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Reicht die Rente? Bürger­anwalt Dietmar Gaiser und Maria S. rechnen nach.

Der tz-Bürgeranwalt hilft

Neben der Rente etwas dazuverdienen? Das müssen Sie wissen

München - Viele Rentner in Deutschland haben ein Problem, denn das Geld im Alter reicht nicht. Für einige die Lösung: Ein Job im hohen Alter. Das müssen Sie dazu wissen.

Wenn die Rente eine gewisse Summe übersteigt oder der Dazuverdienst zu hoch wird, müssen auch Rentner Steuern zahlen. Gegen diese Regelung wurde mehrfach prozessiert. Das Argument der Kläger war, dass die Einzahlungen in die Rentenkasse ja schon einmal versteuert wurden, sodass es sich also bei der Rentenbesteuerung um eine Doppelbesteuerung handelt. Leider folgten die obersten Richter dieser Argumentation nicht. Sie erklärten die Steuern auf Renten als verfassungskonform.

Alleinstehende Rentner, die am Jahresende mehr als knapp 9000 Euro im Geldbeutel haben, müssen also Steuern zahlen. Allerdings haben die Rentner das gleiche Recht auf Freibeträge wie jeder Erwerbstätige auch. Diese Freibeträge sollte niemand verschenken. Dazu gehören unter anderem die sogenannten Sonderausgaben. Das sind beispielsweise Beiträge für die Kranken- oder Pflegeversicherung. Aber auch eine private Haftpflichtversicherung und Spenden sind Sonderausgaben. Außerdem können „außergewöhnliche Belastungen“ abgesetzt werden. Diese reichen von Arzt- über Medikamentenrechnungen bis hin zu Beerdigungskosten für einen Verwandten. Eine wichtige Rolle spielen auch die „Werbungskosten“. Das können Gewerkschaftsbeiträge oder Kosten für einen Rentenberater sein. Diese Aufzählung ist natürlich nicht vollständig. Sie will Ihnen nur zeigen, dass auch Rentner die Möglichkeit haben, die zu versteuernde Summe herunterzurechnen.

Machen Sie sich also die Mühe und nutzen Sie die Möglichkeiten aus, die Ihnen das Steuerrecht bietet. Wenn Sie sich das nicht zutrauen oder sich nicht genügend auskennen, gehen Sie zu einem Fachmann. Auch die Kosten für ihn können Sie von der Steuer absetzen.

Der Fall: Rentnerin will sich etwas dazuverdienen

Ich habe 51 Jahre lang gearbeitet. Und zwar habe ich mich von einer Einzelhandelskauffrau bis zur Sachbearbeiterin einer Bank hochgearbeitet. Außerdem habe ich alleine einen Sohn großgezogen. Als Dank für dieses arbeitsreiche Leben bekomme ich jetzt eine Rente, die zum Sterben zu viel und zum Leben zu wenig ist. Gemessen an anderen Renten ist sie gar nicht so schlecht, aber wenn man Miete, fixe Kosten wie MVV, Telefon, Energie, Versicherungen und anderes abzieht, bleibt nicht mehr viel. Deswegen habe ich einen 450-Euro-Job angenommen. Aber auch mit dem zusätzlichen Geld muss ich mir überlegen, ob ich mit unserer Wandergruppe schon vor neun Uhr morgens loslaufen kann, weil ich dann zu meiner MVV-Karte zuzahlen muss. Genauso ist es, wenn ich ins Kino oder mal in ein Café gehen will. Deswegen möchte ich mehr als die 450 Euro dazuverdienen. Wie kann ich meine Rente aufbessern, ohne dass der Staat mir einen Teil über die Steuer wieder nimmt? Maria S. (68), Rentnerin aus München

Das sagt der tz-Bürgeranwalt

Die 68-Jährige ist durchaus rüstig und sie ist bereit, fast jede Arbeit anzunehmen. So gesehen dürfte es also kein Problem sein, die Rente ein bisschen aufzubessern. Aber seit 2005 gilt auch für Rentner die Steuerpflicht. Wer damals in Rente gegangen ist, dessen Altersversorgung wurde zu 50 Prozent steuerpflichtig. Diese Grenze erhöht sich jedes Jahr, derzeit ist sie bei 74 Prozent angelangt. Wer also in diesem Jahr in Rente geht, dem werden 74 Prozent der Rente als steuerpflichtig angerechnet.

Günter Belz, der jahrzehntelang bei der Rentenberatung Bayern Süd tätig war, erklärte uns, dass es bei der Besteuerung immer auf das Gesamteinkommen ankommt. Er konnte Maria S. keine großen Hoffnungen machen, ihre Rente aufzubessern, ohne Steuern zahlen zu müssen. Die Steuerfreigrenze liegt bei Alleinstehenden knapp unter 9000 Euro im Jahr. Wenn Maria S. heute 68 Jahre alt ist und bis zum 65. Lebensjahr gearbeitet hat, wird zwar nicht die volle Rente versteuert, aber sie fällt in die Steuerpflicht. Ausgenommen sind die 450 Euro, die sie dazuverdient. Die Steuer dafür zahlt der Arbeitgeber. Jeden Euro, den sie mehr dazuverdient, muss sie versteuern.

Wie hoch die Steuerlast endgültig ist, kommt natürlich auf mehr als nur die Rente an. Die endgültige Summe errechnet sich aus allen Einkünften. Das zu ermitteln ist dann nicht mehr Sache eines Rentenberaters, sondern eines Finanzfachmanns.

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