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Ende der Minijobs? Reform will „Brutto gleich Netto“ abschaffen – trotzdem bliebe 70 Euro mehr Gehalt

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Von: Andrea Stettner

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Eine Frau putzt den Boden. Minijobber arbeiten oft als Reinigungskraft.
Minijobber arbeiten oft als Reinigungskraft. © Franziska Kraufmann/dpa

Experten der Bertelsmann-Stiftung fordern eine grundlegende Reform der 450-Euro-Jobs, um Menschen vor der Minijob-Falle zu bewahren. Zudem würden 165.000 neue Jobs entstehen.

Währen der Corona-Pandemie haben 870.000 Minijobber ihren Job verloren. Für die Betroffenen, oft Studierende oder Mütter, ist dies finanziell besonders fatal, denn als Minijobber haben sie auch keinen Anspruch auf Kurzarbeiter- oder Arbeitslosengeld, oder vergleichbare Ansprüche auf Rentenbeiträge, da sie nicht in die Sozialversicherung einzahlen. Laut Bertelsmann-Stiftung ist ihr Risiko, arbeitslos zu werden, zudem rund zwölf Mal höher als für sozialversicherungspflichtig Beschäftigte auf dem Arbeitsmarkt.

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Abschaffung der Minijobs und steuerliche Entlastung der unteren Einkommen gefordert

Nicht zuletzt deshalb schlagen deshalb Experten der Bertelsmann-Stiftung nun eine grundlegende Reform vor: Die Ökonomen Tom Krebs und Martin Scheffel plädieren für eine Abschaffung der Minijobs und eine Entlastung der unteren Einkommen. So sollen Beschäftigte bereits ab dem ersten verdienten Euro Sozialversicherungsbeiträge bezahlen, um besser abgesichert zu werden.

Das bisherige „Brutto für Netto“ unter einer Verdienstgrenze von 450 Euro fiele also weg. Stattdessen schlagen die Wissenschaftler vor, die Sozialversicherungsbeiträge bei niedrigen Verdiensten möglichst gering zu halten und allmählich zu steigern. Die Durchschnittsbelastung stiege dabei linear von 0 Prozent bei keinem Verdienst auf 20,2 Prozent bei einem monatlichen Bruttoeinkommen von 1.800 Euro an.

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Reform der Minijobs: Mehr Geld, da sich mehr Arbeit wieder lohnt

Unterm Strich würde dies gerade für armutsgefährdete Geringqualifizierte mehr Geld am Monatsende bedeuten: im Schnitt 70 Euro mehr pro Monat, rechnet die Bertelsmann-Stiftung vor. Der Grund: Die Reform regt dazu an, über die 450-Euro-Grenze hinaus zu arbeiten. Bisher sind ab dieser Grenze immer schlagartig Abgaben und Steuern in Höhe von rund 10 Prozent des Verdienstes fällig. Wer mehr arbeitet, wird dadurch bestraft.

Mit der Reform würden die Sozialversicherungsbeiträge in diesem Übergangsbereich von 450 auf 451 Euro jedoch geringer ausfallen, sie würden sich konkret von jetzt 45 auf dann 22,55 Euro halbieren. Mit einem Monatsverdienst von 1.000 Euro würden anstatt 187 Euro nur noch 112,22 Euro für Sozialabgaben fällig. Teilzeitbeschäftigung würde sich also mehr lohnen, was insbesondere für Geringqualifizierte, Alleinerziehende und Mütter eine Chance wäre, die besonders oft in die Minijob-Falle geraten. Die Reform soll auch mehr Arbeitsplätze schaffen: rund 160.000 Teilzeitstellen sowie 5.000 Vollzeitstellen, rechnet die Bertelsmann-Stiftung vor. 

CDU / CSU fordern Ausweitung der Minijobs und Anhebung der Verdienstgrenze

Dass es zur Reform kommt, ist jedoch fraglich: CDU und CSU plädieren in ihrem neuen Wahlprogramm vielmehr für die Ausweitung des Minijob-Systems durch eine Anhebung der Verdienstgrenze von 450 Euro auf 550 Euro. (as)

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