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Bei ihm beißen alle an!

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Von: Susanne Stockmann

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Der Bäckereifachverkäufer Roland Peter Schilffarth sitzt vor einem Brotregal und hält zwei Brotlaibe fest
Roland Peter Schilffarth in der Hofpfisterei, seine Maske hat er nur fürs Foto abgelegt © Achim Peter Schmidt

Offener Blick, herzliches Lachen – und die Brotlaibe fest im Griff: Roland Peter Schilffarth (21) ist Oberbayerns bester Bäckereifachverkäufer. Warum der junge Mann Dinge aus vollem Schrot und Korn liebt, steht hier:

Spaß, das ist das Wort, das Roland Peter Schilffarth im Interview über seine Berufswahl am häufigsten verwendet und diese Freude strahlt der 21-Jährige auch aus! Eigentlich hatte er vor zwei Jahren nur einen Sommerjob gesucht, wollte ein bisschen Geld verdienen, bis das neue Schuljahr beginnen würde. Nach einer abgebrochenen Ausbildung als Fachinformatiker hatte Roland beschlossen, sein Fachabitur zu machen. Obwohl er dieses Ziel nun fast erreicht hat, kam alles ganz anders!

Der Reihe nach: Der Job in der Hofpfisterei-Filiale machte einfach zu viel - richtig - Spaß, um anschließend wieder die harte Schulbank zu drücken! Es habe einfach alles gepasst: die Kollegen waren toll, der Umgang mit den Kunden liegt ihm und mit den Produkten der Bäckerei kann er sich identifizieren: „Wir verkaufen ausschließlich ökologische Ware. Es gibt nichts Schöneres als hinter einer Theke zu stehen, und um dich herum ist alles Bio!“

Die Begeisterung der jungen Aushilfe sprach sich herum. An seinem letzten Tag kam der Gebietsleiter überraschend vorbei und bot Roland eine verkürzte Ausbildung als Bäckereifachverkäufer an, die er heuer in nur zwei Jahren als Innungsbester abgeschlossen hat. Was kaum jemand weiß, und für Roland ebenfalls neu war: In rund 150 Handwerksberufen treffen sich jährlich die besten Absolventen zum Wettbewerb. Roland musste z.B. Schaufenster gestalten, Tafeln in Kaligraphie beschriften, Snacks anrichten sowie Verkaufsgespräche mit anspruchsvollen Kunden simulieren. Das klingt anstrengend, aber Roland genoss es, mit seinem Können zu glänzen! In Oberbayern wurde er Erster, auf bayerischer Ebene erreichte der junge Absolvent den dritten Platz: „Damit bin ich sehr zufrieden!“ Roland gewann ein Fortbildungsstipendium, das er im kommenden Jahr für eine Verkaufsleiterschulung nutzen möchte: „Das ist eine Art Meisterschulung an der Akademie des Bayerischen Bäckerhandwerks.“ Anschließend darf er nicht nur eine eigene Filiale leiten, sondern auch Azubis ausbilden und er erhält auf diesem Weg sein Fachabitur! Seine nahe Zukunft sieht er auf jeden Fall als Hofi – als Mitarbeiter der Hofpfisterei. Aktuell setzt er sich in der Jugend- und Ausbildungsvertretung für andere Auszubildene ein: „Das ist ein richtiges Hobby geworden, sich im Betrieb zu engagieren.“

Über die Ausbildung das Fachabitur erwerben

In der Hofpfisterei sind heuer alle Ausbildungsplätze für den Verkauf unbesetzt geblieben. Roland Peter Schilffarth möchte Werbung machen für diesen oft noch unterschätzten Beruf: „Mit dieser Ausbildung steht mir die ganze Welt offen“, auch ein Studium ist nicht ausgeschlossen. „Aber es gibt tatsächlich noch viele Vorurteile gegenüber dem Beruf.“ Einer ist, dass er eher für Frauen geeignet sei: „Früher waren tatsächlich in der Berufsschule viele Klassen rein weiblich, das habe sich jedoch geändert: „Bei uns lag der Männeranteil bei fast der Hälfte.“ Praktischer Nebeneffekt: Die Arbeit ersetzt fast jedes sportliche Workout, wenn in der Früh die Brotlaibe in die Regale eingeräumt werden müssen. „Das ist aber auch eine sehr befriedigende Arbeit“, so Schilffarth. Brote, Semmeln und alle Leckereien müssen appetitlich in Szene gesetzt werden, sodass sie einfach zum Anbeißen aussehen. Der Beruf sei für jeden geeignet, der Spaß daran habe, im Team zu arbeiten, und gern Menschen kennenlernt. Zudem komme es darauf an, Ordnung zu halten. Ein Faible fürs Kopfrechnen sei auch nicht verkehrt, wenn man nicht immer nur die Kasse rechnen lassen wolle. Besonders gern berät Roland Peter Schilffarth die unentschlossenen Kunden: Aus den über 60 verschiedenen Brotsorten und Semmeln oder den mehr als ein Dutzend süßen Backwaren das Produkt zu finden, das genau passt, ist eine Aufgabe, für die Roland brennt. Sein Lieblingsbrot ist übrigens die Wilde Kruste. Sein Tipp für die Adventszeit: „Unser Kokoskuchen ist sensationell gut, macht aber auch sehr satt.“

Ein weiterer oft noch unterschätzter Beruf ist der des Krankenpflegers bzw. der Krankenpflegerin.

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