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Aus dem Meister-Bafög wird das Aufstiegs-Bafög. Auch finanziell ändert sich einiges – und zwar zum Besseren. Das soll mehr Gesellen (zum Beispiel im Bäckerhandwerk) dazu verhelfen, sich weiterzubilden und sich möglicherweise selbstständig zu machen.

Handwerk

Mehr Geld für angehende Meister

Wer eine Aufstiegsfortbildung machen will, kann dafür Unterstützung vom Staat bekommen. Die gute Nachricht: Ab August werden die Sätze beim Meister-Bafög deutlich erhöht. Wichtig ist für einen reibungslosen Ablauf, sich früh darum zu kümmern.

Eine Fortbildung zum Meister, Techniker oder Fachkrankenpfleger: Das kann sich für Berufstätige lohnen. Sie haben danach nicht nur mehr Fachwissen, ihr Gehalt steigt oft auch an. In manchen Berufen braucht es die Weiterbildung außerdem, um sich selbstständig zu machen. Um die oft kostspieligen Lehrgänge bezahlen zu können, gibt es Meister-Bafög – eine Mischung aus Zuschuss und zinsgünstigem Darlehen vom Staat. Doch wie kommt man da ran? Wichtige Fragen und Antworten zum Thema.

Wer kann Meister-Bafög bekommen?

Typischerweise werden nach dem Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz (AFBG) etwa Meister-, Techniker- und Fachkrankenpflegerkurse gefördert. Dazu kommt die Fortbildung zum geprüften Betriebswirt nach der Handwerksordnung. Wer eine andere Weiterbildung machen will, sollte prüfen: Ist der Kurs nach dem Bundesbildungsgesetz, der Handwerksordnung oder nach Bundes- und Landesrecht anerkannt, und liegt das Niveau über einer Gesellenprüfung? Nicht gefördert werden Hochschulabschlüsse.

Was wird gefördert?

Im Prinzip können Berufstätige das Meister-Bafög für drei Fördergegenstände erhalten, erklärt Knut Diekmann, zuständig für das Thema Weiterbildung beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag. Jede dieser Förderungen kann man einzeln in Anspruch nehmen, man kann sie aber auch kombinieren.

  • Maßnahmebeitrag:

Zum einen gibt es eine Förderung für die Kosten der Fortbildung bis zu einer Höhe von derzeit 10 226 Euro. Den Betrag können alle in Anspruch nehmen, unabhängig davon, wie viel sie verdienen. Davon erhalten sie bislang 30,5 Prozent als Zuschuss, das Geld müssen sie also nicht zurückzahlen. Für den Rest können Antragsteller ein zinsgünstiges Darlehen in Anspruch nehmen.

  • Prüfungsstück:

 Bei vielen Meisterprüfungen müssen Prüflinge ein Meisterstück abgeben, der Tischlermeister muss beispielsweise ein Möbelstück bauen. Die Materialkosten gehen schnell ins Geld. Für das Material bekommen Berufstätige ebenfalls Meister-Bafög. Sie erhalten bis zur Hälfte der Kosten ein zinsgünstiges Darlehen vom Staat. Die Obergrenze liegt derzeit bei 1534 Euro.

  • Lebensunterhalt:

Abhängig vom Einkommen und vom Vermögen können Berufstätige außerdem einen Geldbetrag zum Lebensunterhalt erhalten. Als Alleinstehender kann man etwa bisher 697 Euro pro Monat bekommen, davon sind 238 Euro wiederum ein Zuschuss.

Was ändert sich zum August?

Dann tritt die Novellierung des AFBG in Kraft. „Wir haben eine deutliche Verbesserung der Konditionen“, erklärt Andreas Brzezinski, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Dresden. Ein paar Beispiele: Beim Maßnahmebeitrag ist ab August eine Förderung in Höhe von bis zu 15 000 Euro möglich, der Zuschussanteil – also der Anteil, den man nicht zurückzahlen muss – wird auf 40 Prozent erhöht. Beim Prüfungsstück liegt der Förderungshöchstbetrag ab August bei 2000 Euro, und der Zuschussanteil liegt künftig bei 40 Prozent. Beim Lebensunterhalt erhalten Alleinstehende künftig 768 Euro pro Monat, davon werden 333 Euro Zuschuss sein. Für Alleinerziehende steigt der Unterhaltsbeitrag von 907 auf 1003,00 Euro, für Verheiratete mit einem Kind von 1122 auf 1238 Euro, für Verheiratete mit zwei Kindern von 1332 auf 1473 Euro. Und auch beim Namen soll sich etwas tun: Das Meister-Bafög soll künftig auch Aufstiegs-Bafög heißen.

Mit wie viel Vorlauf sollen Berufstätige Meister-Bafög beantragen?

Wer pünktlich zum Lehrgangsbeginn die Förderung erhalten möchte, sollte den Antrag drei bis vier Monate vor Lehrgangsbeginn stellen, erklärt Brzezinski. Diesen Zeitraum sollten Berufstätige für die Bearbeitungsdauer rechnen. Im Einzelfall kann es natürlich immer deutlich schneller gehen. Wichtig: Das Meister-Bafög erhält man frühestens ab Maßnahmebeginn sowie ab dem Antragsmonat. Wer also im Oktober den Lehrgang beginnt, aber erst im November den Antrag stellt, erhält rückwirkend für Oktober kein Geld.

Was sind die typischen Fehler bei der Antragstellung?

Einer der Hauptfehler ist, dass Berufstätige die Formblätter unvollständig oder falsch ausfüllen, sagt Brzezinski. Das kann die Bearbeitung des Antrags in die Länge ziehen. Er rät deshalb, sich vor der Antragstellung immer einen Beratungstermin mit der zuständigen Stelle auszumachen. Welche Stelle für das Meister-Bafög zuständig ist, hängt vom Bundesland ab. Unter www.meister-bafoeg.info gibt es eine Liste der zuständigen Stellen.

Wie viele Menschen bekommen Meister-Bafög?

2014 wurden rund 172 000 Personen mit dem Meister-Bafög unterstützt, wie aus Zahlen des Statistischen Bundesamts hervorgeht. Der am häufigsten unterstützte Beruf mit einer Fortbildungsmaßnahme bei den Männern war der Industriemeister Metall. Auf Rang zwei war der Maschinenbautechniker, danach kam der Kraftfahrzeugtechnikmeister. Bei den Frauen war es die staatlich geprüfte Erzieherin, gefolgt von der Wirtschaftsfachwirtin und der Friseurmeisterin.

Von Kristin Kruthaup

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