken sind das Gegenteil von Gelassenheit. Sie führen auf Dauer zur Erschöpfung.

Loslassen klingt schnell wie aufgeben.

Von Stosch:Ich würde sagen, Loslassen ist das Gegenteil von Aufgeben! Loslassen heißt im Grunde genommen: Ich kenne meine Ziele, und ich weiß, was ich will. Diese Klarheit, zu wissen, was man will, was man kann, ist doch erst die Voraussetzung dafür, loszulassen, um gelassen sein zu können. Und natürlich heißt es nicht, dass man keine Ziele mehr haben soll. Es heißt nur, sie nicht mit ganz so viel Angespanntheit zu verfolgen. Auch da, wo sich Widerstände auf Dauer immer wieder auftun, sollte man manchmal einfach den Weg loslassen. Es bringt nichts, immer wieder das Gleiche zu machen, wenn man immer wieder an einen Widerstand stößt.

Wer sollte sich im Loslassen üben? Ist etwa jemand träge und ambitionslos, führt Loslassen doch eher in die Lethargie.

Von Stosch:In der Lethargie steckt auch etwas, was losgelassen werden müsste. Dahinter steht oft der Grundsatz: Ich schaffe das eh nicht. Menschen, die dazu neigen, müssten diese Glaubenssätze loslassen. Aber jetzt mal generell: Wem ist besonders zu raten, loszulassen? Vor allem denen, die in unserer Leistungsgesellschaft Leistungsträger sind – und die Verantwortung tragen. Die Hirnforschung zeigt: Wir werden nicht dann besonders gut, wenn wir uns besonders anstrengen, sondern wenn wir uns wie Kinder einer Sache hingeben und ganz in dem Moment sind. Da entsteht der sogenannte Flow-Moment, ein Moment hoher Produktivität.

Und wie lässt man los?

Von Stosch:Das funktioniert über die Gedanken. Es ist ein Vergegenwärtigen: Jetzt bin ich wieder ganz schön angespannt und will mit dem Kopf durch die Wand. Oder: Es geht mir gar nicht mehr um die Sache, sondern die Macht. Dann hilft Gelassenheit, zu lächeln und zu sagen: „Ach komm.“ Wir sagen uns selbst öfter: „Komm’, streng’ Dich mehr an.“ Es ist viel besser, sich beim Zähneputzen zu sagen: „Ach komm’, vertrau’ mal. Das wird schon!“ Natürlich müssen wir auch an Dingen dranbleiben. Ganz klar. Wichtig ist aber, den Unterschied herauszufinden: Ist es eine Konvention, der ich entspreche, ist es ein innerer Antreiber wie „Du musst die Beste sein“ – oder ist es die Sache selbst. Ist es also mein Weg.

Das Interview führte: Kristin Kruthaup

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