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Mehr Mitarbeiter, mehr Zeit: Durch das Stellenplus wollen die Seniorenheime vor allem Personal zur Betreuung der Senioren gewinnen. So würden gleichzeitig die Pflegefachkräfte entlastet.

Personal-Entlastung

Mehr Pfleger für Bayerns Seniorenheime

München - Ihr jahrelanger Kampf hat sich gelohnt: Bayerns Seniorenheime bekommen mehr Personal. Endlich Entlastung für die strapazierte Belegschaft, zahlen müssen Pflegebedürftige und Angehörige.

Vor zwei Wochen überbrachte Marion Hahn die gute Nachricht. Ihre Mitarbeiter überschlugen sich fast, manche waren „fassungslos vor Glück“. Ab Juli, sagte die Leiterin des Caritas-Altenheims St. Rita in Oberhaching (Kreis München), werde es 4,5 Stellen mehr geben. Die Anwesenden verstanden nur: Entlastung, endlich. St. Rita ist eines von fünf Caritas-Altenheimen im Diözesanverband München und Freising, die ab Juli mehr Personal zur Verfügung haben. Möglich wird das durch eine Anhebung des Stellenschlüssels, die die Landespflegesatzkommission Ende 2013 beschlossen hat. Neben leichten Verbesserungen in den Bereichen Leitung, Verwaltung und Hauswirtschaft schlägt vor allem ein neuer Zusatzschlüssel zu Buche. Dem zufolge gibt es künftig für 40 Pflegebedürftige eine Stelle obendrauf, ab 2016 soll der Schlüssel nochmals auf 1:26 steigen.

Bis zu fünf neue Mitarbeiter pro Heim

Vorerst sind so bis zu fünf zusätzliche Mitarbeiter für ein Seniorenheim drin. Dabei geht es nicht unbedingt um Pflegefachkräfte, die schon seit langem schwierig zu bekommen sind. Ziel ist vielmehr, Leute aus anderen Bereichen zu gewinnen, die sich als Präsenzkräfte etwa nachmittags um die Senioren kümmern, mit ihnen garteln, spazieren, was auch immer tun. Das Pflegepersonal, hofft Hahn, könne so „in seine eigentlichen Bereiche zurückkehren“ – neben der Pflege ist das auch die Ausbildung neuer Kräfte.

Allein in den knapp 30 Einrichtungen des Caritas-Diözesanverbands könnten auf lange Sicht 130 neue Stellen entstehen. Auch andere Träger wie die Diakonie oder das Bayerische Rote Kreuz (BRK) ziehen mit – oberbayernweit wären nach Auskunft des Bezirks theoretisch 590 zusätzliche Stellen möglich. Die Verbände, die lange für die Anhebung des Schlüssels gekämpft haben, sind mit der neuen Regelung zufrieden. Allerdings machen sie keinen Hehl daraus, dass auch diese Medaille zwei Seiten hat.

Wer von mehr Pflege profitiert, zahlt

Sämtliche Kosten, die durch das Stellenplus entstehen, bleiben nämlich an den Pflegebedürftigen und deren Angehörigen hängen. In Falle der Caritas sind das knapp 140 Euro monatlich. Hinzu kommen die regulären Preissteigerungen. Im Diözesanverband ist man überzeugt, dass viele den Schritt mitgehen und zahlen werden – man weiß aber auch, dass nicht alle die finanzielle Last werden tragen können und vom Bezirk Oberbayern unterstützt werden müssen. Der rechnet schon jetzt mit Mehrkosten von 16,3 Millionen Euro. Ob die Pflegekassen langfristig zuzahlen werden, ist unklar.

Daniel Wagner, Sprecher der Diakonie Bayern, hält das aber für unausweichlich. Dazu müsse, wie es im Koalitionsvertrag steht, der Versicherungsbeitrag erhöht werden. 0,5 Prozent haben Union und SPD vereinbart. Für Wagner nicht genug, aber ein erster Schritt. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe habe versichert, sich darum zu kümmern. „Wir haben den Eindruck, dass die Pflege an Stellenwert gewinnt.“ Pflege-Experte Claus Fussek sieht Probleme an ganz anderer Stelle. Ihm liegen Fälle vor, in denen Angehörige wegen des erhöhten Pflegeschlüssels gut 100 Euro mehr zahlen, ohne mehr Leistung zu spüren.

Nicht alle Heime setzen wohl das Plus um

Seine Vermutung: Die Heime haben kein Personal gefunden, es aber trotzdem in Rechnung gestellt. An anderer Stelle rechnet Fussek damit, dass Heime den neuen Schlüssel „aus Wettbewerbsgründen nicht umsetzen“. Insofern sei das Ganze eine „scheinheilige Debatte“. Marion Hahn ist unverdächtig, sie will die Stellen unbedingt. „Wir jammern ja seit Jahren, dass der Schlüssel erhöht werden soll“, sagt sie. Jetzt müsse man die Möglichkeit wahrnehmen. Den 145 Senioren in St. Rita könne das nur guttun. Und es sei ein Zeichen der Wertschätzung an die strapazierten Mitarbeiter. „Würden wir das nicht machen, wär’s der Niedergang.“

Marcus Mäckler

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