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Im Bäckerhandwerk ist der Mangel an Auszubildenden besonders drastisch. Auch den Metzgerberuf wollen immer weniger junge Leute erlernen.

Messe am Samstag

Mangelware Azubi

München - Weil immer mehr junge Menschen lieber Abitur machen, fehlt es an Nachwuchs – Ausbildungsplatzbörse am Samstag.

Münchner Unternehmen haben es immer schwerer, Azubis zu finden. „In München kommen zwei Ausbildungsstellen auf einen Bewerber“, sagt Eva-Maria Böhmländer, von der Münchner Agentur für Arbeit. Auch Hubert Schöffmann, stellvertretender Leiter der Ausbildungsabteilung der Industrie- und Handelskammer (IHK), kann das beobachten: „Die Situation hat sich in den letzten Jahren komplett auf den Kopf gestellt. Das Angebot an Ausbildungsplätzen übersteigt die Nachfrage bei weitem.“

In der Stadt München haben laut IHK im vergangenen Jahr 6409 Lehrlinge einen Ausbildungsvertrag mit heimischen Betrieben aus Industrie, Handel und Dienstleistung unterschrieben. Das seien 0,7 Prozent weniger als im Jahr zuvor, so Schöffmann. Um ganze 8 Prozent ist die Zahl im Landkreis München gesunken. Dort sind 2013 nur 1338 Neuverträge abgeschlossen worden. „Das ist schon ein deutlicher Einbruch“, betont Schöffmann. „Die Firmen bekommen entweder gar keine oder nicht geeignete Bewerbungen.“

Gerade im Handel und im Handwerk, im Hotel- und Lebensmittelbereich werden verstärkt Lehrlinge gesucht. Gertraud Wurm ist Teamleiterin der Berufsberatung „U25“ in der Münchner Agentur für Arbeit. Sie begleitet viele Jugendliche auf ihrem Weg zum Ausbildungsplatz. Die Schulabgänger haben die Qual der Wahl – und sind sich sehr wohl dessen bewusst: „Die Jugendlichen sind ein bisschen wählerischer geworden“, erzählt Wurm. Viele interessieren sich für Ausbildungen im Unterhaltungsbereich. Auch Berufe, die mit Veranstaltungen, Tourismus, Sport oder Fitness zu tun haben, sind beliebt. Unterdessen haben die vielen Münchner Praxen es extrem schwer, Bewerber für eine Ausbildung zum medizinischen Fachangestellten zu finden. Händeringend werden auch Lehrlinge zum Fachverkäufer in Metzgereien und Bäckereien gesucht.

Letztendlich entscheiden sich die Münchner Jugendlichen aber oft für eins: Weiter zur Schule zu gehen. „Es gibt den starken Trend, eine weiterführende Schule zu besuchen“, erklärt Wurm. Das Angebot an Fachoberschulen sei groß, besonders die Eltern unterstützten diese Option: Schulbank und Studium statt handfeste Ausbildung.

Schöffmann von der IHK hält das für falsch: „Bald haben wir gleich viele Studienbeginner wie Auszubildende, das ist eine groteske Situation.“ Fachkräftemangel sei da vorprogrammiert. Schuld daran seien vor allem die Öffentlichkeit und die Politik. „Dort wird immer propagiert, dass die Abiturienten- und Akademikerquote erhöht werden müssen“, sagt Schöffmann. „Das schlägt sich natürlich in den Köpfen nieder.“

Laut Bundesinstitut für Berufsbildung verdienen Auszubildende durchschnittlich 767 Euro brutto im Monat. Je nach Ausbildung schwankt das Gehalt aber stark. „Das kann einen Jugendlichen schon abschrecken, zumal München ein sehr teures Pflaster ist“, sagt Wurm. Ziehe ein Azubi von außerhalb für seine Lehrstelle nach München, komme er nur schwer über die Runden.

Doch die Münchner Unternehmen sind angewiesen auf auswärtige Azubis. Viele bieten bereits von selbst an, ihre Lehrlinge unterzubringen. Außerdem gibt es Lehrlingswohnheime. Als finanzielle Unterstützung weiß Wurm noch einen Ausweg: „Wir versuchen den Jugendlichen mit der Berufsausbildungsbeihilfe unter die Arme zu greifen.“

Entscheidet sich ein Jugendlicher für eine Lehrstelle in München, ist die Auswahl groß: „Jeder, der einen Ausbildungsplatz sucht, wird rein rechnerisch mindestens drei Ausbildungsplatz-Angebote bekommen“, sagt Schöffmann. Gerade deshalb müssten Betriebe für sich werben.

Am morgigen Samstag veranstaltet das Berufsinformationszentrum (BiZ) eine große Ausbildungsplatzbörse. Mehr als 100 Arbeitgeber werden vor Ort sein. Schöffmann: „Es reicht eben nicht mehr aus, ein Schildchen ins Fenster zu hängen: ‘Wir bilden aus’.“

Parallel gibt es am Samstag die Karrieremesse „Stuzubi“ im Olympiapark mit über 100 Firmen, darunter Audi, Siemens und die Deutsche Bank. Die Zielgruppe hier: Abiturienten und Schüler mit Mittlerer Reife.

Julia Huber

Ausbildungsplatzbörse

am Samstag, 22. Februar, 9 bis 13 Uhr, im Berufsinformationszentum (BiZ) in der Kapuzinerstraße 30. Schüler können sich über Ausbildungsplätze informieren. Mehr als 100 Betriebe aus Industrie, Handwerk, Gastronomie, Handel, Tourismus und Verwaltung werden vertreten sein.

Karrieremesse „Stuzubi“

am Samstag, 22. Februar, 9 bis 16 Uhr in der Eventarena im Olympiapark. Mehr als 100 Firmen stellen sich vor, aber auch die TU München, die Uni Augsburg und die Hochschule Dual.

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